Die WWDC-Keynote war langweilig – und das ist gut so
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June 8, 2026
Ich muss ehrlich zugeben: Als Apple bei der Keynote zur WWDC 2026 ausführlich über Kindersicherheit gesprochen hat, habe ich abgeschaltet. Ich bin kurz aufgestanden, habe mein letztes Getränk weggebracht und mir ein neues aus der Küche geholt. Und als ich zurückkam, sprach Apple immer noch über Kindersicherheit.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Im Zeitalter von Desinformation, Grooming und sexualisierten KI-Deepfakes ist es wichtiger denn je, Kinder so gut wie möglich davor zu beschützen oder sie zumindest dafür zu sensibilisieren, dass das Internet nicht nur aus endlosen lustigen Reels besteht, sondern auch sehr gefährlich sein kann. Aber es ist einfach unfassbar langweilig, ein minutenlanges Referat darüber zu hören. Passend dazu: der langweilige, bräunliche Farbton der 27er-Betriebssysteme.
Und das war nur einer der Faktoren, die die diesjährige WWDC-Keynote außergewöhnlich machten. Dabei gehörten diese neuen Kindersicherheitsfunktionen zu den wenigen Dingen, die wirklich neu waren. Bessere Apple Intelligence und neue Siri? Hat Apple schon 2024 versprochen. Die dazugehörigen Funktionen in Apps? Selbstredend. Und für die EU kommt eh alles später. Dass Apple nur Liquid Glass verbessern und sonst wenig Neues einführen würde, war auch schon eine ganze Weile Konsens, so detailliert wie Mark Gurman und andere in den vergangenen Monaten darüber berichtet haben.
Auch die Struktur der Keynote war außergewöhnlich. Normalerweise arbeitet Apple systematisch Betriebssystem für Betriebssystem einfach ab – iOS, macOS, iPadOS, watchOS, tvOS, in veränderlicher Reihenfolge. Diesmal ging es ausschließlich um übergreifende Konzepte: Plattform(-übergreifende) Verbesserungen, Datenschutz und Sicherheit, Apple Intelligence. Eine der wenigen spezifischen Informationen war eingebettet in Craig Federighis Running-Joke mit dem Apple-Marketing-Team, das die Namen für die macOS-Versionen ausdenkt. Dieses Jahr: Golden Gate, die Meerenge zwischen der San Francisco Bay und dem Pazifik, mit der gleichnamigen Brücke darüber.
Wer Apple kennt, dem wird aber aufgefallen sein: Das Unternehmen hat mit Apple Intelligence nicht nur ein längst überfälliges Versprechen eingelöst. Zwei Drittel der Präsentation waren Werten gewidmet, die seit jeher Kundinnen und Kunden anziehen und binden: ein stabiles, flüssiges Betriebssystem und Sicherheit, Datenschutz und Vertrauen.
Nach dem Beinahe-Fiasko von Liquid Glass sagt Apple: „Passt auf, wir wissen, dass das gerade alles nicht sehr rund läuft, wir biegen das wieder hin.“ Die Animationen werden wieder flüssiger, Apps laden schneller. „Wenn euch Liquid Glas nicht gefällt, könnt ihr es bis zur Unkenntlichkeit tönen, aber ganz verschwinden wird es nicht. Wir haben zu viel Geld dafür ausgegeben, um es rückgängig zu machen.“
Die neuen Funktionen des Kinderkontos sagen Eltern: Bei Apple sind Ihre Kinder vor den Untiefen des Internets sicher. Selbst der Apple-Intelligence-Block drehte sich zu einem großen Teil um Datenschutz und Sicherheit. Im Gegensatz zu anderen KI-Firmen verspricht Apple, Ihre Daten und Anfragen nicht schamlos abzugreifen, sondern schleift sie durch eine Anonymisierungsebene: die Private Compute Cloud. Ein großer Teil von Apple Intelligence verlässt Ihr iPhone, iPad, Macbook und neuerdings auch die Apple Watch ohnehin nicht.
Ja, die Keynote der WWDC 2026 war langweilig. Aber für die allermeisten sollte sie ein Zeichen dafür sein, dass Apple seine eigentlichen Stärken nicht vergessen hat, auch wenn es zwei, drei Releases braucht, bis sie auch tatsächlich umgesetzt werden.
Vielleicht hat deshalb Tim Cook die Keynote an- und abmoderiert: Man kennt ihn. Er strahlt Vertrauen aus. Der designierte Nachfolger hingegen, John Ternus, ist in der Präsentation überhaupt nicht aufgetaucht, auch wenn man meinen könnte, die WWDC wäre eine gute Gelegenheit, ihn schon mal an eine seiner neuen Aufgaben heranzuführen. Stattdessen darf er sich mit dem größten Produktlaunch des Jahres im September profilieren.
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