Tag 2: Bük – Ajka & Veszprém
Le Chat à Vélo
July 4, 2026
Wer von Wien aus eine Wallfahrt nach Mariazell unternehmen will, hat mehrere Optionen: man kann reichlich Höhenmeter sammeln, z.B. über St. Pölten und den Traisenradweg, oder sich auf dem Weg nach Klein-Mariazell den Wienerwald mit den Motorradfahrer*innen teilen. Oder man fährt nach Südosten auf einer brettlebenen Strecke in etwa genauso weit, in ein anderes Kleinmariazell, auf ungarisch Celldömölk. Für deutlich weniger Anstrengung wird dann aber auch weniger geboten: keine Gotik, nur Barock, und der ist nicht von Fischer von Erlach, keine Andenkenstände im Dutzend vor der Basilika, keine Schneekugeln und Skigebiet ist das hier auch eher keines. Auch die Frage, wo sich mehr ungarische Pilger*innen aufhalten ist schnell geklärt: eindeutig in der Steiermark, hier in Celldömölk ist gerade keine Wallfahrt und ohne die finden heute Mittag gerade mal 3 ältere Damen den Weg in die Kirche. Aber immerhin: eine Glockenmadonna hat man, untergebracht in einer Kapelle im Kircheninneren, die uns irgendwie an eine Garage erinnert. Gegenüber der Kirche befindet sich ein Coop, der das eigentliche Ziel unseres Aufenthalts in der Stadt ist, hier gibt es Brot und Käse. Wer die Stadt Celldömölk besuchen oder aus ihr flüchten möchte, kann das mit dem Zug sehr einfach tun, man ist hier im Gegensatz zum steirischen “grossen” Mariazell sehr gut an die Eisenbahn angebunden. Wir nehmen keinen Zug sondern eine der zahlreichen Landstrassen der noch recht flachen Gegend. Es geht in Richtung Balaton und irgendwann wird es hügeliger. Kurz vor Ajka pausieren wir an einer Tankstelle und fragen uns, was uns der Name der Stadt sagen will. Da klingelt doch irgendwas ganze hinten im Hinterkopf! Richtig, die Rotschlamm-Katastrophe war hier, erinnert uns die Wikipedia: im Jahr 2010 hat ein Dammbruch beim Aluminiumwerk in der Gegend zum Austritt von ca. 1 Million Kubikmeter giftigen Abfalls aus der Aluminiumproduktion geführt, die Umweltkatastrophe war damals in allen Medien. Ob die damals betroffenen Gebiete inzwischen wieder bewohnbar sind? Wir fahren durch die Stadt und den Hügel hinauf wieder hinaus. Hier rächen sich die schlaf-armen Hitze-Wochen plötzlich: mein Kreislauf macht schlapp, wir drehen nach wenigen Kilometern um, denn es gibt zwischen Ajka und Veszprém auch eine Eisenbahnverbindung und wir haben sogar Glück, denn der Zug, den wir nach Fahrplan knapp verpassen würden, hat Verspätung. Die Museumslok auf dem Kreisverkehr vor dem Bahnhof bleibt daher unfotografiert, wir schaffen es mit einem Sprint gerade noch in den Zug. Veszprém kommt in die Liste der hübschen ungarischen Städte, das sehen wir auf den ersten Blick. Viel mehr sehen wir bei Tageslicht dann leider nicht, denn der Kreislauf verlangt nach einem ausgedehnten Nickerchen und dann ist schon Zeit fürs Abendessen. Ein paar Fotos gehen sich aus, aber eine ausgedehntere Besichtigungstour muss auf ein anderes Mal warten. Jetzt, wo nicht mehr Kulturhauptstadt ist, kriegt man hier in der Stadt ja sogar erschwingliche Zimmer und Platz im Gastgarten. Die Fotos Meow Gallery: The gallery is empty.
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