Meta und Apple kappen Virtual-Reality-Pläne: Das droht der Vision Pro
Mark Zuckerberg hat sich mit seinem Projekt Metaverse oder auf Deutsch „Metaversum“ wohl etwas verhoben. Es ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, wie viel Geld das unter dem Namen Facebook gegründete Unternehmen für dieses Projekt in den vergangenen zehn Jahren ausgegeben hat.
Über hundert Milliarden soll Meta in die Entwicklung von Software und Hardware für Virtual Reality und Augmented Reality investiert haben. Die Einnahmen lagen dagegen bisher bei zehn Milliarden – viel zu niedrig angesichts der hohen Kosten.
Nun muss gespart werden – auch für Investitionen in KI –, die zuständige Geschäftseinheit Reality Labs entlässt im Januar zehn Prozent ihrer knapp 15.000 Mitarbeiter.
Man muss festhalten: Das Ergebnis der zehn Jahre Entwicklung ist technisch beeindruckend und diese Einsparungen bedeuten bislang nicht das endgültige Aus. Die Meta Quest 3 ist schließlich weiter verfügbar und kommt etwa bei Gamern hervorragend an. Auch die günstigeren Meta‑AI‑Brillen laufen sehr gut.
Anders sieht es aber bei den vielen anderen geplanten Verwendungsmöglichkeiten aus. Geplant hatte Mark Zuckerberg – dies übrigens lange vor ChatGPT – ursprünglich sehr viel mehr.
So sollte das Metaverse Facebook aus der Abhängigkeit von Google und Apple lösen und eine neue Mobilplattform schaffen. Ist doch Meta auf iPhone und Android-Smartphone nur ein „Gast“ und muss seine Einnahmen mit den Plattformbetreibern teilen.
Parallelen zu Apples Vision Pro liegen da nahe. Auch Apple ist offenbar mit dem Erfolg seiner Vision Pro unzufrieden und soll die Entwicklung von Nachfolgemodellen gestoppt haben. Verstehen kann man die aktuelle Situation von VR und AR nach meiner Meinung nur, wenn man sich näher mit dem Scheitern des Metaverse beschäftigt.
Meta wollte die enormen Entwicklungskosten vor allem durch virtuelle Umgebungen für Arbeit, Kommunikation und Unterhaltung wieder ausgleichen – als Grundlage für eine völlig neue Plattform. Auch die Kommunikation sollte über Avatare grundlegend verändert werden, ein Ansatz, den auch Apple verfolgte.
Die Kunden hatten aber kaum Interesse an einer Art „Second Life 2.0“ und das Metaverse hatte den meisten Privatanwendern und Firmen zu wenig echte Vorteile zu bieten. Vor allem die Kommunikation als Avatar im Comic-Look wurde von den meisten eher belächelt. Zahlreiche Konferenzen wurden in der Hochphase bereits virtuell abgehalten, konnten aber nur selten überzeugen.
Die hohen Kosten entstehen nicht nur durch die Entwicklung von Hardware wie der VR-Brille Meta Quest und der dazugehörigen Software, sondern auch durch die von Meta selbst finanzierten Inhalte. Zusätzlich investiert das Unternehmen in VR- und kommende AR-Produkte. Diese sollen reale und virtuelle Welt miteinander verschmelzen – bei Apple auch als „Spatial Computing“ bezeichnet. Besonders stark hat Meta in diese AR-Zukunftstechnologien investiert.
Games für VR-Brillen sind erfolgreich aber doch eher ein Nischen-Phänomen.
Stephan Wiesend
Gerüchte, Apple habe die Entwicklung der Vision Pro eingestellt
Hier gibt es interessante Parallelen zu Apple. Auch Apple hat in seine AR/VR‑Brille „Vision Pro“ vermutlich Milliarden investiert. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, hier ist Apple deutlich verschwiegener. Tim Cook wird aber sicher einen einstelligen Milliardenbetrag investiert haben – Software- und Hardwareingenieure sind in Cupertino teuer. Auch die Ergebnisse sind nicht unähnlich.
Ich würde nicht ausschließen, dass Apple auch Meta im Auge hatte und eine Alternative zu Metas Metaverse im Angebot haben wollte – nur für den Fall, dass Mark Zuckerberg Erfolg hätte.
Anders als Meta hat Apple aber einen „Backup-Plan“. Kauft ein Kunde statt einer Vision Pro für seine Büroarbeiten doch lieber ein Macbook Pro und ein iPhone, bleibt er schließlich ein zahlender Apple-Kunde. Diese Rückversicherung hat Meta nicht.
Intern soll es bei Apple aber eine Kurskorrektur gegeben haben, zumindest was kommende Generationen der Vision Pro betrifft. Kürzlich wurde von Macrumors berichtet, Apple habe die Weiterentwicklung seiner Vision Pro komplett eingestellt. Auch eine geplante Vision Air – eine leichtere und günstigere Version – wurde verschoben.
Das wurde aber sofort stark bestritten. Laut Mark Gurman von Bloomberg ist dies nicht richtig, es gab aber wohl schon vor einem Jahr einige Umorganisationen. Die zuvor eigenständige Vision Products Group wurde aufgespalten – und die Software-Entwickler der Abteilung Apple Software und die Hardware-Entwickler der Abteilung Apple Hardware zugeordnet.
Viele Software-Entwickler sollen sich außerdem seitdem um Siri kümmern.
Apple
Im Grunde ist die Vision Pro ja kein Misserfolg: Die Apple-Brille hat ihre Fans und ist technisch eine Meisterleistung. Die Verkaufszahlen sind aber mit bisher vielleicht 600.000 produzierten Stück wohl enttäuschend niedrig – andernfalls hätte Apple dies längst verkündet.
Apple wollte – ähnlich wie Meta – mit der Vision Pro eine neue Produktkategorie schaffen, vergleichbar mit dem iPhone oder der Apple Watch, und sie klar vom Image eines „Nerd- oder Gamer-Produkts“ abgrenzen.
Berichte über eine hohe Rückgabequote sollen dem Unternehmen dabei zu schaffen machen, sind jedoch nicht bestätigt, da viele Details zur Vision Pro weiterhin auf Gerüchten basieren.
Wie Meta sieht auch Apple in virtuellen Meetings einen zentralen Anwendungsfall. Dabei kommen sogenannte „Personas“ zum Einsatz – täuschend echte Avatare, die in einem virtuellen Konferenzraum miteinander interagieren können.
Voraussetzung ist jedoch, dass alle Teilnehmer eine Vision Pro besitzen. Auch wenn das Konzept technisch beeindruckend wirkt, ist es derzeit schwer vorstellbar, dass Unternehmen ihre Belegschaft flächendeckend damit ausstatten.
Foundry
Es wird oft angeführt, Apple hätte mit dem „Spatial Computer“ etwas vollkommen anderes als Meta beabsichtigt. Die Vision Pro soll ja nicht nur VR abbilden – also eine rein künstliche Welt abbilden –, sondern eine Verschmelzung aus echter und künstlicher Welt – Augmented Reality.
Aber auch Meta hatte eine solche AR-Brille in Planung, die offenbar die Hälfte des Entwicklungsbudgets verschlang. Mit dem Modell Orion wurde sogar im September 2024 ein erster Prototyp vorgestellt. Die Brille sieht optisch eher wie eine überdicke Kassenbrille aus, hat aber mit den Funktionen der Vision Pro mehr Überschneidungen, als mancher ahnt.
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Wollen Kunden eine Virtual Reality-Brille?
Man könnte fast sagen, dass Virtual-Reality-Brillen für Ingenieure eine Art „weißer Wal“ sind – ein ambitioniertes Entwicklungsziel, das viele fasziniert, an dem jedoch bislang zahlreiche Ansätze gescheitert sind.
Das Konzept ist dabei keineswegs neu. Erste Ideen für eine solche Technologie finden sich bereits in der Kurzgeschichte „Pygmalion’s Spectacles“ von Stanley G. Weinbaum, die 1935 erschien. Seitdem gab es immer wieder neue Versuche, die Vision einer immersiven virtuellen Realität umzusetzen. Auch Google ist in diesem Bereich nicht erfolgreich geblieben: Das smartphonebasierte VR-System Daydream wurde bereits 2019 eingestellt.
Vor diesem Hintergrund bleibt spannend, wie sich Samsungs neues Galaxy XR entwickeln wird, das der Apple Vision Pro stark ähnelt, jedoch für unter 2.000 Euro auf den Markt kommen soll.
Auch die Vision Pro hat im Alltag viele Mängel. Viele Nutzer klagen über das hohe Gewicht, das die mehrstündige Nutzung unkomfortabel macht. Selbst die Nutzung als Video-Brille ist auf Dauer unkomfortabel und die mobile Nutzung nicht einfach. Vielen ist es noch dazu einfach zu peinlich, die seltsam wirkende Brille in der Öffentlichkeit zu tragen – etwa in einem Flugzeug. Auch das tödliche Kommentar „wurde zum teuren Briefbeschwerer“ hört man leider oft.
Die ersten Berichte waren positiv – gerade unter Youtubern mit kostenlos bereitgestellten Testgeräten –, allerdings zeigten sich gerade bei langer Nutzung viele Nachteile. So klagen viele Anwender über das hohe Gewicht und ein eingeschränktes Angebot an Inhalten.
Das Problem: Man benötigt eigentlich keine VR-Brille, um in ein gutes Game oder einen Film „einzutauchen“. Auch ein 32‑Zoll-Bildschirm oder auch nur ein iPhone-Bildschirm bieten genug Immersion, um die Außenwelt zu vergessen. Vor allem ist jedes iPhone oder iPad eine deutlich günstigere und komfortablere Plattform für AR-Anwendungen als jede AR‑Brille.
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Nutzen Sie Google Übersetzer, um eine Speisekarte zu übersetzen, nutzen Sie schließlich bereits AR. Auch für die Navigation mit Google Maps oder die Analyse des Kamera-Bildes ist ein iPhone vollkommen ausreichend.
Nicht zu vergessen: Es gibt zahlreiche Anwendungsfälle, für die eine Vision Pro ideal ist. Sowohl in medizinischen Anwendungen als auch in Unternehmenseinsätzen ist das Konzept offenbar sehr erfolgreich. Porsche nutzte die Vision Pro etwa bei Mitarbeiterschulungen. Laut einem jüngeren Interview ist Apple weit davon entfernt, die Vision Pro so schnell einzustellen.
Für die meisten Interessierten ist sie aber schlicht zu teuer – auch ich besitze deshalb trotz höchster Apple-Affinität keine Vision Pro. Neu kostet eine Vision Pro M5 3.699 Euro (ohne Korrekturlinsen). Sogar eine gebrauchte Brille kostet auf Ebay immerhin noch knapp 2.300 Euro. Das ist viel Geld für ein Nischenprodukt mit mäßigem Repertoire.
Smart Glasses als die Zukunft?
Und dann kam KI … Smart Glasses sind eigentlich ein komplett anderes Produkt, mit dem Meta aber viel Erfolg hat – nicht zuletzt dank einer Kooperation mit Ray-Ban. Das Konzept hat aber nach meiner Meinung wenig mit dem Metaverse zu tun, eher mit einer Sonnenbrille mit KI‑Anbindung. Sie sind außerdem günstiger. So gibt es etwa die Ray-Ban Meta 1 im Abverkauf für 247 Euro. Was haben die Geräte aber zu bieten?
Sie können mit Meta AI chatten, Live-Übersetzung in sechs Sprachen nutzen und etwa auf Reisen Infos über Sehenswürdigkeiten erhalten. („Hey Meta, schaue und sage mir etwas über dieses Denkmal“) oder eine fremdsprachige Speisekarte übersetzen („Hey Meta, schaue und sage mir, was das auf Englisch heißt“).
Auch eine Aufnahmefunktion ist integriert, um Fotos und Videos aufzunehmen („Hey Meta, mach ein Video“). Lautsprecher ermöglichen das Hören von Musik oder Telefonate.
Meta
Das ist eigentlich im Vergleich zu einer Vision Pro sehr wenig, reicht den meisten Anwendern aber anscheinend völlig aus. Diese haben ja zusätzlich noch ihr iPhone dabei…
Bis zu 7 Millionen Smart Glasses soll Meta allein 2025 abgesetzt haben – das entspricht einem Umsatz von vielleicht 2 oder maximal drei Milliarden Dollar. Allerdings geht davon etwa die Hälfte an EssilorLuxotica, dem Hersteller der Brillen.
Auch Apple plant, solche Smart-Glasses ins Angebot zu nehmen, und laut Mark Gurman könnten sie bereits 2027 auf den Markt kommen. Die Brille soll sehr stark Metas AI-Brillen ähneln und eher einer herkömmlichen Brille ähneln. Auch hier sind Lautsprecher, Mikrofone und eine Kamera integriert, die Umgebungskontext liefern. Bisher sind dies aber noch Gerüchte und ob Apple diese Brillen wirklich auf den Markt bringt, ist vermutlich noch gar nicht entschieden.
Die Frage bleibt, ob Apple und Meta ihre hohen Investitionen langfristig doch noch amortisieren können. Gerade bei der Vision Pro entsteht der Eindruck, dass Apple seiner Zeit um einige Jahre voraus war. Mit günstigeren Komponenten und weiterentwickelter Software könnte eine zukünftige Version deutlich erfolgreicher sein – insbesondere dann, wenn der Preis unter 2.000 Euro sinkt.
Auch die oft diskutierten „hundert Milliarden an Investitionen“ von Meta können relativiert werden. Schließlich hat Apple einen vergleichbaren Betrag allein für Aktienrückkäufe vorgesehen – was die Dimension solcher Summen in der Tech-Branche noch einmal in ein anderes Licht rückt.
Fazit:
Am Ende entscheidet der Endkunde, ob sich ein Produkt durchsetzt oder nicht. Die Vision Pro ist ein faszinierendes Gerät, das beeindruckende Funktionen bietet.
Die Apple Vision Pro ist für den Massenmarkt derzeit schlicht zu teuer und dürfte daher vorerst vor allem für professionelle Anwender und Technik-Enthusiasten interessant bleiben. Viele Nutzer greifen stattdessen lieber zu einfachen, aber alltagstauglichen Smart Glasses – eine Entwicklung, die für Meta vermutlich eine positive Überraschung war.
Bemerkenswert ist dabei, dass sowohl Apple als auch Meta nahezu zeitgleich zu ähnlichen Erkenntnissen gelangt sind. Es wäre daher nicht überraschend, wenn kommende Smart-Glasses-Generationen indirekt von den hohen Investitionen in Vision Pro und Metaverse profitieren und daraus entscheidende technologische Fortschritte mitnehmen.
Discussion in the ATmosphere