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Filialbanken: Gebühren wie früher, Service wie abgebaut

CODEundKRAM May 18, 2026
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Filialbanken sind schon ein kleines Wunder.

Sie schaffen es, Kontogebühren zu verlangen, als säße im Erdgeschoss noch Herr Schneider mit Krawatte, Kugelschreiber und echtem Interesse.

In Wirklichkeit steht da inzwischen ein leerer Schalter, ein Automat mit Launen und ein Schild:

Bitte nutzen Sie unsere App.

Ach so.

Die gute alte Filiale vor Ort.

Dieses sagenumwobene Wesen.

Man kennt sie aus Erzählungen älterer Menschen, alten Kontoauszügen und Immobilienanzeigen, in denen jetzt „repräsentative Gewerbefläche“ steht.

Aber bezahlen soll man sie natürlich weiter.

Servicepauschale.

Kontoführungsgebühr.

Premium-Modell.

Komfortkonto.

Wie sie den Quatsch halt nennen, wenn sie Geld dafür nehmen, dass man selbst alles macht.

Überweisung? Mach selbst. Dauerauftrag? Mach selbst. Karte sperren? Mach selbst. Adresse ändern? Mach selbst. Problem lösen? Erst Chatbot, dann Warteschleife, dann spirituelle Krise.

Aber bitte nicht vergessen: Das Konto kostet monatlich, weil persönliche Betreuung.

Persönlich ist daran vor allem die Abbuchung.

Und Betreuung heißt offenbar, dass man betreut wird, bis man versteht, dass niemand zuständig ist.

Die Hotline sagt: „Gehen Sie in die Filiale.“

Die Filiale sagt: „Nur mit Termin.“

Der Termin sagt: „In drei Wochen.“

Die App sagt: „Fehler. Versuchen Sie es später erneut.“

Die Bank sagt: „Wir sind nah bei unseren Kunden.“

Ja.

Wie ein Blitzer am Ortsausgang.

Besonders frech ist dieses „Service vor Ort“-Argument. Vor Ort ist da oft nur noch der Geldautomat. Und der wirkt auch, als würde er lieber früher in Rente gehen.

Früher bekam man für Gebühren wenigstens das Gefühl, dass irgendwo ein Mensch existiert, der einem hilft, ohne erst ein Ticket im System zu eröffnen.

Heute bekommt man ein PDF, eine App-Benachrichtigung und einen Menüpunkt, der entweder nicht lädt oder genau die Funktion nicht hat, die man braucht.

Filialbank 2026:

Direktbank spielen, aber Sparkassenpreise nehmen.

Selbstbedienung verkaufen, aber Servicegebühr draufkleben.

Filialen schließen, aber mit Nähe werben.

Personal abbauen, aber Beratung versprechen.

Das muss man erst mal so frech hinkriegen.

Wenn Direktbanken sagen „Mach es selbst“, ist das wenigstens ehrlich.

Bei Filialbanken heißt es: „Mach es selbst, aber zahl bitte so, als hätten wir dir gerade bei Kaffee und Keksen deine finanzielle Zukunft erklärt.“

Dabei wurde wahrscheinlich gerade die nächste Filiale geschlossen, damit irgendeine Vorstandspräsentation unter „Effizienzsteigerung“ einen grünen Pfeil bekommt.

Und der Kunde?

Der darf seine IBAN suchen, seine TAN bestätigen, seine App aktualisieren, seinen Termin buchen, sein Problem erklären, nochmal erklären, dann schriftlich einreichen und am Ende eine Gebühr zahlen, weil er Kunde ist.

Großartig.

Banken haben verstanden, wie moderner Service funktioniert:

Man entfernt den Service.

Lässt den Preis stehen.

Und nennt den Rest Digitalisierung.

Am Ende bleibt nur eine Frage:

Wenn ich ohnehin alles selbst machen muss, warum soll ich dann bezahlen, als würde mir jemand helfen?

Wahrscheinlich wegen der Filiale vor Ort.

Also der, die jetzt ein Hörgeräteakustiker ist.

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