Tag 3: Brno – Angern an der March

Le Chat à Vélo June 14, 2026
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Nahe der kleinen Stadt Slavkov bei Brünn standen einander am 2. Dezember 1805 mehr als 150.000 Mann in Waffen gegenüber. Mehr als 20.000 davon wurden bis zum Sonnenuntergang des kalten und regnerischen Tages getötet oder verwundet, Tausende weitere gingen in Gefangenschaft. Benannt ist diese Schlacht wie üblich nach keinem von ihnen, sondern wahlweise nach dem deutschsprachigen Namen des Orts Slavkov, Austerlitz, oder nach den ebenfalls anwesenden drei Kaisern aus Frankreich, Österreich und Russland, Dreikaiserschlacht. Über 100 Jahre nach der Schlacht wurde auf dem Gipfel des Hügels, um den sich das ganze Gemetzel abgespielt hat, die “Mohyla míru” errichtet, das erste europäische Friedensdenkmal. 1912 war es fertig, doch eröffnet wurde es erst einige Jahre später – ironischerweise hat gerade der Weltkrieg die Zeremonie verhindert. Wie das Bauwerk von Aussen aussieht, stellen die Fotos wohl besser dar als ich es beschreiben könnte. Von Innen haben wir es nicht gesehen, da braucht man nämlich eine Führung und darauf wollten wir auf dem kalten und extrem windigen Hügel nicht warten. Vielleicht fahren wir da ja noch einmal vorbei, ist ja nur einen Katzensprung von Brno. Ja, windig war es heute, und zwar von Westen und von Norden, was je nach gerade notwendiger Fahrtrichtung ein angenehm anschiebender Rückenwind war oder ein sehr lästiger, böiger Seitenwind. Immerhin: er hat uns nach Břeclav getragen, genauer gesagt in das, was dazu geführt hat, dass das Stadtzentrum von Břeclav immer so ausgestorben wirkt: die Stadt hat ein Fachmarktzentrum, dessen Parkplatz auch heute am Sonntag gut gefüllt ist. Ansonsten sieht es aus wie jedes andere Fachmarktzentrum auch, könnte genauso gut auf der anderen Seite der Thaya stehen, mit dem einzigen Unterschied, dass es dort heute nicht geöffnet haben dürfte. Haben wir das also jetzt auch gesehen. Weiter nach Süden, nach Hohenau, wo wir heute einmal Zeit haben uns den dortigen jüdischen Friedhof anzusehen. Er existiert seit 1879 und wurde einmal im 20. Jahrhundert erweitert, die letzten Gräber stammen aus 1937. Viele der Grabsteine sind auf Hebräisch und auf Deutsch beschriftet, die ganz neuen in der hinteren Ecke sind aufgrund ihrer Grösse als geplante Familiengräber erkennbar, sonst ja eher untypisch. Eine engagierte Gruppe von Hohenauer*innen und die Israelitische Kultusgemeinde haben dafür gesorgt, dass Büsche und Unkraut zwischen den Grabsteinen entfernt wurden und auch die grossen, alten Bäume auf dem Gelände nicht zur Gefahr werden. Bei dem heutigen Wind ist uns darunter trotzdem nicht ganz wohl. Auch von der Familie Heilig sind hier Mitglieder bestattet, aber “geklingelt” hat es erst zu Hause: Ich weiss erst seit gerade eben, dass der Journalist und Antifaschist Bruno Heilig ein gebürtiger Hohenauer war, der in Břeclav, damals Lundenburg, in die Schule gegangen war. Er wurde im März 1938 verhaftet und zuerst in Dachau, dann in Buchenwald inhaftiert, kam dann aber im Jahr darauf wieder frei. Die Familie floh nach England, wo Heilig in seinem Buch “Men Crucified” seine Zeit im KZ schilderte. In Österreich wurde das Werk unter dem Titel “Menschen am Kreuz” erst 2002 von der “Bibliothek der Provinz” neu aufgelegt. Wer es lesen will (und das sollte man): es ist noch immer lieferbar. Die Fotos Meow Gallery: The gallery is empty.

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