Des Trolls Monsterhandbuch: Dinosaurier- Urige Monster seit 1824
Sausier!
George Wutz in so ziemlich jeder Folge mit ihm.
Im Rollenspiel, vor allem in Pulp-Spielen oder auch im OSR, tauchen sie immer wieder auf: Dinosaurier. Urzeitliche Echsen, riesengroß, ein bisschen dümmlich, aber nichtsdestotrotz gefährlich. Egal ob Tyrannosaurus Rex, Triceratops oder Pterodaktylus, in fast allen Monsterhandbüchern seit den 70ern kann man sie finden. Zeit also, sie mal genauer unter die Lupe zu nehmen und zu zeigen, wie wir sie in Rakshazar nutzen.
Dinosaurier gibt es erst seit 202 Jahren
Bevor wir loslegen, möchte ich den Rahmen festlegen, mit dem wir auf die Echsen schauen und kurz definieren, was außerhalb unseres Rahmens liegt.
Wir werden uns nicht über Drachen unterhalten, auch wenn die Idee von Drachen auf frühe paläontologische Funde, in Europa zumindest seit der Antike belegt (Kaiser Augustus hatte in seinem Palast eine große Sammlung an Knochen von Monstern und Helden, darunter sehr wahrscheinlich auch der eine oder andere Dinoknochen). Drachen haben zudem einen ganz anderen mythologischen Rucksack, den sie, in Europa zumindest, als Verkörperung des Bösen mit sich tragen.
Ich werde auch nicht über die einzelnen Arten von Dinosauriern, deren Verwandtschaftsverhältnisse oder Evolution reden. Auch über die Zeitalter, Trias, Jura und Kreide, werde ich nicht reden. Dazu kauft euch ein möglichst aktuelles, wissenschaftliches Dinobuch. Nur so viel: Zwischen Stegosaurus und Tyrannosaurus Rex liegt so viel Zeit, wie zwischen dem Ende der Dinos und heute vergangen ist +10 Millionen Jahre.
Ich werde im Artikel auch munter Flugechsen (wie den oben erwähnten Pterodaktylus) mit Dinosauriern und Meeresechsen in einen Topf werfen, was bei echten Dino-Fans ein mittleres Magengeschwür auslösen dürfte.
Was die Überlegungen des Artikels angeht, gibt es Dinosaurier erst seit 1824, dem Jahr, als der Iguanodon zum ersten Mal beschrieben und so zu einem der bekannten Dinosaurier (etwa zeitgleich mit dem Megalosaurus) wurde. Diese Beschreibung, 35 Jahre vor Darwins „Entstehung der Arten“, hat eine (kulturelle) Schockwelle ausgelöst, deren Auswirkungen wir bis heute spüren.
Dinosaurier: Zwischen Realität und Fiktion
Ich hatte ja schon in meinem Monsterhandbuch Wesen, bei denen die Realität die Fiktion beeinflusst hat. Beim Not-Deer und Wolpertinger waren es Krankheiten, die sich die (Sonntags-)Jäger nicht gleich erklären konnten. Ich hatte auch schon Monster, die aus theologischen Überlegungen heraus entstanden und dann immer mehr Lore bekamen, wie etwa der Basilisk. Ich hatte auch schon Sirenen auf meinem Blog, die ihre Gestalt im Laufe der Kulturgeschichte von Vogelfrauen zu Meerjungfrauen wandelten.
Aber Dinos sind hier besonders. Das Auseinandertriften von Realität, also dem realen Wesen, das vor 147 oder 77 oder 112 Millionen Jahren lebte, und der Fiktion, der kulturellen Bedeutung, die wir ihm geben, ist nicht davon getrieben, dass sich letzterer Bereich schneller weiterentwickelt als das Wissen, das wir über die Dinos haben, sondern weil die Paläontologie immer neue Hinweise auf Aussehen und Lebensweise der Viecher findet, ganz davon abgesehen, dass Schätzungen zufolge seit 2000 jedes Jahr 45 neue Arten entdeckt werden. Fast alle Monster entstehen aus unserer Fantasie. Dinosaurier nicht. Bei ihnen kommt die Fantasie einfach nicht hinterher.
Nehmen wir doch mal, um das zu veranschaulichen, unseren guten Freund, den Iguanodon.
Reconstruction of Iguanodon by Samuel Griswold Goodrich from Illustrated Natural History of the Animal Kingdom (New York: Derby & Jackson, 1859).
Das Bild hier zeigt einen Iguanodon, wie man ihn sich 35 Jahre nach dessen Entdeckung vorstellte. Wir haben es hier mit einem riesigen Leguan zu tun, die charakteristischen Daumen wurden da noch als Hörner angesehen, die Teil der Schnauze waren. Heute lachen wir drüber, aber das war die Initialzündung der Art und Weise, wie wir uns Dinosaurier vorstellen. Die ersten Fantasy-Sci-Fi-Autoren, z. B. Jules Verne in seinem 1864 erschienenen „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, hatten diesen Iguanodon und die ersten Rekonstruktionen von Flugechsen und Meeresechsen vor Augen, als sie davon schrieben. Mit Glück sind sie sogar in einer Rekonstruktion drin gesessen, wie dieses Bild hier zeigt:
Dîner du Nouvel An qui a lieu le 31 décembre 1853 et qui est immortalisé dans un article de l’Illustrated London News, le 7 janvier 1854, p. 22. Organisé par Benjamin Waterhouse Hawkins qui convie 21 personnes pour un repas dans le ventre d’un iguanodon préhistorique afin de lancer l’exposition des dinosaures de Crystal Palace
Je mehr Iguanodons man fand, desto klarer wurde es, dass das Biest so nie ausgesehen hat. Die Wissenschaft hat schnell adaptiert, in der Bevölkerung hielt sich noch das Bild von diesen Riesenleguanen. Deutlich erkennen kann man das zum Beispiel im ältesten Dinofilm überhaupt: Gertie, the Dinosaur.
Es geht in dem 1914 veröffentlichten Film zwar um eine andere Spezies, aber die Ideen von 1859 sind noch ganz klar sichtbar.
Dass man wusste, dass der Iguanodon in Wirklichkeit ganz anders aussah, beweist dieses Bild aus Meyers Konversations-Lexikon: eine Enzyklopädie des allgemeinen Wissens. Bd. 8 von 1890.
Das da ist die sogenannte Känguru-Haltung, unter der ich in den 1980ern und 1990ern den Iguanodon noch kennengelernt habe. Man glaubte, das Vieh, von dem man mittlerweile wusste, dass es Pflanzenfresser war, würde sich auf den Hinterbeinen fortbewegen und der Schwanz, welcher sehr beweglich sei, würde als Stütze dienen, während der Dino Bäume abweidete.
Moderne Rekonstruktionen stellen Iguanodon so dar:
Restoration of Iguanodon bernissartensis, 2013 von Nobu Tamura, CC-Attribution-Share Allike
Vogelbecken-Dino, auf allen Vieren laufend, die riesigen Daumenkrallen doch nicht so prominent, wie man einst glaubte, Urwampe und … seit 2000 belegt, einen steifen, nach hinten gerichteten Schwanz. Auf den Hinterbeinen alleine liefen sie wahrscheinlich nur, um von Raubsauriern zu flüchten (nicht dem T-Rex, der taucht erst 35 Millionen Jahre nach den letzten Iguanodons auf). Wahrscheinlich fraßen sie eher Gras und Farne als Blätter und Nadeln von den Bäumen.
Wenn du mir aber eine Pistole auf die Brust setzt und sagst, ich solle einen Iguanodon zeichnen, dann würdest du von mir nen 80er-Känguru-Iguanodon bekommen.
Das, was ich hier mit dem Iguanodon gezeigt habe, das gilt für alle Dinos. Ich wurde 1981 geboren, mein Bild von Dinos wurde von Filmen aus den 70ern, einem Dino-Magazin mit T-Rex-Modellbausatz und Jurassic Park geprägt. Für mich sind Dinos grau, grün oder braun, geschuppt. Mittlerweile weiß man, dass die meisten Raptoren ein Federkleid hatten (für T-Rex wurde das auch mal diskutiert, was den Schreckensechsen den Schrecken nimmt, wenn man sie sich als überdimensionales Hähnchen vorstellt), man hat Dino-Mumien gefunden, weiß, wie deren Haut aussah, und konnte da sogar Pigmente nachweisen. Mein Bild von den Dinos hat sich aber noch nicht upgedatet. Mit Folgen fürs Rollenspiel, wie wir gleich noch sehen werden.
Dinos in Rakshazar
1993 kam Die Schlacht der Dinosaurier auf den Markt.
Ein dumpfes Donnergrollen, begleitet von einer Vibration des Erdbodens, zog über die Ebene von Rastargo. Nein, es war nicht der Vulkan Astana – gelegen im Lande hinter dem Ehernen Schwert –, der seinen bevorstehenden Ausbruch ankündigte. Ein riesiger Plateosaurus, einer der größten aller Saurier, tauchte am Rande der Ebene auf. Die Erde stöhnte unter seinem Gewicht. Nun war auch Kampfgeschrei zu hören, und weitere Dinosaurier der unterschiedlichsten Art waren am Horizont auszumachen. Jedes Tier trug einen oder mehrere Reiter, die gerüstet waren mit Schwertern, Lanzen und Wurfgeschossen.
Während sich die Dinosaurier-Armee noch formierte, zog vom Osten aus der gefürchtete General Tschadrak von Harangas zum Angriff. Die schweren Leiber setzten sich in Bewegung und stampften aufeinander zu. Schon bald stürzten die ersten Kolosse leblos zu Boden und nahmen ihre Reiter mit sich. Magier schleuderten Lavabrocken in den Vulkan, um dadurch neue Kräfte für ihr Heer zu sammeln. Als die Abendsonne ihre letzten Strahlen über die Ebene von Rastargo schickte, war die Dinosaurier-Armee von General Tschadrak von Harangas nicht mehr gesehen, und seine Schreckensherrschaft für immer beendet
— Klappentext von Die Schlacht der Dinosaurier;
Hier hatten wir also ein Brettspiel, bei dem bis zu 4 Armeen gleichzeitig kämpfen konnten und das In Rakshazar spielte.
Naja, eigentlich ist die Geschichte hinter dem Spiel diese, dass Schmidt-Spiele ein Dino-Spiel hatten und das einfach unter der Marke DSA rausbrachte, das Spiel selber aber nichts mit DSA am Hut hatte, geschweige denn mit den damaligen Köpfen hinter DSA irgendwie abgesprochen war. Trotzdem… das Spiel war nicht schlecht, hat echt spaß gemacht und wir vom Team Rakshazar haben es in unsere Spielwelt eingebaut. Damit hatten wir schon mal Den Tyrannosaurus Rex, Triceratops, Stegosaurus, Plateosaurus, Velociraptoren (wie immer seit Jurassic Park zu groß dargestellt, müssten eigentlich Utharaptoren sein) und Pteranodon. Wie immer in der Fantasy eine Mischung aus Oberjura (Plateosaurus, vor 217,4 bis 201,3 Millionen Jahre und Stegosaurus, vor 157,3 bis 147,7 Millionen Jahre) und Kreidezeit (T-Rex und Velociraptor, vor 85,2 bis 76,4 Millionen Jahre und auch Trceratops, ganz am Ende der Dinozeit) sowie Flugechsen (Pteranodon, auch aus der Oberkreide, vor 86,3 bis 72 Millionen Jahren).
Wir hätten die Dinos 1:1 übernehmen können, doch dann war da Hannes Radke, einer unserer damaligen Mitstreiter. Der war gerade dabei, Seine Abschlussarbeit im Designbereich zu machen und wollte als Produkt ein Rollenspielprodukt herausbringen. So entstand 2010 Rakshazar: Erste Schritte auf dem verfluchten Kontinent. Hannes hatte damals schon einen ganz eigenen, grimm and gritty, Stil und so entstanden diese beiden Bilder hier:
Das erste Bild zeigt einen Knochenwüter, unsere Version des Ankylosaurus, zweiteres ein Dreihorn, hinter dem sich ein Triceratops versteckt.
Nach diesem Vorgeplänkel nun mal Butter bei die Fische. Ich werde jetzt mal alle Dinos auflisten, die wir so in Rakshazar haben, teilweise mit Werten. Die Bilder, die ich hier reinposte, die spiegeln teilweise das wieder, was ich in Dinos: Zwischen Realität und Fiktion gesagt habe. Unsere Idee von Dinos stammt aus den 80gern und 90gern (die oben angesprochenen Folgen fürs Rollenspiel), Hannes Ideen, vor allem grafische Ideen, sind dagegen weit weg davon, was ich persönlich viel spannender finde. kein Pulp – aber eben auch kein Paläo-Fantasy-Realismus. An Dinos haben wir in Rakshazar (Werte, soweit schon vorhanden, für DSA4.1, Savage Rakshazar (ein Savage World Hack) und DSA1):
Blutzahn (Tyrannosaurus Rex)
Spielwerte DSA1: MU 12 LE 75 AU 40 AT 12/10/6 (Klauen, Maul, Schwanz) TP 1W+5 / 2W+4 / 1W+4) GS 12 RS 3 PA 5 MK 100 Beute: Zähne (40 TE). Im Magen liegen 2 Schätze.
Dreihorn (Triceratops)
Treirak in der Sprache der Brokthar.
Ein riesiges Vieh ist diese drei Schritt hohe Echse, deren Schädel mit drei langen Hörnern und einem mächtigen Nackenschild aus Horn bewehrt ist. Aggressiv sind sie nur während der Paarungszeit, sonst begnügen sich die friedlichen Pflanzenfresser damit, Feinden die Hörner entgegenzustrecken. Die meisten Raubtiere schreckt bereits diese Demonstration der Waffen ausreichend ab. Als Nutztiere bedeutend sind diese Echsen vor allem für die Brokthar, die das zarte Fleisch der Tiere sehr schätzen.
Spielwerte DSA1: MU 5 AT 12 RS 4 LE 80 PA 0 AU 30 TP 3W6 MK 20 Beute: 100 Rationen Fleisch, Hörner (40 TE)
Knochenwüter (Ankylosaurus)
Knochenplatten, Stacheln und eine knöcherne Schwanzkeule, die selbst die Schienbeine von Riesen zu zertrümmern vermag… wahrlich, ein Knochenwüter ist eine beeindruckende Erscheinung. Wenn man zudem noch Zeuge wird, mit welcher Verbissenheit diese Echse gegen ihre Feinde kämpft, weiß man, dass sie ihren Namen zurecht trägt. Umso erstaunlicher scheint es, dass einige Reiternomaden in den Weiten der südlichen Steppen, sowie die Xhul in der Wüste Lath „zahme“ Knochenwüter ihr eigen nennen. Sie setzen die genügsamen Echsen als Lastenträger ein, denn auf dem Rücken der Knochenwüter sind wertvolle Waren vor nahezu allen humanoiden Räubern sicher.
Spielwerte DSA1: MU 15 LE 150 PA 5 RS 4 AT 14 TP 2W+4 (Knochenkeule) MK 30 Beute: 30 Portionen Fleisch
Langhals-Echsen oder Donner-Echsen (Plateosaurus)
Im Riesland sind Donnerechsen zu einem seltenen Anblick geworden. Uralte Legenden der Xhul und Orks berichten von Zeiten in denen die Wüste Lath eine Oase der Fruchtbarkeit war und vorüberziehende Donnerechsenherden die Erde erbeben ließen. Heute durchstreifen die Donnerechsen auf beständiger Suche nach Nahrung die Steppen und Savannen südlich und östlich der Lath. In Kurotan und nördlich der Lath sind sie dabei seltener anzutreffen, ist die Vegetation hier doch sehr karg. Der mächtige Rumpf, der Echsen ruht auf vier säulenartigen Beinen, wobei die Vorderläufe etwas schmächtiger als die Hinterbeine, dafür allerdings mit beweglicheren Zehen versehen sind. Der lange Hals und der muskulöse Schwanz, lassen die größten Exemplare länger als zwei dutzend Schritt werden und neben ihren massigen Körpern würde selbst ein Troll winzig wirken. Ihre schuppige Haut ist dick und ledrig, meist in sandigen, grauen Grundtönen mit grünlicher oder rotbrauner Musterung gefärbt. Oberkiefer und Schädel bestehen aus einem einzigen, kantigen Knochen, der nur mit einer verhältnismäßig dünnen Hautschicht überzogen ist. Auf der Schnauze sitzt eine flache, hornartige Wölbung. Eine weitere Wölbung befindet sich an der Schädeloberseite hinter den tief unter Knochenwülsten verborgenen Augen. Hier sind die Atemlöcher der Donnerechsen, die auch zur Erzeugung dumpf dröhnender Rufe verwendet werden. Die meiste Zeit des Tages verbringen die Riesen mit Fressen; dabei stehen Gräser und Farne, aber auch Baumlaub, Beeren und andere Früchte auf dem Speiseplan. Gerüchten zufolge wurden die gemächlichen Echsen aber auch schon beobachtet wie sie sich an Kadavern, auch denen ihrer eigenen Artgenossen, zu schaffen machten. Mit der Gemächlichkeit ist es allerdings schnell vorbei, wenn die Herde aufgeschreckt wird. Dann rollt das Donnern der fliehenden Kolosse über die Ebenen und es zeigt sich das die Donnerechsen trotz ihrer Größe ein beachtliches Tempo vorlegen können. Kann das Tier nicht entkommen, richtet es sich als Drohgebärde auf seinen Hinterbeinen auf und lässt sich wieder nach vorne fallen, um dabei seinen knöchernen Schädel dem Angreifern entgegen zu schwenken.
Spielwerte DSA1:
MU 8 AT 11 RS 3 PA 3 TP 2W+2 (Trampeln) GS 7 AU 40 Beute: 30 Rationen Fleisch
Schlangenhals (Elasmosaurus)
Flugechsen (diverse)
Im südlichen und zentralen Rakshazar, sowie auch in den warmen Gebieten des Vaestfogg, sind eine Vielzahl von Flugechsen Arten, unterschiedlichster Größen und Formen heimisch. Die Kleinsten unter ihnen sind nur wenige Finger lang, während die Größeren Spannweiten von drei bis vier Schritt erreichen. Nur die zwei größten Flugechsenarten des Rieslands, der Kurih und der Ugedun, sind mit Spannweiten von 12 bzw. 9 Schritt noch einmal deutlich größer. Alle Flugechsen haben einen prinzipiell ähnlichen Körperbau: der Rumpf ist schmächtig, die Hinterbeine kurz und die Vordergliedmaßen besitzen extrem verlängerte Fingerknochen an denen sich die ledrigen Flügel aufspannen. Zum Laufen stützen sie sich auf ihre Arme. Die Meisten sind gute Kletterer. Einige haben voll ausgebildete Schwänze, andere nur noch verkümmerte Fortsätze. Schnabelform und Halslänge variieren stark zwischen den verschiedenen Arten und hängen von der jeweiligen Nahrung ab. Die kleinsten Flugechsen ernähren sich von Blütennektar, Baumharzen oder Insekten, etwas größere von Beeren und Früchten, oder von Parasiten und Aas. Die noch Größeren fressen Fische, Echsen, Frösche, Vögel und andere Flugechsen. Die Vielfalt ist schier grenzenlos und bisher hat es noch keiner der wenigen, riesländischen Gelehrten auf sich genommen all die unterschiedlichen Flugechsen zu kategorisieren, geschweige denn sie alle zu benennen. Sie leben überall da, wo es warm genug ist, und sind für den Riesländer allgegenwärtige Begleiter. Sogar in den Metropolen haben sie sich breit gemacht, wo sie Resteverwerter und Ruhestörer zugleich sind und manchmal auch selber von den Zweibeinern verwertet werden.
Einige bekanntere Arten:
Die Chrame (auf Sanskit)/ die Krakh (auf Amhasa)
Die Chrame ist eine kleinere Flugechse, die wahrscheinlich schon in ferner Vergangenheit die Metropolen und Städte bevölkerte. Sie hat einen kurzen, bezahnten Schnabel und vertilgt damit alles, was in den Städten so abfällt oder unbeaufsichtigt liegen bleibt. Die Männchen haben auffällige, türkis schillernde Kehlsäcke, ähnlich wie ein Frosch, womit sie in der Abenddämmerung ungeheuerlich nervtötenden Lärm verursachen.
Der Risto
Eine größere, äußerst territoriale Flugechse. Sein Revier liegt in Sümpfen und feuchten Niederungen. Er reagiert äußerst aggressiv auf Eindringlinge jederart und wird zunächst versuchen größere Gegner mit Scheinangriffen zu verscheuchen. Anstatt mit seinem Schnabel, attackiert der Risto mit Tritten seiner klauenbewehrten Hinterbeine. Jagen sieht man die Risto allerdings selten, ernähren sie sich doch vorwiegend von Kadavern, die sie mit ihrem großen Schnabel und kräftigem Hals Stück für Stück zerlegen.
Der Klippsegler
An den Küsten Rakshazars sind die Klippsegler ein gewohnter Anblick. Diese einen Schritt große Flugechsenart beschränkt sich jedoch bei weitem nicht darauf, ihre Kolonien ausschließlich an felsigen Klippen zu gründen, sie bevölkern ebenso gerne die Fassaden großer Gebäude in Hafenstädten, sowie Bäume in Küsten- und Mangroven-wäldern. Sie sind begnadete Fischer und können sogar kurze Strecken unter Wasser zurücklegen.
Der Pim Pim
Wer in den warmen Gebieten Rakshazars, wie der Wüste Lath oder der Mareth-Senke, auf eine Karawane trifft, wird oftmals von den dort umherschwirrenden Pim Pim belästigt. Diese nur wenige Finger großen Flugechsen haben einen langen Schwanz, der etwa die Hälfte ihrer geringen Körperlänge ausmacht und sind friedfertige, wenn auch sehr neugierige Wesen. Die Pim Pim leben in Symbiose mit und auf den riesenhaften Kreaturen Rakshazars, die auf Grund all ihrer Parasiten und sonstigen blinden Passagiere den Pim Pim üppige Nahrungsquellen bereitstellen. Seine Neugierde und Klugheit haben dem Pim Pim einen guten Ruf unter den Zweibeinern Rakshazars eingebracht. Vielerorts sind sie gern gesehene Begleiter, die schnell eine enge Bindung zu ihrem Herren aufbauen.
Spielwerte DSA1: LE 10 RS 1 Beute: 1 Ration Fleisch MR 7 LE 80 MK 40
Der Handjscha/Schwarm
Von Shahana bis Ribukan ist der Handjscha gefürchtet und verhasst. Eine Strafe der Götter für die einen, ein Fluch fremder Mächte für andere. Für Einige ist der Handjscha gar selbst eine göttliche Entität, der es zu folgen gilt und dessen Zeichen korrekt zu deuten Aufschluß über die Zukunft gibt. Die riesigen Schwärme dieser Echsen, die neben Handjscha noch viele weitere Namen tragen, ziehen unentwegt durchs südliche Riesland, immer auf der Suche nach Nahrung. Zu zehntausenden überfallen sie Haine, Gärten und Weinberge, plündern Fischerdörfer oder städtische Märkte. Die zwei Spann messenden Flugechsen, mit grazilem Schwanz, fressen alles was irgendwie tauglich erscheint. Wenn alles vertilgt ist, macht sich der Schwarm unter ungeheuerlichem Getöse auf zu seinem nächsten Opfer. Einzig wenn der Handjscha auf einen vergleichbar großen „Heuschreckenschwarm“ trifft, können die riesländischen Bauern dem Schauspiel etwas Positives abgewinnen.
Rammschädel (Pachycephalosaurus)
Die wilden Rammschädel durchstreifen in Gruppen von rund zwei Dutzend Tieren die Steppen und Savannen der Mareth-Senke und der angrenzenden Gebiete. Hin und wieder kann man die kleinen Herden auch in den südlicher gelegenen Dschungelwäldern und Gebirgstälern antreffen. Sie sind anspruchslose Pflanzenfresser und ausdauernde Wanderer, die auch wochenlang mit karger Kost durchhalten. Die zweibeinigen Echsen sind, wenn es darauf ankommt, schnelle Läufer. Zum Grasen oder zum Ausgraben von Wurzeln nutzen sie ihre befingerten Vordergliedmaßen. Ihr auffälligstes und zugleich namensgebendes Körpermerkmal ist jedoch der knöcherne Dom auf ihrem Schädel. Diese mehrere Finger dicke Knochenplatte wird umringt von zahlreichen großen und kleineren Hörnern und wird sowohl zur Verteidigung gegen Angreifer, als auch bei Rivalenkämpfen zur Paarungszeit eingesetzt. Aber auch mit ihrem schnabelartigen Maul und Tritten ihrer kräftigen Laufbeine sind die Rammschädel in der Lage, sich gegen Feinde effizient zur Wehr zusetzen. Die Reiternomaden des Sanskitaren Volkes züchten und zähmen bereits seit vielen Generationen Rammschädel und nutzen sie neben Wildpferden und Kamelen als Reittiere. Durch ihre Größe und ihr martialisches Aussehen gelten Rammschädel als besonders wertvoll und jeder Stammeskrieger, der etwas auf sich hält, will eines Tages einen Rammschädel sein Eigen nennen. Auch in den Metropolen der Sanskitaren, kann man hin und wieder auf gezähmte Rammschädel treffen. Diese sind gerade in der wohlhabenden Oberschicht beliebte Reittiere, allerdings begeben sich die Potentaten auf Grund ihrer Körperfülle oft gar nicht selber in den schwankenden Sattel. Im Dreistromland hingegen werden die Tiere gelegentlich wegen ihres Fleisches und des zähen, witterungsbeständigen Leders gezüchtet.
Spielwerte DSA1: MU 15 LE 60 AT 14 PA 2 RS 4 MK 30 TP 1W+2 (Rammstoß. GE-Probe um die TP erschwert, bei Fehlschlag fliegt derdie Heldin TP Schri durch die Lu.) Beute: 30 Portionen Fleisch
Axaluun (Stegosaurus)
Der Axaluun ist eine gewaltige Großechse, beheimatet in den schwülen Dschungeln und Sumpfländern der ribukanischen Halbinsel. Ausgewachsen erreichen die Echsen eine Schulterhöhe von gut drei Schritt und eine Länge von neun Schritt vom kleinen Kopf bis zum stachelbewehrten Schwanz gemessen. Ihr runder Rücken ist besetzt mit mächtigen, rautenförmigen, senkrecht abstehenden Knochenplatten, die dem Geschöpf ein abenteuerliches Aussehen verleihen. Insbesondere zur Brunftzeit oder in Gefahrsituationen färbt verstärkte Durchblutung die Knochenplatten dunkel rot. Der mächtige Rumpf des Tieres lastet auf vier Beinen, wobei die Vorderläufe im Vergleich zu den kräftigen Hinterbeinen, die es dem Axaluun ermöglichen sich aufzurichten, um an schmackhafteres Blattwerk großer Bäume zu gelangen, geradezu schmächtig wirken. Der Kopf der Echse wirkt im Vergleich zum Körper überraschend klein. Die Nagahstämme der Sumpfländer sehen den Axaluun als Inbegriff von Einfältigkeit und Genügsamkeit, wissen sie doch, dass das Gehirn des riesigen Tieres kleiner als eine Faust ist. Tatsächlich ist die Großechse nicht gerade besonders schlau, wenn es darum geht Gefahren aus dem Weg zugehen oder diese Frühzeitig zu erkennen. Doch da der Axaluun kaum natürliche Feinde hat, scheint ihm seine Tumbheit nicht im Wege zu stehen. Und wenn er doch einmal in die Situation kommt sich verteidigen zu müssen, so verlässt sich die Echse in diesem Fall auf ihre tödlichen Waffen: Die vier, jeweils ein Schritt langen Dornen, je zwei zur Rechten und zwei zur Linken, die aus seinem Schwanz wachsen, sind gut geeignet sich sogar einen unvorsichtigen Blutzahn vom Leib zu halten. Die Großechsen leben meist als Einzelgänger, tief in sumpfigen Dschungelwäldern und fressen Tag für Tag Unmengen an Blättern, Farnen und Wassergewächsen. Zur Paarungszeit kommen die Axaluun an weitläufigeren, sumpfigen Niederungen zusammen. Nach der Paarung legt das Weibchen 10 bis 20 Eier in eine meist sandige Grube und verlässt das Gelege. Der Nachwuchs ist von da an auf sich allein gestellt und nur die wenigsten Jungtiere werden älter als ein Jahr. Haben sie jedoch erstmal eine gewisse Körpergröße erreicht, gibt es kaum mehr etwas, was ihnen gefährlich werden kann. Viele Ipexcostämme und auch die Sirdak verehren den Axaluun als friedliebenden und mächtigen Hüter der tiefen Wälder.
Schreckensklaue (Utha-Raptor)
Die Schreckensklaue (Sanskit.: Velachi) ist eine auf den Hinterbeinen laufende Raubechse mit einer Schulterhöhe von rund 9 Spann. Von der Schnauze bis zur Schwanzspitze misst sie etwa 4 Schritt, ist von schlankem sehnigen Wuchs und besitzt ein langezogenes Maul voller messerscharfer Reißzähne. Der Körper ist von dunkelgrauen bis grau-grünen Schuppen bedeckt. Am Hinterkopf, tragen die Männchen einen kurzen, smaragdgrünen Hautkamm. Ihren wenig schmeichelhaften Namen verdankt die Schreckensklaue der fast spannlangen, sichelförmigen Klaue an den innersten Zehen ihrer zwei Laufbeine. Diese Klauen gelten überall in Rakshazar als begehrte Trophäen und eignen sich auch als Werkzeuge oder Waffen. Doch die Jagd auf Schreckensklauen ist alles andere als ungefährlich und der ein oder andere Jäger wird schließlich selbst zum Gejagten. Die Echsen sind schnell, haben enorme Sprungkraft und gute Augen. Sie leben in Gruppen von 4 bis 8 Tieren und sind in Steppen, Halbwüsten und Savannen, gelegentlich auch in Gebirgen, des gesamten südlichen und zentralen Rakshazars, anzutreffen.
Spielwerte DSA1: MU 15 LE 35 AT 15 PA 4 TP 1W+5 (Sichelkralle) Beute: Sichelkralle 10 TE
Ein paar Ideen zum Schluss
Bei der Recherche zu diesem Artikel kam mir eine Idee, wie man Dinosaurier auch in einem Rollenspielsystem einsetzen kann, das man nicht sofort mit den Schreckensechsen verbindet: Vaesen. Dazu muss ich aber den selbst gestecken Rahmen ein klein bisschen erweitern und die Drachen doch ins Bild holen.
Vaesen (incl. Die Britannienerweiterung) spielt ja in einer Fantasy-Version des 19. Jhdts. Und das ist genau die Zeit, in der die Dinosaurier entdeckt wurden. Für die damalige Gesellschaft Muss das ein riesiger Schock gewesen sein: Eine Tierwelt vor unserer Tierwelt! Ein rütteln an den Grundfesten des Glaubens. Für gläubige Personen mag sogar die Frage im Raum gestanden haben, ob die Dinoknochen nicht überreste von Drachen sind. Drachen (genauer, Lindwürmer) tauchen in Vaesen im Grundregelwerk und dem tollen Abenteuer Feuerherz aus dem Band Jahr der Mythen auf. In dem Abenteuer geht es um eine Mine, ein Sägewerk, 2 Brüder und Gier, die den Drachen erwachen lässt bzw. einen Bruder in den Drachen verwandelt (ein Motiv, dass wir von Fáfnir aus der Völsunga kennen).
Lass uns doch 2 Gentleman darüber streiten, wer nun den (vermeidlichen) Dinosaurier aufbauen darf. Der Streit weckt dann den Geist des Drachen in den Knochen und, wenn die Donnerstagskinder Pech haben und keine Lösung finden, verwandelt einen der Gentleman in einen Drachen, der den Cristal Pallace in Schut und Asche legt.
Noch eine Idee, die aber jetzt wieder eher Pulp ist und von Darkwing Duck (Staffel 1, Episode 24)… geliehen wurde: Eine Strahlenwaffe, die Vögel in Raptoren zurückverwandelt. Ein genialer Fiesling, der die Weltherrschaft an sich reißen möchte, die Hochzeit eines großen Staatsmannes, bei dem 1200 Tauben freigelassen werden und die Charaktere, die dies verhindern wollen… Nebenbei: Erst wollte ich schreiben, dass der Zwischenfall mit dem Taube-zu-Raptor-Stahl bei Olympia 2028 stattfinden soll, aber seit einem Zwischenfall in Seoul werden keine Tauben mehr bei Olympia verwendet.
Fazit
Schon alleine wegen Ihrer Größe, Artenvielfalt und der ewig langen Zeit, die sie die Erde beherrschten, sind Dinos interessante Monster fürs Rollenspiel. Sie verkörpern die rohe, urtümliche Gefahr, von etwas gefressen oder gar verschluckt zu werden, dass viel größer und stärker ist als man selbst. In Rakshazar haben wir auch Dinos drin, die als Reittiere genutzt werden, auch das ein Traum jedes Kindes mit so 5-8 Jahren (meiner wars auf jeden Fall). Bei der Darstellung und Beschreibung von Dinos hinken wir aber der Wissenschaft hinterher. Im Fernsehen laufen immer noch die alten Schinken aus den 70gern und noch zu selten werden Raptoren mit Federn dargestellt. Vielleicht sollten wir uns von dieser Idee der Dinos ganz lösen und mehr wie Hannes denken. Vielleicht sollten wir eigene Dinos erfinden, fern von jeder Vorlage, die es in der Natur je gab. Vielleicht sollten wir aufhören, Dinosaurier zu spielen, wie wir sie kennengelernt haben.
Discussion in the ATmosphere