Claude Agentic Funktionen auf dem Mac ausprobiert
Ende Januar 2026 hat Anthropic eine neue Funktion für seine KI Claude angekündigt. Diese soll einfache Aufgaben auf dem Rechner ausführen, ohne dass der Nutzer dafür mehr als eine in natürlicher Sprache verfasste Aufgabe formuliert. Wofür das gut ist, haben wir kurz ausprobiert.
Claude Cowork ist eine Mischung aus Chat und Code
Claude ist besonders bei Entwicklern beliebt, weil das Tool vor allem Programmieraufgaben gut erledigt. Cowork setzt genau dort an, allerdings meist für lokale Aufgaben. Anders als bei Siri Shortcuts oder Automator muss man Abläufe nicht ganz genau nach den jeweiligen Regeln programmieren; vorwiegend reicht eine Beschreibung in ein paar Sätzen. Die Voraussetzung für Claude Cowork ist ein bezahltes Abo wie Claude Pro für 17 US-Dollar im Monat.
Anders als beim KI-Chat kann Claud Cowork Ordner sortieren, Dateien umbenennen oder in andere Formate exportieren, vermüllte Download-Ordner aufräumen oder von der gleichen Quelle immer neue Daten holen. Zugegeben, recht viele von diesen Aufgaben konnte man mit den Bordmitteln am Mac automatisieren, dafür braucht man kein Claude-Abo.
Hier haben wir beschrieben, wie man heruntergeladene Dateien mit Automator sortiert. Und hier gibt es einen Tipp, wie man Screenshots am Mac mit Siri Shortcuts entsprechend des Inhalts umbenennt. Ein Nachteil dabei: Sie müssen die Schritte ganz genau befolgen, denn bei einem Fehler wird die Automatisierung entweder nicht ausgeführt oder sie ist fehlerhaft. Bei Claude Cowork dagegen müssen Sie lediglich beschreiben, was Sie tun wollen, und den Zugriff auf die entsprechenden Mittel erlauben.
Beispiel 1 – Download-Ordner aufräumen
Im ersten Beispiel habe ich das erledigt, was bei mir auf dem Arbeits-Mac eine vorbereitete Automation im Download-Ordner erledigt: PDFs landen in einem PDF-Ordner, Excel- und Numbers-Tabellen werden in den Tabellen-Ordner einsortiert, Word- und Pages-Dokumente werden in einem Ordner „Texte“ gespeichert. Um zu starten, müssen Sie im Claude-Fenster in der Seitenleiste oben links von der Option „Chat“ zu der Option „Cowork“ umschalten. Zugeklappt verbirgt sie sich hinter einem Symbol mit einer Stichpunkt-Liste.
Claude Cowork.
Halyna Kubiv
In einem neuen Cowork-Fenster können Sie einfach verlangen: Räume meinen Download-Ordner auf. Claude Cowork wird den Zugriff auf den Ordner verlangen, doch damit ist lange nicht Schluss. Nach der Überprüfung der heruntergeladenen Daten geht das Tool je nach Menge und Komplexität dieser Daten in mehreren Schritten vor. Fast bei jedem Schritt bedarf es einer ausdrücklichen Genehmigung des Nutzers.
Der erste Schritt beim Aufräumen des Download-Ordners.
Halyna Kubiv
In meinem Beispiel hat Claude Cowork gefragt, ob ich offensichtlichen Müll sofort löschen will. Dann gab es noch ein paar doppelte Dateien, die jedoch nicht identisch waren, sondern sich in einer oder zwei Seiten unterschieden haben. Auch spezielle Unterordner, die nach einer Nutzer-Absicht ausgesehen haben, hat Claude Cowork nicht angefasst. Alles in allem hat das Aufräumen des Download-Ordners etwas mehr als 15 Minuten verbraucht – deutlich schneller, als man dies per Hand macht.
Beispiel 2 – Apple-Discussion-Foren durchforsten
Macwelt schreibt nicht nur über die Problemlösungen, sondern auch über die Probleme ohne Lösungen, die jedoch viele Anwender betreffen. Dafür durchsuchen wir regelmäßig die Apple-Discussion-Foren nach Beiträgen, die in kurzer Zeit viele Kommentare oder Zugriffe erhalten haben.
Um diese Aufgabe zu automatisieren, habe ich bei Claude Cowork eine sich wiederholende Aufgabe gestellt: Einmal pro Woche durchforstet das Programm die zehn ersten Seiten der Apple Discussion Foren und liefert Treffer auf die Diskussionen, die mehr als tausend Zugriffe haben.
Hier muss man anmerken, dass je genauer die Hinweise an Claude Cowork dabei sind, desto besser die Ergebnisse sind. So habe ich nicht nur die Adresse der Startseite von Diskussionsforen angegeben, sondern mit einer Wildcard ein Schema der URL für alle weiteren Seiten.
Genauso habe ich mit dem Webinspektor in Safari herausgefunden, wie die Klasse der Objekte auf der Webseite heißt, die die Zugriffe ausliefert. Über die gleiche Methode habe ich dem Tool angegeben, wie die Objekte benannt wurden, die die Informationen zur eindeutigen Beitrags-ID und den Titeln tragen. Selbst wenn diese Daten nicht zu 100 Prozent korrekt sind, weiß das Tool, wo es nach den benötigten Aufgaben auf der Seite suchen muss.
Apple Support Probleme
Halyna Kubiv
Für diese Aufgabe habe ich neben Claude Cowork noch eine weitere Beta-Funktion des KI-Tools benötigt – Claude for Chrome. Damit kann KI auf die Inhalte nicht nur lokal auf dem Mac, sondern auch im Netz zugreifen.
Beim Erstellen von dieser Aufgabe hat mich Claude Cowork vorgewarnt, dass das Scraping, so heißt das automatische Durchforsten der Webseiten, durch die meisten Website-Betreiber verhindert wird. So führt das Tool alle zehn Abfragen nicht automatisch nacheinander, sondern verzögert aus. Ich habe die Aufgabe einmal wöchentlich gegen Mittag eingestellt: So erhalte ich bei Claude jede Woche eine frische Tabelle mit drei oder vier Problemen, wo die Apple-Nutzer in Deutschland besonders der Schuh drückt.
Fazit
Schlechte Nachricht: Auch Claude Cowork wird nicht unbedingt ganze Branchen obsolet machen, dennoch einiges erleichtern. Die Ausführung der Veränderungen erfolgt unter der Beobachtung des Nutzers. Das Tool erklärt zudem, was gerade passiert. Eine gute Nachricht: Claude Cowork wird einige langwierige Aufgaben deutlich schneller zu erledigen helfen. Das ist eine vernünftige Neuerung im Bereich KI.
Discussion in the ATmosphere