Apple Watch Series 12: Langeweile vorprogrammiert
Auf der WWDC 2024 war die größte Neuerung für Apple-Watch-Träger das Widget “Vitalwerte”, das bereits vorhandene Daten wie Armgelenktemperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz und andere gegen die Trends der vergangenen Tage verglich und auf Unregelmäßigkeiten hinwies. Einige Zeit später berichteten wir über prophetische Eigenschaften dieser Neuerung. Auf der WWDC 2025 war das neue Design Liquid Glass der große Star, doch selbstverständlich floss das Glas auch auf der Apple Watch. Ein neues Zifferblatt spiegelte die Design-Neuerung auf dem Bildschirm wider.
Und auf der WWDC 2026? Die Apple Watch bzw. watchOS 27 ist zu einer Fußnote verkommen. Es gibt eine neue App-Ansicht, ähnlich wie Smart Stack mit fünf aktuell genutzten Apps. Apple erweitert die Modelle für Prämenopause und Menopause, “Wo ist?” wird aus unterschiedlichen Ansichten zu einer App vereint. Alles außer neuen Modellen für die Frauengesundheit ist Generationenpflege, keine der Neuerungen reißt vom Hocker.
Apple Intelligence bleibt der Watch verwehrt – noch
Erschwerend kommt hinzu, dass Apple auf der WWDC 2026 nicht konkret erwähnt hat, ob und wie Apple Intelligence auf die Apple Watch kommt. Aus der Sicht der Hardware-Ausstattung ist die Smartwatch von Apple ein Zwerg unter den Apple-Silicon-Titanen: 2 GB an Arbeitsspeicher in der Apple Watch Series 11 gegen 12 GB in einem iPhone 17 Pro.
Auch 64 GB Speicher erscheinen wenig im Vergleich mit dem Standard von 256 GB bei den aktuellen iPhones. Der Co-Prozessor Neural Engine setzt in der Apple Watch seit der ersten Ultra auf vier Kerne, beim iPhone unterstützt seit iPhone XR eine neuronale Engine mit 8 Kernen die Berechnungen der künstlichen Intelligenz, seit dem iPhone 12 Pro stieg die Zahl der Kerne auf 16.
Kurzum: Die Apple Watch ist viel zu schwachbrüstig, um Apple Intelligence lokal auf dem Gerät auszuführen. Einige Funktionen könnten die Modelle auf Apples Servern übernehmen, doch dazu gab es auf der Keynote fast nichts Neues.
Weniger als eine Minute Bühne: Apple vergisst seine eigene Uhr
Verfolgte man die Keynote aufmerksam, konnte man sehen, dass jeder Redner eine Apple Watch trug. Doch der Apple Watch als einem Thema wurde etwas weniger als eine Minute gewidmet. Diese war so schnell vorbei, dass wir nach der Keynote schrieben, Apple habe die Apple Watch vergessen. Da der Entwickler sich auf Apple Intelligence und Siri AI konzentrierte, gab es nur wenig über die Watch zu berichten.
Blutdruck ja, Blutzucker nein – der Sensor-Stillstand der Apple Watch
Eine Apple Watch ist nicht nur das Betriebssystem, sondern auch Hardware. So könnte man noch hoffen, dass in Ermangelung neuer Software-Funktionen Apple im Herbst neue Gesundheitssensoren bringt. Doch auch hier muss wohl der Hersteller seine Kunden enttäuschen: In der nächsten Zukunft kann man keine neuen Hardware-Sensoren erwarten.
Die kolportierte Blutdruckmessung hat Apple auf andere Art interpretiert: Statt einer unzuverlässigen Messung haben Apples Wissenschaftler einen Algorithmus entwickelt, der die Pulswellengeschwindigkeiten interpretieren und so auf einen erhöhten Blutdruck hinweisen kann.
Gerüchte über eine Blutzuckermessung bei der Apple Watch kursieren schon mindestens zehn Jahre. Doch die Technologie ist weiterhin nicht marktreif. Bislang wird prognostiziert, dass Apple oder einer der Wettbewerber eine miniaturisierte, nicht invasive Blutzuckermessung erst gegen Ende des Jahrzehnts vorstellen kann. Das vielversprechende Start-up Rockley Photonics wurde am 23. Oktober 2024 an die kalifornische Firma Celestial AI verkauft, diese wiederum im Februar 2026 an den Halbleiter-Hersteller Marvell Technology.
Zwar entwickelt sich die Branche von Biophotonics weiter, ein Spin-off vom Helmholtz Zentrum München, S-Thesis Medical, produziert derzeit erste Prototypen seines Biosensors, der den Blutzuckergehalt direkt im Blut messen kann. Die Firma strebt eine Marktzulassung in den USA und der EU bis Ende 2028 an. Aus Berlin kommt die DiaMonTech AG, ihr D-Pocket ist anscheinend schon fertig und kann Blutzucker noninvasiv messen, doch der Sensor ist in einem Handy-Format, Miniaturisierung strebt die Firma erst an. Keine der erforschten Lösungen ist bisher marktreif.
Projekt „Mulberry” auf Eis: Apples Gesundheits-Coach kommt nicht
Gegen Anfang 2026 kamen die wiederholten Gerüchte auf, Apple arbeite an einer Erweiterung seines Gesundheitsdienstes. Statt nur Grafiken zu den zig unterschiedlichen Gesundheitswerten zu liefern, sollte eine Art Coach kommen. Dieser würde etwas schneller Trends erkennen und den Nutzer oder die Nutzerin darauf hinweisen.
Doch schon im Frühling hat der gut informierte Journalist Mark Gurman die Hoffnungen gedämpft. Das Projekt “Mulberry”, so heißt bei Apple intern der Gesundheits-Coach, wurde zurückgestellt. Tatsächlich gibt es weder bei iOS 27 noch bei watchOS 27 Spuren von ausgefeilten Beratungsmodellen. Den Workout Buddy hat Apple zudem auf Spanisch gebracht.
S11 und mehr KI-Power: Das ist realistisch für die Series 12
Eine offensichtliche Neuerung kann Series 12 doch noch bringen. Ob die Gerüchte aus der Zuliefererbranche über mehr Sensoren zutreffend sind, werden wir erst im Herbst erfahren. Die Apple Watch Series 11 hat eine offensichtliche Lücke hinterlassen, die die Series 12 schließen muss. Anders als bei den Vorgänger-Generationen hat Apple in die Series 11, Ultra 3 und SE 3 das gleiche System-in-Package (SiP) eingebaut wie schon bei der Series 10 – S10.
Es ist also zu erwarten, dass in der nächsten Generation wieder ein etwas überarbeiteter Prozessor zum Einsatz kommt als in zwei vergangenen. Gut möglich ist auch, dass Apple als Grundlage einen Prozessor im 3-nm-Verfahren dafür verwendet. Bislang basieren S9 und S10 auf den Effizienzkernen des A16 Bionics aus dem iPhone 14 Pro. Dieser ist noch im 4-nm-Verfahren hergestellt.
Der passende Kandidat scheint der A18 zu sein: Diesen setzt Apple im neuen Macbook Neo ein, aber auch im iPhone 16 und 16e.
Series 12 kommt – aber reicht das noch?
So spärlich wie in diesem Jahr waren die Gerüchte über die Apple Watch kaum. Auch Apple scheint das Projekt auf ein Nebengleis abgestellt zu haben, bis dringendere Probleme wie CEO-Wechsel und die andauernde Speicherkrise bewältigt werden. Fast sicher scheint nur das neue SiP S11 oder gar S12, womöglich mit einer angepassten neuronalen Engine mit acht Kernen, die besser für die Aufgaben der Apple Intelligence geeignet ist.
Bis zum nächsten Durchbruch, nämlich der nichtinvasiven Blutzuckermessung, dauert es noch einige Jahre. Fehlende Hardware-Neuerungen können die Kunden noch verzeihen, doch einen Software-Stillstand wird es schwieriger auf der kommenden Keynote im September zu erklären. Fast scheint es so, dass Apple nicht nur die Ideen ausgegangen sind, sondern auch die Lust an der Apple Watch.
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