Mac aufräumen: So sinnvoll sind CleanMyMac, Parallels Toolbox und Co.
Tools wie CleanMyMac und Mac Cleaner Pro versprechen bei der Optimierung eines Macs sehr viel: Mac Cleaner Pro von Nektony will „bis zu 50 GB“ an Speicherplatz freigeben können und das Tempo Ihres Macs um „bis zu 30 Prozent“ beschleunigen! Auch der Hersteller MacPaw behauptet, das Tool CleanMyMac könne einen langsamen Mac wieder schnell machen, problemlos Datenmüll, Duplikate und Malware beseitigen und Leistungsprobleme beheben.
Sind diese von uns schon häufiger vorgestellten Tools aber wirklich so sinnvoll und ist das Aufräumen eines Systems überhaupt notwendig? Glaubt man einigen Kommentaren auf Reddit und anderen Medien, sind solche Tools nämlich alle Humbug und verursachen mehr Probleme, als sie beseitigen!
Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte: Manchmal können diese Tools sehr nützlich sein. Wir beantworten die zehn wichtigsten Fragen zu diesem Thema.
**
**Ist das regelmäßige Warten oder Reinigen eines Mac-Systems notwendig?
Eine Behauptung mancher Aufräum-Tools ist, dass ein Mac durch lange Nutzung immer mehr Datenmüll ansammelt, der das System verlangsamt.
Das ist aber heute längst nicht mehr korrekt. Dass ein System durch lange Nutzung langsamer und instabiler wird, traf primär auf ältere Windows-Systeme zu. So waren etwa Windows XP und Windows 7 wirklich davon betroffen, ein Problem der Registry. Bei einem aktuellen macOS und auch Windows-Systemen ist dies aber kein Problem mehr und diese Systeme laufen auch nach vielen Jahren Nutzung schnell und stabil.
Das aktuelle macOS-Betriebssystem liegt heute sogar auf einem kryptografisch versiegelten, schreibgeschützten Volume und kann dadurch nicht mehr „zugemüllt“ werden. Ein aktuelles macOS sammelt allenfalls laufend Protokolldateien an, dabei handelt es sich aber um relativ kleine Textdateien, die keine Probleme verursachen können.
Nach mehreren Jahren können diese Protokolldateien zwar auf einige GB Größe anschwellen, das sorgt dann aber nicht für ein instabiles System, sondern für Platzmangel.
Anders sieht es aber bei der Installation von Drittprogrammen aus – diese installieren zusätzliche Dateien und können sehr wohl Probleme verursachen.
Sind Tools wie Mackeeper Betrug?
System-Optimierer haben auf dem Mac oft einen schlechten Ruf, ein Grund war sehr aggressives Marketing. So machten frühere Versionen des Tools Mackeeper durch aufdringliche Internetwerbung auf sich aufmerksam und verwendeten Tools von Downloadbörsen, um sich automatisch auf Macs zu installieren! Diese Zeiten sind aber vorbei, die neuen Besitzer sind seriöse Softwareanbieter.
Viele Anbieter übertreiben aber eindeutig, wenn es um die Wirksamkeit ihrer oft recht kostspieligen Tools geht – wie wir am Anfang des Artikels bereits anführten.
Warum ist ein Deinstallationsprogramm sinnvoll?
Eine nützliche Unterfunktion vieler Aufräum-Tools ist eine Deinstallations-Funktion. Das Problem: Üblicherweise können Sie ein nicht mehr benötigtes Programm über den Papierkorb löschen. Bei manchen Apps bleiben allerdings oft Datenreste zurück – gerade bei komplexeren Programmen bleiben manchmal etwa Erweiterungen oder Cache-Dateien zurück.
IDG
Oft versuchen Apps außerdem, sich als Anmeldeobjekt einzutragen, und werden dann beim Systemstart automatisch geöffnet.
Echte Platzfresser sind auch Virtualisierungsprogramme. Manche Open-Source-Programme installieren oft viele für die Nutzung benötigte Zusatzdateien im System oder erstellen unsichtbare Ordner an überraschenden Stellen. Um die Anmeldeobjekte zu überprüfen, genügt etwa ein Blick in die Systemeinstellung Allgemein > Anmeldeobjekte und App-Hintergrundaktivitäten.
Installieren Sie allerdings nur Apps aus dem App Store oder nutzen Sie – anders als ich – selten neue Software, ist ein solches Deinstallationsprogramm nicht notwendig.
Warum ist das Freigeben von Speicherplatz so wichtig?
Diese Aufräum-Tools können einen Mac wirklich beschleunigen – indem sie für mehr Speicherplatz sorgen. Ist nämlich auf einem Mac nur noch sehr wenig Speicherplatz frei, kann dies das System stark ausbremsen.
Die Speicherverwaltung des Macs benötigt nämlich viel freien Speicherplatz für die Auslagerung von Arbeitsspeicher. Knapp zehn (besser zwanzig) Prozent der SSD eines Macs sollten immer frei bleiben, je mehr, desto besser.
Durch eine komfortable Oberfläche und gute Suchfunktionen können diese Tools gerade Einsteigern dabei helfen, für freien Speicherplatz zu sorgen.
Wie sinnvoll sind Funktionen für die Suche nach Adware und Malware?
Hat man Probleme mit der Systemleistung oder -stabilität, vermuten manche Anwender auch einen Befall mit Adware oder anderer Malware. Das ist in der Praxis meist nicht der Grund für Instabilität, gerade lästige Adware ist aber nicht selten.
Immer mehr Aufräum-Tools bieten deshalb auch einen integrierten Malware-Scanner, der den Mac nach Viren durchsucht. Umgekehrt gibt es aber auch immer mehr Antivirenprogramme, die als Zusatzfunktionen das Aufräumen des Systems anbieten.
So können CleanMyMac und Mackeeper nach Malware suchen. Gleichzeitig bieten Antivirenprogramme wie Norton, Avast und Intego One integrierte Aufräum-Tools.
Intego One kann sogar iPhones und iPads scannen.
Stephan Wiesend
Ob es sinnvoll ist, diese Funktionen in einem Paket zu kombinieren? Das bleibt jedem Nutzer selbst überlassen.
Ist das Löschen von Cache-Dateien sinnvoll?
Eher ein Taschenspielertrick ist bei vielen Aufräum-Tools das Löschen von Cache-Dateien. Apps und das System legen sogenannte Cache-Dateien an, die viel Platz verbrauchen, aber das erneute Öffnen von Apps oder Systemfunktionen beschleunigen. Viele Tools bieten das Löschen von Cache-Dateien an, was sofort mehrere GB an Speicherplatz freigeben kann – ein schneller Erfolg.
Allerdings wird dieser freigegebene Speicherplatz meist rasch wieder vom System und den diversen Apps wieder belegt.
Sinnvoll ist das Löschen von Cache-Dateien in der Praxis manchmal doch. Probleme mit dem System oder Safari lassen sich manchmal nur durch das Löschen von Cache-Dateien beheben. Manchmal benötigen Sie auch kurzfristig freien Speicherplatz, etwa bei der Installation eines neuen Systems. Dann können diese Funktionen nützlich sein – aber Sie müssen keinesfalls regelmäßig Cachedateien löschen!
Sind Aufräum-Tools bereits vorinstalliert?
Einige Systemtools sind bei jedem Mac vorinstalliert. Das Freigeben von Speicherplatz ist so wichtig, dass Apple schon seit Jahren ein eigenes Aufräumtool vorinstalliert hat. Diese „Speicherverwaltung“ rufen Sie über die Systemeinstellung Allgemein > Speicher auf.
Für die Prüfung und Reparatur der Festplatte müssen Sie nur in den Wiederherstellungsmodus wechseln. Bei einem ARM-Mac müssen Sie dazu beim Systemstart den Einschaltknopf gedrückt halten und in den Wiederherstellungsmodus starten.
Halten Sie nach einem Neustart die Einschalttaste länger gedrückt, startet der Mac im Wiederherstellungsmodus.
Apple
Wollen Sie Cache-Dateien löschen, müssen Sie nur einmalig den Mac im sogenannten sicheren Modus starten. Das ist ein Modus für die Systemdiagnose, bei dem automatisch auch viele Cache-Dateien gelöscht werden.
Wie gut ist Apples Speicherverwaltung?
Apples Speicherverwaltung ist ein vorinstalliertes Aufräumtool, das etwas versteckt ist. Das Tool ähnelt den anderen Tools, allerdings fehlen eine Duplikatsuche und die Möglichkeit, Cache-Dateien zu löschen.
Das Tool listet und sortiert alle Daten nach Rubriken und zeigt den Speicherbedarf an. Zusätzliche Optionen erhalten Sie, wenn Sie auf das kleine „i“ neben einem Eintrag klicken.
Die Stärken des Tools liegen in einigen Besonderheiten. So können Sie über das i-Symbol zusätzliche Funktionen aufrufen und unter der Rubrik Apps deinstallieren.
Die Systemeinstellung bietet interessante Aufräumfunktionen.
Stephan Wiesend
Klicken Sie auf das i-Symbol neben „Dokumente“, erhalten Sie etwa eine Liste aller großen Dateien, eine Liste der Downloads und eine Sammlung nicht mehr unterstützter alter Apps.
Besonders nützlich ist hier die Dateiübersicht. Hier können Sie in einer Baumansicht Ordner nach Größe sortieren und so schnell versteckte Speicherfresser im Musik- oder Library-Ordner finden. Insgesamt bietet das Tool aber weniger Funktionen als Tools wie CleanMyMac und ist ein reines Aufräumtool. Auch die Deinstallation von Apps übersieht oft zusätzliche Dateien.
Die besten Angebote für das Macbook Neo
Shop
Preis
$599
Jetzt ansehen
Bei Amazon ansehen
Preisvergleich (über 24.000 Shops weltweit)
Produkt
Preis
Preisvergleich von Backmarket
Muss eine SSD gewartet werden?
Es gibt auch Systemtools für die Optimierung von Hardware, etwa Sensei von Cindori. Dieses bietet etwa die Prüfung der SMART-Daten und des Trim-Status an. Das ist bei aktuellen Macs aber nicht mehr erforderlich und wird vom System übernommen. Bei einem aktuellen Mac gibt es allgemein nur noch wenige Wartungsmöglichkeiten.
Gibt es nicht genug kostenlose Tools?
Es gibt auch zahlreiche kostenlose Systemtools, die beim Aufräumen und der Deinstallation helfen. Für das Deinstallieren von Apps gibt es etwa den App Cleaner von Freemacsoft. Bei der Suche nach Speicherfressern kann dagegen das Tool GrandPerspective hilfreich sein, das die Belegung eines Speichermediums als Grafik anzeigt.
Grand Perspective zeigt die Belegung eines Speichermediums als Grafik.
Stephan Wiesend
Der Nachteil: Ein Systemtool muss an aktuelle Systemversionen angepasst werden und gut dokumentiert sein. Oft stellen Entwickler eines kostenlosen Tools ihre Software aber bald ein und bieten auch oft nur eine mäßige Dokumentation.
Auch Support haben Sie nicht zu erwarten. Das oft empfohlene Tool Onyx ist etwa ein solches kostenloses Tool, das einige interessante Wartungsroutinen bietet. Es ist aber nur für erfahrene Anwender geeignet und kann bei falscher Bedienung schnell Probleme verursachen. Für unerfahrene Anwender kann deshalb ein Tool wie CleanMyMac sinnvoller sein.
Verwandte Inhalte
Mac aufräumen und sauber halten – die besten Tipps, die besten Tools
Antivirus für den Mac: Warum auch Apple-Rechner nicht vollkommen immun sind
Die 11 besten Antivirus-Programme für den Mac im Test
“Systemdaten” am Mac löschen – so geht’s
Discussion in the ATmosphere