Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. (Mk 10,44)
08 Woche im Jahreskreis Mittwoch
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus Mk 10, 32–45
In jener Zeit, als Jesus und die Jünger auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die ihm nachfolgten aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand. Er sagte: Siehe, wir gehen nach Jerusalem hinauf; und der Menschensohn wird den Hohepriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden ausliefern; sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Und nach drei Tagen wird er auferstehen. Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen! Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, worum ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
Tagesimpuls
Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.(Mk 10,44)
Gestern ging es darum, alles zu verlassen und Jesus an die oberste Stelle zu setzen, wenn wir ihm nachfolgen. Nur dann werden wir wirklich frei, um unsere Mitmenschen so zu lieben, wie Gott es will. Heute geht es darum, dass wir einander dienen sollen und nicht über die anderen herrschen.
Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Als erstes fällt der Ehrgeiz und das Karrierestreben der beiden Jünger auf. Und was noch mehr auffällt: dass Jesus sie deswegen nicht zurechtweist. Er lenkt es nur in die richtige Richtung. Es ist so, als würden die beiden sagen: „Wir wollen ganz große Heilige werden!“ Und Jesus sagt: „Ok, das finde ich toll! Aber es heißt, zu dienen und den untersten Platz einzunehmen. Seid ihr denn dazu bereit?“
Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Jesus segnet keine falsch verstandene Demut. Unter Christen gibt es diese falsche Demut. Das ist eine Angst, etwas falsch zu machen, eine Angst, im Vordergrund zu stehen, eine Bequemlichkeit, sich zu engagieren. Man bleibt lieber in der zweiten Reihe oder am besten ganz hinten, wo niemand einen sieht. „Lass die anderen mal machen, ich habe sowieso schon genug zu tun“, das ist die Devise dieser falsch verstandenen Demut. Es ist der, der sein Talent vergräbt, und der erntet kein Lob dafür. Dann ist es doch besser, wenn man mal was falsch macht, aber wenn man überhaupt mal etwas für die Gemeinschaft tut und nicht nur für sich selbst.
Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Jesus segnet also Ehrgeiz. Sollten egoistische Motive mitspielen, dann heißt das für Jesus nicht, dass er die Menschen mit ihrem Ehrgeiz zerbricht, sondern dass er die krummen Motive gerade biegt. Er hilft den Menschen, auf den richtigen Weg zu kommen. Aber der Ehrgeiz an sich ist gut. Weder die Kirche noch unsere Gesellschaft würden existieren, wenn es keine Menschen gäbe, die bereit sind, sich einzusetzen.
Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Noch ein Wort zu den anderen Jüngern: Anstatt sich zu ärgern, könnten sie sich ja auch bemühen. Sie könnten sich auch engagieren. Alle müssen lernen, dass es nicht um Macht, sondern um Dienst geht. Aber Dienen heißt nicht, möglichst ruhig und passiv zu sein, sondern Dienen heißt, sich zu engagieren, die Angst zu überwinden und bereit zu sein, Fehler zu machen.
Gebet:
Jesus, bitte bewahre und vor der falschen Demut, die sich immer nur zurückhält. Bewahre uns auch davor, zu viel zu tun, vor allem, wenn es nicht deinem Willen entspricht. Segne alle Menschen, die über ihren Schatten springen und sich für die Kirche engagieren. Hilf auch uns, dass wir unser Talent nicht vergraben, sondern dort einsetzen, wo es dein Wille ist.
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Pastor Roland Bohnen
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