Wien – Mikulov – Břeclav
Le Chat à Vélo
June 6, 2026
Nach Mikulov wollen wir schon lange einmal fahren und uns die Stadt in Ruhe anschauen. Das bedeutet, dass wir über Nacht bleiben müssten, was heute nicht geplant war. So sind wir wieder einmal nur dran vorbei gefahren, hinauf zwischen die Berge mit den weissen Felswänden, die wir sonst nur von unten sehen. Die Felswände sind auch von oben weiss, doch was man von unten nicht erkennt, sind die ausgedehnten Weinberge. Die Gegend um Mikulov ist ein ausgesprochenes Weinbaugebiet, gefühlt ist hier jedes dritte Haus ein Weinbaubetrieb oder ein Heuriger oder auch eine Vermietung für Ferienwohnungen, denn die Gegend ist ein beliebtes Urlaubsziel in Tschechien. Es geht also den Berg hinauf, nicht auf den Gipfel, aber mit ausreichend Aussicht über den Thaya-Stause und auf eine ausgesprochen dekorative Burg. Genau hier wird um 17 Uhr ein Pop-Up-Heuriger aufgebaut, ein paar Plastikstühle und Sonnenschirme im Weinberg. Als wir gegen 18 Uhr vorbeifahren sind die ersten Gäste schon wieder im Aufbrechen. Es handelt sich um eine Gruppe von vier heiteren und leicht angeheiterten Damen unterschiedlichen Alters mit E-Bikes. Eine davon biegt beim Anfahren gleich ins Gebüsch ab, unter grossem Gelächter der anderen. Sicherheitshalber lassen wir die Damenspitze auf der nun folgenden Bergab-Passage lieber gleich hinter uns. Damit, dass in Břeclav heute Musikfestival ist, haben wir auch nicht gerechnet. Das Gelände bei der Sporthalle ist weiträumig abgesperrt und als Publikumsbereich oder Campingplatz in Verwendung. Gut, dass wir noch etwas Zeit haben bis unser Zug fährt und die brauchen wir auch, denn auch beim Billa in Břeclav geht es heute fast zu wie in der Filiale am Praterstern. Hauptsächlich verkauft wird: zimmerwarmes Dosenbier. Es gäbe ja auch gekühltes Bier und auch Radler, aber nur noch die alkoholfreien Sorten, doch die kommen bei den Festivalbesuchern nicht so gut an. Uns störts nicht, so bleiben welche für uns für den Zug. Man kommt mit der heutigen Tour auf rund 1200 Höhenmeter im hügeligen Weinviertel und man kommt auch an zwei der zahlreichen jüdischen Friedhöfe der Gegegend vorbei. Der erste davon ist in Bad Pirawarth, eine Handvoll Gräber in einer eigenen Sektion an der Mauer des Gemeindefriedhofs. Den zweiten in Mistelbach werden wir irgendwann näher besichtigen. Er ist versperrt, aber es gibt im Haus gegenüber einen Schlüssel, erklärt uns eine vorbeiradelnde E-Bikerin. Und falls uns das interessiert: Alle heiligen Zeiten kann man in Mistelbach auch eine Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt besichtigen, am ehesten zur “Langen Nacht der Museen” im Herbst. Heute versuchen wir es mal damit beim Haus gegenüber anzuläuten, aber dort ist gerade niemand zu Hause. Wir werden es einfach wieder probieren. Die Fotos
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