Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. (Mt 10,33)
12 Sonntag im Jahreskreis
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 10, 26–33
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Tagesimpuls
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.(Mt 10,33)
Man könnte meinen, dass man eine innerliche Beziehung zu Jesus pflegen könne ohne sich äußerlich zu ihm zu bekennen. Sehr viele Christen leben so. Sie sagen, dass sie glauben, gehen aber nicht einmal in einen Gottesdienst. Was ist denn Christsein ohne dieses äußere Bekenntnis? Ist das noch Christsein? Jesus sagt - wenn wir seine Aussagen durchdenken - Nein! Bekenntnis gehört wesentlich zum Christsein, und ohne Bekenntnis ist der Christ kein Christ.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Wir dürfen das nicht mit dem Ohr hören: „Ich bin sowieso Christ, und das Bekenntnis kommt nun noch dazu. Es ist für mich schwer und ich empfinde es als eine schwere Last. Ich würde lieber Christ sein ohne das Bekenntnis.“ Diese Art von Gedanken sind falsch. Das Bekenntnis ist nicht eine Art Christenpflicht, die zu meinem innerlichen Christsein noch hinzugefügt werden müsse, sondern Christ ist man nur, indem man sich auch zu Jesus bekennt. Wer nach außen hin sagt oder so lebt, dass er mit Jesus nichts zu tun hätte, der hat tatsächlich nichts mit ihm zu tun.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Ich stelle mir vor, dass jemand nie zur Kirche geht, aber nun von mir ein Schreiben ausgestellt bekommen möchte, dass er Christ ist. In dieser Lage ist Jesus, wenn er beim jüngsten Gericht jemanden als Christ vor seinem Vater bekennen sollte, der ansonsten mit ihm nie etwas zu tun hatte. Offensichtlich kann sich Jesus nicht für ihn einsetzen, weil er mit ihm nichts zu tun hatte.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Es bleibt die Frage, ob es nicht doch ein (nur) innerliches Christsein geben könne. Ich denke an den verlorenen Sohn. Da gab es tatsächlich einen Moment, wo er in sich ging. Das war sicher ein sehr wertvoller Moment. Aber dann ging er zum Vater, das war schon wieder äußerlich. Stellen wir uns vor, der verlorene Sohn wäre nur beim Innerlichen geblieben. Wäre er dann Christ? Wäre der dann im Vaterhaus Gottes angekommen? Der ältere Bruder wäre das andere Extrem. Er wäre nur ein äußerlicher Christ. Und einen rein äußerlichen Christen gibt es auch nicht, denn auch er konnte nicht mit dem Vater feiern. Christsein gibt es also nur im Zusammenspiel von innerem Glauben und äußerem Bekenntnis.
Gebet:
Jesus, wir sind von einem gesellschaftlichen Klima geprägt, welches das Christsein ins Innerliche verbannen will, ohne äußeres Bekenntnis, ohne äußere Wirksamkeit. Aber du sagst uns, dass dies für einen Christen unmöglich ist. Bitte hilf uns, aus uns herauszugehen, so wie der verlorene Sohn aus der inneren Einkehr herausgegangen ist zu seinem Vater. Wir wollen uns wenigstens durch die Mitfeier des Sonntagsgottesdienstes zu dir bekennen!
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Pastor Roland Bohnen
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