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Lieber Brennnesseln oder Sonnenblumen?

Mona Gruber March 5, 2026
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Da bin ich wieder ─ mit einem Gedanken, den ich außer der Reihe mit dir teilen möchte. Weil mich die Ereignisse der letzten Tage sehr beschäftigt haben. Mein monatlicher Newsetter erscheint wieder morgen. Am ersten Freitag des Monats.

Wir leben in einem Land, in dem wir das Privileg haben seit 80 Jahren in Frieden leben zu dürfen. Viele Menschen haben dieses Privileg nicht. In Tagen wie diesen scheint die Welt den Atem anzuhalten. Wir schauen alle gebannt nach außen. Und wir fragen uns – warum? Und finden unzählige Antwortmöglichkeiten. Keine ist wirklich befriedigend. Und keine gibt uns die Sicherheit, nach der wir uns sehnen.

Das sind die Momente, in denen ich zu mir selbst Stopp sage.

Und mich frage – was kann ICH tun? Wem hilft es, wenn ich mich im Sog von Angst, Sensationslust, Frust, Hilflosigkeit ─ von Mitleid und Schmerz ─ mitreißen lasse? Und ich komme zu folgendem Schluss:

Es HILFT Niemandem. NIEMANDEM.

Und jetzt kommt das Schwierige. Ich nehme mich aus dem Sog. Nicht aus mangelndem Mitgefühl. Nicht weil ich mutiger oder kälter bin als andere. Sondern weil ich eine Entscheidung treffe. Ich entscheide mich, bewusst nur das zu tun, was ich selbst tun kann. Mit meiner ganzen Kraft.

Ich entscheide mich für Frieden.

Dort wo ich wirksam sein kann. Das ist im Kleinen. Das beginnt in mir. Bin ich in Frieden? Mit meinem Leben? Mit den Menschen, mit denen ich zu tun habe? Denke ich friedvoll? Handele ich friedvoll?

Ich kann nicht Brennnesseln säen und dann erwarten, dass Sonnenblumen aus den Samen wachsen. Das Ergebnis hängt von der Saat ab. Von dem Samen, den wir pflanzen. Den wir nähren, wässern und pflegen müssen, damit er groß und stark werden kann. Und natürlich wächst auch Unkraut in der Nähe und wenn wir das nicht im Auge haben, dann ist es um unseren kleinen Setzling geschehen. Aber wenn wir unseren Samen immer im Auge haben, wenn wir uns um ihn kümmern ─ auch bei Regen und Sturm, bei Hitze und Wind ─ dann wächst er zu einer starken und stabilen Pflanze. Und trägt neue Samen. Und diese Samen verbreiten sich.

Ich habe mich vor langer Zeit dazu entschieden einen Sonnenblumensamen zu säen und zu pflegen. Und immer, wenn ich an einem blühenden Sonnenblumenfeld vorbeikomme, freue ich mich. Vor allem dann, wenn ich sehe, wie diese Sonnenblumen sich mehr und mehr ausbreiten und gelb und fröhlich vom Wegesrand und dem Nachbarfeld leuchten. Das geht nicht von jetzt auf gleich. Das dauert lange. Ich weiß.

Aber ich frage mich, wo soll das hinführen, wenn wir den Brennnesseln das ganze Feld überlassen?

Ja – ich handele. Nicht laut. Nicht aufgeregt. Aber beständig. Ich halte meine Energie zusammen. Damit ich sie dafür einsetzen kann, meine Sonnenblume zu pflegen. Damit sie Samen trägt und diese verteilt.

Ich bin deswegen weder ein naiver Gutmensch noch ein radikaler Pazifist. Ich leiste mir eine eigene Meinung. Ich informiere mich. Und ich anerkenne, dass mein Wissen mich nicht berechtigt zu behaupten, hier die „Wahrheit“ zu kennen. Zu wissen, wer hier der „Gute“ und wer der „Schlechte“ ist. Denn so einfach ist es nicht. Sind wir nicht alle entfernte Geschwister in Not, die einander aus dem Blick verloren haben? Mit sehr verschiedenen Nöten?

Und ich bin so ehrlich mir einzugestehen, dass ich nicht weiß, wie ich reagieren würde, wenn es zum Krieg in unserem Land käme. Ich hoffe inbrünstig, dass ich das nie erleben werde. Dass WIR das nie erleben werden. Und dafür tue ich, was ICH tun kann. Ich pflege meine Sonnenblume.

Welchen Samen pflanzt und pflegst du? Oder hast du ihn schon längst gepflanzt? … und du warst dir dessen vielleicht nur bis jetzt nicht bewusst?

Danke, dass ich diese Gedanken mit dir teilen durfte. Ich geh jetzt leben. Heute sehr bewusst, mit besonders großer Dankbarkeit im Herzen. Und du?

Herzliche Grüße Mona

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