Das Macbook Neo ist ein Erfolg – für das iPad katastrophal
Mit dem Macbook Neo ist Apple ein großer Wurf gelungen, der bereits viel Aufsehen erregt hat. Das neue Apple-Notebook bietet in einem eleganten Paket alles, was Sie wirklich benötigen, und ist eine ideale Ergänzung zu einem iPhone. Kein Wunder, dass manche Konfigurationen des Macbook Neo in den Läden bereits vergriffen sind. Im Apple Store müssen Sie auf das Grundmodell bereits zwei Wochen warten.
Was wird aber jetzt aus dem iPad? Viele, die sich heute ein Macbook Neo kaufen, hätten vermutlich aus Kostengründen zu einem iPad Air oder dem iPad A16 gegriffen.
Für das iPad kommt das Neo aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Apples Tablets waren in den letzten Jahren zwar einigermaßen erfolgreich, sind aber kein echter Verkaufsrenner mehr. Als das erste iPad 2010 vorgestellt wurde, waren die Käufer noch begeistert, und sogar Firmen ersetzten oft die Notebooks ihrer Angestellten durch iPads. Das ist längst abgeflaut, so zog das gleichzeitig mit dem Neo vorgestellte iPad Air M4 nur recht wenig Interesse auf sich.
Apples Tablets verkaufen sich noch immer hervorragend, allerdings ist die frühere Euphorie nach meinem Eindruck vorbei. Die These, das iPad könnte das Macbook ersetzen, hat sich bisher nicht als wahr erwiesen und das erwartet kaum noch jemand. Dagegen besteht gerade durch das Neo vielleicht sogar die Gefahr, dass das Macbook das iPad weiter schwächt. Überdies wird das iPhone immer mehr zum iPad-Konkurrenten. Als das erste iPad erschien, hatten iPhones noch 3,5-Zoll-Bildschirme, heute bietet selbst das iPhone 17e einen 6,1-Zoll-Bildschirm.
Das wäre aber für diese Plattform fatal. Apple würde weniger Ressourcen in das iPad investieren, was zu immer weniger innovativen Geräten führt.
Das iPad ist nicht mehr (immer) das günstigste Gerät
Man sollte nicht vergessen, dass es auch einen finanziellen Grund für den großen Erfolg der ersten iPads gab: Apples Tablets waren immer viel günstiger als Macbooks. Apples Konkurrenten waren damals geradezu geschockt, als Apple das erste iPad vorstellte – was mich an erste Reaktionen auf den Preis des Neo erinnert.
Das iPad von 2010 hatte damals einen Verkaufspreis von 499 Dollar aufwärts, weit günstiger als jedes damals verfügbare Macbook! Auch für Schulen waren Macbooks damals viel zu teuer, ein iPad war da die willkommene Alternative.
Heute sind iPads aber längst kein Sonderangebot mehr. Dazu muss man gar nicht erst auf die teuren Pro-Modelle verweisen. Schon das neue iPad Air M4 kostet mit 649 Euro kaum weniger als das Macbook Neo. Das schon ältere iPad A16 kostet nur 379 Euro, inklusive Apple-Tastatur oder gar einem Pencil sind Sie aber bereits über dem Preis eines Neo.
Die Vermutung liegt nahe, dass viele statt eines iPads nun ein Macbook Neo kaufen werden. Auch für viele Schulen und Unternehmen wird das Macbook plötzlich bezahlbar – was zu weniger iPad-Verkäufen führen sollte.
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Vorteile eines „echten“ Notebooks
Das Macbook und das iPad trennen nach meiner Meinung noch immer Welten: Das iPad ist noch immer unschlagbar, wenn es um das Recherchieren oder Konsumieren von Inhalten geht. Müssen Sie eine Studie mit hunderten Seiten lesen oder zahllose Artikel auswerten, ist ein iPad einfach komfortabler.
Auch in einer vollen U-Bahn tun Sie sich mit einem iPad deutlich leichter. Und wollen Sie Readly oder Youtube nutzen, ist das Tablet deutlich sofatauglicher.
Apple hat nie wirklich versucht, die Stärken beider Plattformen zu verbinden. Noch immer gibt es kein Macbook mit Touchscreen oder Unterstützung für den Pencil. Hier hat das iPad einen weiteren Vorteil. Gerade für Notizen bei Sitzungen oder Vorlesungen ist das iPad dank Touchscreen unschlagbar.
Ein Macbooks ist dagegen noch immer für die Produktion von Inhalten besser geeignet. Beim Schreiben von Texten, dem Bearbeiten von Fotos und Programmieren sind Sie an einem Mac mit macOS fast immer effizienter. Noch immer ist macOS auf die Nutzung per Tastatur plus Maus/Trackpad optimiert und noch immer gibt es viele Apps nur für den Mac, aber nicht für das iPad.
Insgesamt ist das iPad aber für Konsum und Freizeit noch immer eine tolle Wahl – und wäre mit einem M4 oder M5 sogar die bessere Plattform für Games.
Apple würde vermutlich anmerken, dass sich einfach jeder sowohl ein iPad als auch ein Macbook kaufen sollte. In der Realität muss man sich aber oft für eines von beiden Geräten entscheiden, und da ist fast immer der Mac das flexiblere Gerät und damit die bessere Wahl.
Entscheidend sind die Neukunden
Ich denke, dass das Macbook Neo viele potenzielle iPad-Käufer anziehen und die iPad-Plattform schwächen wird. Entscheidend ist für Apple nach meiner Meinung aber etwas anderes: wie viele Neukunden Apple auf die Mac-Plattform locken wird.
Das Macbook Neo ist nämlich nicht nur iPad-Alternative, es ist seit Langem wieder ein echter Konkurrent für günstige Chromebooks und Windows-Notebooks mit Windows 11. Vielleicht kaufen ja einige zusätzlich zum Neo später auch ein iPad?
Als Notebook kann das Neo viel mehr Käufergruppen ansprechen als das iPad: etwa den Büroanwender, der weiterhin auf einige Desktop-Anwendungen angewiesen ist, die es nicht für iPadOS gibt. Oder der IT-Profi, der Unix-Tools nutzen und vielleicht mit Xcode programmieren will.
Noch unklar ist, wie die Kunden im Bildungsbereich reagieren werden. Bisher war hier das iPad sehr erfolgreich, mit dem Neo hat Apple nun eine echte Alternative im Angebot. Es wird sich zeigen, ob dies zusätzliche Umsätze bringen oder nur zu schwindenden iPad-Käufen führen wird.
Insgesamt denke ich, dass das Macbook Neo wohl wirklich iPad-Nutzer zum Umschwenken verleiten wird – nicht nur aus Kostengründen. Entscheidender ist eher, ob das Gerät neue Kundschaft anlocken wird. Die richtigen Stärken dafür hat es.
Discussion in the ATmosphere