Kommt das holografische iPhone? Warum Sie sich nicht zu früh freuen sollten
Ein neues Gerücht legt nahe, dass Apple an einem „räumlichen iPhone“ arbeitet. Hinweise darauf kommen angeblich aus der Lieferkette.
Auf Twitter/X hat der Leaker „Schrödinger“ Screenshots von einer Konversation mit einem „geheimen Insider“ geteilt, denen zufolge Samsung ein neues OLED-Display entwickelt hat, das 3D-Ansichten ohne 3D-Brillen ermöglicht, die an Holografie erinnern. Schrödinger ist verhältnismäßig neu in der Leaker-Welt, hat aber besonders in Hinsicht auf Samsung-Leaks eine beachtliche Erfolgsquote, erklärt Macrumors.
Grundsätzlich ist die Technologie nicht neu: In den 2010ern feierte Nintendo einen riesigen Erfolg mit dem Nintendo 3DS, bei dem Sie die Intensität dieses 3D-Effekts (Autostereoskopie) mithilfe eines Reglers am Bildschirmrand einstellen oder ihn ganz ausschalten konnten. Der größte Nachteil dieser Technologie war, dass das Bild eine geringe Auflösung hatte und merklich verschwommen war, was den Verkaufszahlen des Nintendo 3DS allerdings keineswegs geschadet hat.
Diese Probleme soll Samsung beim sogenannten „H1“-Display behoben haben: Ist der 3D-Effekt ausgeschaltet, soll es zu keinen Qualitätseinbußen kommen. Bei eingeschaltetem 3D-Effekt sollen Gyroskop und Augenverfolgung mithilfe entsprechender Algorithmen sogar ermöglichen, dargestellte 3D-Objekte nicht nur von oben, sondern auch von der Seite betrachten zu können.
„Da Gerüchte über ein ,räumliches iPhone’ kursieren“, behauptet die ungenannte Quelle weiter, „setzt Samsung mit dem H1 ein Zeichen. Bei der Fertigung sind sie bereits im Vorteil.“
Kommt bald ein „räumliches iPhone“?
Wenn das alles nach Zukunftsmusik klingt, dann haben Sie wahrscheinlich recht. Dennoch werden Sie dieser Tage vielerorts darüber lesen, dass ein Holo-iPhone kommt (z.B., wenn Sie Macwelt nicht als bevorzugte Quelle in Google einrichten). In einem iPhone werden wir diese Technologie jedenfalls noch eine Weile nicht sehen – wenn überhaupt. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle.
Apple selbst forscht an Hologrammtechnologie fürs iPhone, und das schon sehr lange: 2014 wurde etwa ein Patent registriert, Macrumors verweist noch auf eins von 2008. Und wie wir 12 bzw. 18 Jahre später wissen, gibt es noch kein holografisches iPhone. Das liegt daran, dass bei Forschung am Ende nicht immer ein Produkt rauskommt. Häufig werden solche Patente nur angemeldet, um sich abzusichern, dass die Konkurrenz eine Idee nicht kopiert.
Displays sind häufig eine Spielwiese
Und dann gibt es historisch gerade bei Smartphone-Displays eine hohe Experimentierfreudigkeit, die nicht selten in kürzester Zeit wieder verschwindet. Erinnern Sie sich beispielsweise an die gebogenen Smartphones von Samsung und LG? Wenn nicht – nicht weiter schlimm, denn sie waren sehr kurzlebig und nichts weiter als Demonstrationen für die Biegbarkeit von OLED-Displays. Zu unpraktisch, zu fehleranfällig. Apple ist nie auf den Zug aufgesprungen.
Die nächste Iteration waren flache Displays mit abgerundeten Kanten: Bevor Samsung die „Edge“-Reihe mit einem ultradünnen, aber eher wenig erfolgreichen Konkurrenzprodukt zum iPhone Air wiederbelebt hat, war sie bekannt für mindestens eine abgerundete Displaykante, an der Sie beispielsweise auch dann erkennen konnten, dass Sie eine neue Nachricht erhalten hatten, wenn das Gerät mit dem Bildschirm nach unten lag. Auch diese Geräte sind wieder vom Markt verschwunden – zu unpraktisch, zu fehleranfällig, aber deutlich langlebiger. Trotzdem ist Apple nie auf den Zug aufgesprungen.
Die aktuellen Ausführungen von flexiblen Bildschirmen sind faltbare Geräte wie die Samsung-Galaxy-Flip- und -Fold-Reihe, die seit nunmehr sieben Jahren existiert und stetig weiterentwickelt wird. Vom Samsung Galaxy Z Fold wird im Sommer die nunmehr achte Generation erwartet. Diese Gerätekategorie ist noch nicht vom Markt verschwunden, sondern wächst stetig. Und siehe da: Mit dem iPhone Ultra (oder vielleicht doch iPhone Fold) will Apple diesen Herbst auch einsteigen. Zumindest deuten alle Anzeichen darauf hin.
Das lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf Samsungs Hologramm-Display übertragen, kann aber trotzdem als grobe Richtlinie dienen. Beim Galaxy S26 Ultra hat Samsung beispielsweise eine neue Display-Technologie eingeführt, die Inhalte bei steilem Blickwinkel ausblenden kann. Ziemlich beeindruckend, wenn Sie mich fragen. Ob wir dieselbe Technologie diesen Herbst im iPhone 18 Pro sehen werden? Unwahrscheinlich. Apple wird sich erst einmal anschauen, wie diese Funktion bei Nutzern ankommt, wie ausgereift die Technik ist und wo ihre Schwachstellen liegen. Wenn alles gut läuft, bekommt sie das iPhone 19 Pro nächstes Jahr.
Und so wird es auch mit dem holografischen iPhone sein: Bevor eins auf den Markt kommt, wird es ein holografisches Samsung Galaxy Ultra geben, mit allen Kinderkrankheiten, von denen Apple lernen und etwas später eine bessere Version auf den Markt bringen kann.
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