Tim Cooks letzte Keynote – Apple räumt seine Systeme auf
Die WWDC-Keynotes der vergangenen Jahre ähnelten sich: Die meiste Zeit sprach Apple über das neue iOS, verschwendete kaum Worte über watchOS, mal gab es mehr, aber meist weniger über iPadOS zu berichten und den Namen des neuen macOS zog Craig Federighi wie ein Kaninchen aus dem Hut. In einigen Jahren gab es noch einen Hardwareblock und seit 2024 das übergreifende Thema Apple Intelligence.
Die letzte Keynote, die Tim Cook als CEO des Unternehmens moderierte, brach mit dem bisherigen Konzept – und das aus guten Gründen. Die wesentlichen Neuerungen betreffen alle Systemwelten Apples, insbesondere die auf ein neues Niveau gehobene Apple Intelligence. Es wäre schlicht und ergreifend kaum sinnvoll gewesen, ein System nach dem anderen vorzustellen. Zumal Apple neben der neuen Siri und der überarbeiteten Architektur von Apple Intelligence den 27er-Versionen von macOS, iOS, iPadOS und verwandten Systemen praktisch keine anderen neuen Funktionen verpasst hat.
Immerhin hatte das „Crack Marketing Team“ von Craig Federighi seinen Auftritt, erst im Comic und dann in einem echten VW Bulli, der mitsamt seiner Insassen auch dem Film „Viel Rauch um Nichts“ entsprungen hätte sein können. Nicht von ungefähr erinnert der Name von macOS 27 Golden Gate an den Summer of Love …
Drei übergreifende Säulen statt Schweinsgalopp durch die Systeme
Aber natürlich hatte die Keynote zur Eröffnung der Entwicklerkonferenz eine Struktur und einen damit verbundenen dramaturgischen Aufbau. Anstatt aber die Systeme einzeln abzuklappern, setzte Apple auf drei wesentliche übergreifende Themen: Design und Systemgrundlagen, Sicherheit und Vertrauen sowie Apple Intelligence. Auf Witze oder ein Einleitungsvideo zum Fremdschämen (Formel-1-Rennwägen auf dem Dach des Apple Park) verzichtete Apple größtenteils, mit der erwähnten Ausnahme des bekifften Marketingteams. Was auch auffiel: Tim Cooks designierter Nachfolger John Ternus, der am 1. September den CEO-Posten übernimmt, war nicht eine Sekunde lang im Bild. Aber Apple hatte heute auch keine Hardware zu zeigen.
Design und Grundlagen
Vor einem Jahr hatte Apple nicht nur die Nomenklatur seiner Systeme auf die Versionsnummer 26 vereinheitlicht, sondern mit Liquid Glass ein neues Design eingeführt, das zumindest umstritten war. Aus dem Feedback der Anwenderschaft hat Apple aber gelernt und die Oberfläche wieder besser wahrnehmbar gemacht. Dazu gibt es in den Einstellungen der Systeme einen Regler, mit dem man die Transparenz der Schaltflächen und Leisten von fast komplett transparent bis undurchsichtig stufenlos regeln kann. Menüleisten der Programme bleiben besser im Blickfeld und unter Seitenleisten lässt sich Content verschieben, der freilich nur dann durchschimmert, wenn es die Liquid-Glass-Einstellung erlaubt. Auch Programm-Icons sollen besser lesbar werden.
Design ist aber weit mehr als nur Aussehen, sondern auch Struktur. Im Hintergrund der Systeme will Apple wesentliche Änderungen vorgenommen haben, damit etwa Apps schneller starten oder die Suche flotter Ergebnisse liefert. Mehr Details lesen Sie hier …
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Sicherheit und Vertrauen
iOS und iPadOS bleiben weiterhin Single-User-Systeme für persönliche Geräte, da lässt Apple nicht mit sich reden. Während man auf dem Mac Nutzerkonten mit sehr eingeschränkten Rechten erstellen kann, sodass Kinder auf dem Familiencomputer nur die Inhalte sehen und nur die Apps nutzen, die für sie geeignet sind, war die Bildschirmzeit in den letzten gut zehn Jahren Apples Versuch, Kinder zu schützen. Mit recht eingeschränktem Erfolg, zu leicht ließ sich diese Art von Kindersicherung umgehen.
Jetzt wagt Apple einen neuen Anlauf. Das fängt an mit einem Kinderaccount, der gewissermaßen mitwächst. So sind ab Werk erst einmal nur wenige Apps freigegeben und Kommunikation mit nur wenigen Kontakten erlaubt. Jede zusätzliche App und jeden zusätzlichen Kontakt muss ein Elternteil erst einmal freigeben. Gleiches gilt für Websites: Wenn das Kind etwa auf Macwelt.de will, muss es das bei den Erziehungsberechtigten per Nachricht anfragen, das Elternteil kann sich dann einen Überblick über die Inhalte verschaffen, ehe es den Zugang erlaubt. Aber selbst nach Freigabe schützen Filter vor verstörenden Inhalten.
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Die Bildschirmzeit lässt sich nicht mehr per App beschränken, sondern nach dem Einsatzzweck: Entertainment, Spiele, Kommunikation. Hinzu kommen Zeitpläne, sodass Apple TV und Netflix etwa nur am Wochenende erlaubt sind und Spiele nicht während der Schulstunden, aber nachmittags und in den Ferien.
Die Tools, die Apple unter wissenschaftlicher Begleitung US-amerikanischer Kinderärzte entwickelt hat, funktionieren aber nur so gut, wie sie ihre Bediener einsetzen. Apple gibt Eltern auf einer neuen Website daher einige Leitfäden zur Hand. Alle Details zur Kindersicherung lesen Sie hier.
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Apple Intelligence und Siri AI
Den größten Block nahm freilich das Thema künstliche Intelligenz ein, respektive Apples Version davon, die Apple Intelligence. Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen den Mund reichlich voll genommen und eine kontextsensitive Siri versprochen, die sich selbstständig Informationen aus allen Apps zusammensammelt, den Bildschirminhalt zu lesen versteht und auch noch weiß, was man sie vor einer Minute gefragt hat, und daran anknüpfen kann.
Das kommt jetzt alles wirklich, noch dazu auch in einer App, die alle Anfragen sammelt und aufbewahrt, und unter neuen Namen: Siri AI. Und nicht erst „later this year“, sondern unverzüglich, sofort, schon in den heute veröffentlichten Entwicklerbetas. Aber natürlich nicht in der EU, zumindest nicht auf iPhone und iPad.
Hintergrund ist der Digital Markets Act (DMA), der Apple als Gatekeeper von iOS und iPadOS (macOS ist wegen einer anderen Wettbewerbssituation nicht betroffen) dazu verpflichtet, auch KI-Agenten von Dritten den Zugriff auf die Funktionen von Siri AI zu gewähren. Apple sieht darin eine Gefahr für die Userdaten, da solche Agenten auch autonom auf das komplette Gerät zugreifen könnten. Eine von Apple vorgeschlagene Lösung für eine über den Zeitraum von 18 Monaten einzuführende Mittlerschicht namens Trusted System Agents habe die EU abgelehnt. Apple arbeite weiterhin daran, diese Funktionen einführen zu können, habe aber keinen Zeitplan dafür. Den Siri-Modus in der Kamera-App und die eigene Siri-App wird es so schnell nicht auf EU-iPhones geben.
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Siri AI wird, wie schon länger berichtet, zu einer Art Chatbot, die dynamische Insel auf dem iPhone wird gewissermaßen der neue Ort für die AI. Die fortgeschrittenen Funktionen von Siri AI werden jedoch auf neueste Apple-Hardware wie das iPhone 17 Pro beschränkt sein, der Grund ist Apples Ansatz, so viel von der AI auf dem Gerät selbst auszuführen, wie nur möglich ist. Weiterhin kommen auch dedizierte Server zum Einsatz, für die Apple maximalen Datenschutz verspricht. Details zur Hardware und zu den Standorten dieser Server nannte Apple in der Keynote nicht.
Noch ein kleiner Haken: Die neue Siri spricht zunächst nur Englisch, es sollen aber „bald“ alle anderen Sprachen folgen, zu denen Apple Intelligence heute kompatibel ist. Mehr Details zur neuen Apple Intelligence und Siri AI lesen Sie hier.
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