Es war. Es ist. Es wird sein?

Jürgen (the mysztaerrie) June 28, 2026
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Auch wenn es mir eigentlich am Arsch vorbeigehen muss, stellte ich mir auch während der Hitze der letzten Tage Fragen. Komme ich von einem anderen Planeten? Was verpasste ich? Ist es eine Generationenfrage? Liegt es daran das ich auf dem Land aufwuchs? Warum passen wir unsere Gewohnheiten, unser Leben nicht wie Menschen am Mittelmeer an? In meiner Kindheit und Jugend kam es selten vor, war aber möglich, dass die Temperaturen 25° überschritten. Es gab Entscheidungen die nicht hinterfragen wurden. Worüber man nicht diskutierte. Lag die Innenraumtemperatur in den Klassenräumen höher, gab es hitzefrei. Wenn es zu heiß war fand Sport in der Turnhalle statt. Unsere Eltern achteten darauf das wir immer genug tranken, leichte und helle Kleidung trugen. Wie im Winter, Verzicht auf unnötige Fahrten. Die Pflanzen im Garten oder Blumen auf den Gräbern der Urgroß- und Großeltern gossen wir morgens oder abends wenn es nicht so heiß war. Ein Laden bei uns im Dorf verkaufte wenn es zu heiß war keine Schokolade und nahm sie erst wieder ins Sortiment wenn es wieder kühler war. Am Ende des Sommer, Anfang des Herbst. Wenn´s kühl war wurde gelüftet. Ansonsten blieben die Fenster und Rollos zu. Die drei Dachfenster blieben den ganzen Tag über offen und wurden nur bei Sturm und Hagel geschlossen. Auch sonst Hilfsbereitschaft, statt Selbstsucht. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre konnten sich die Einwohner*innen im Rahmen der Dorferneuerung (Ziele; Flächenentsiegelung, mehr grün) Bäume und Hecken bestellen und pflanzen lassen. Wir pflanzten bei uns im Hof eine Linde. Als diese gewachsen war und Schatten spendete machte unser Vater aus einem ehemaligen Baumstamm zwei Sitzebänke und einen dicken Holzklotz als Tisch und stellte sie unter den Baum. Wenn Menschen fragten ob sie dort für paar Minuten im Schatten sitzen konnten oder es einfach taten ließen wir sie. War für uns nie ein Problem. Wenn wer fragte, füllten wir die Flasche mit Leitungswasser auf. Oder gaben der Person ein Glas mit einem anderen Getränk. Wenn ich auf meine Kindheit und Jugend zurückblicke, oder die drei Monate die ich im Sommer 1995 in Italien arbeitete und lebte und darauf schaue wie ich die Hitze der letzten Tage wahrnahm, fällt mir schwer zu verstehen wie dumm Menschen sein können. Vieles was ich erlebte war meiner eigenen und persönlichen Meinung nach nicht nur fahrlässig, sondern kriminell. Wenige positive Beispiele. Einzelne Läden im Veedel die ihre Öffnungszeiten anpassten und beispielsweise früher oder Nachmittags schlossen. Supermärkte die die Klimatisierung hochfuhren beziehungsweise einschalteten. Ein Büdchen an einer Haltestelle das die Schokoriegel aus dem Verkauf nahm und auf Produkte setzte die nicht wegschmolzen. Den Vogel abgeschossen hat ein Second Hand Laden in der Innenstadt. Statt richtig zu lüften war nur eine Flügeltür offen, nur ein Fenster von mehreren gekippt. In der Mitte des Laden (zwei Ebenen) stand ein Turmventilator der rausgeworfenes Geld war. Noch nicht mal fünf Minuten im Laden gewesen und geschwitzt wie ein Wasserfall. Oder ein Treffen wo ich war. Wo, weil er zu laut sein könnte, ein Ventilator nicht eingeschaltet werden durfte, von mehreren Fenstern nur eins offen war und man sich zu spät entschied in einem Getränkeladen in der Nachbarschaft Wasserflaschen zu holen und den Menschen anzubieten. Was den Nahverkehr angeht, die Situation an den Haltestellen gleichermaßen wie in den Fuhrparken, ist es meiner eigenen und persönlichen Meinung nach berechtigt festzustellen das die Verkehrsunternehmen und die Verantwortlichen der öffentlichen Verwaltungen und der Politik bewusst Hitzeopfer in Kauf nehmen und insofern zu grob fahrlässiger Körperverletzung beitragen. Trotz der Umstände die genannte nicht beeinflussen können. Vor allem frage ich mich was die Firma Univers Reisen (Bonn) anders macht als die KVB (Kölner Verkehrs-Betriebe). Das Bonner Verkehrsunternehmen stellte während der Sperrung der Mülheimer Brücke für die Stadtbahn den Schienenersatzverkehr. Alle Busse die im Einsatz waren waren klimatisiert. Deutlich besser als diese die neueren Elektrobusse sind, die die KVB im Einsatz hat. Beziehungsweise, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber Kleinvieh auch Mist macht, wurde es sträflich unterlassen die Fahrzeuge der Stadtbahnen und Busse auf getönte Scheiben umzurüsten oder diese mit Sonnen- und Lichtschutzfolien zu bekleben. Vor Jahren war ich bei einem Termin in einer Runde wo ein Verantwortlicher der Geschäftsführung der KVB zu Gast war und es auch um die Neubeschaffung von Stadtbahnen (Hochflur- und Niederflurfahrzeugen) ging. Ich hatte nicht den Eindruck dass das Wohl der Fahrgäste im Vordergrund stand und man direkt vernünftig klimatisierte Fahrzeuge bestellt.

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