External Publication
Visit Post

Christian Vetter: „Ich bin die SuperHalfs gelaufen“

Laufblog Der Mensch läuft June 2, 2026
Source

Christian Vetter ist innerhalb von zwei Jahren die SuperHalfs gelaufen. Das sind sechs Halbmarathons in sechs europäischen Metropolen. In meinem Interview mit ihm schildert er, was er dabei erlebt hat.

Christian Vetter ist 44 Jahre alt und arbeitet in einer Spedition als Nachhaltigkeitsbeauftragter. Er ist bisher 96 Parkruns gelaufen und war 59 Mal als Helfer aktiv.

Inhaltsverzeichnis

Toggle

Über Parkrun

Warum hilfst du bei Parkrun?

Das Konzept von Parkrun entspricht meinen persönlichen Einstellungen. Ich engagiere mich gerne. Außerdem würde Parkrun ohne Helfer nicht funktionieren. Ich bin auch als Blindenguide aktiv. Ich habe Dirk bereits bei meinem ersten Parkrun kennengelernt. Ich war fasziniert von der Guide-Tätigkeit und habe ihn gefragt, ob er mit mir laufen will. Dadurch, dass ich relativ groß bin und er nur etwas kleiner ist, hat es gut gepasst. Wenn er ins Straucheln kommt, kann ich ihn mit meiner Körperkraft gut auffangen. Wir wohnen nicht weit auseinander und laufen auch während der Woche miteinander.

Über seine Teilnahme bei den SuperHalfs

Du hast mir erzählt, dass du die SuperHalfs geschafft hast. Was ist das?

Die SuperHalfs sind ein Zusammenschluss von sechs europäischen Halbmarathons. Es ist also eine Laufserie. Wenn man sie alle absolviert hat, ist man ein sogenannter Super-Runner und bekommt die SuperHalfs-Medaille. Ursprünglich waren es fünf Städte und es gab eine zeitliche Begrenzung. Damals mussten die Halbmarathons innerhalb von 60 Monaten gelaufen werden. 2024 kam der Berliner Halbmarathon dazu. Zu diesem Zeitpunkt war die Laufserie so überbucht, dass man fast keine Chance mehr auf einen Startplatz hatte. Deshalb wurde die Zeitbegrenzung aufgehoben.

Die sechs Medaillen der einzelnen Läufe und die große SuperHalfs-Medaille

Wie lange hast du für die SuperHalfs gebraucht?

Ich habe genau zwei Jahre gebraucht. Im März 2024 habe ich in Prag angefangen. Mein letzter SuperHalfs-Lauf war im März 2026 in Berlin.

Wie bist du auf die Idee gekommen, die SuperHalfs zu laufen?

Es war purer Zufall. Nachdem ich 2023 den Frankfurt-Marathon gelaufen bin, wollte ich mal im Ausland laufen und habe geguckt, wohin es eine gute Zugverbindung gibt. Dadurch bin ich zum Prag-Halbmarathon gekommen. Das war sechs bis acht Wochen vor dem Start. Damals gab es noch freie Startplätze. Ich habe mich angemeldet und bin hingefahren. Erst danach habe ich von den SuperHalfs erfahren und nachträglich mein Ergebnis noch eintragen lassen. Ich habe beim Start also gar nicht das Ziel gehabt, an der Laufserie teilzunehmen.

Mir hat es in Prag gut gefallen und es motiviert mich, meinen Laufsport mit dem Kennenlernen neuer Städte zu kombinieren. Der zweite Lauf von mir war in Cardiff und da wusste ich schon, dass ich die Laufserie abschließen wollte. Ich hatte mir vorgenommen, drei Läufe im Herbst und im Frühjahr zu laufen. Am Anfang gab es noch keine Verlosung. Wer sich frühzeitig anmeldete, bekam einen Startplatz.

Ab 2025 ist die Laufserie explodiert.

War es schwierig für dich, für alle Läufe einen Startplatz zu bekommen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten einen Startplatz zu bekommen. Über den offiziellen Veranstalter ist es ab 2025 schwierig geworden, weil die Laufserie so explodiert ist. Generell sind Halbmarathons als Laufstrecke sehr beliebt. In Lissabon ist der Server komplett zusammengebrochen und die Startplatzvergabe musste verschoben werden. Bis dahin war es für mich noch relativ einfach. Die Startplatzvergabe startete um 10 Uhr. Zu dieser Zeit saß ich im Büro und konnte mich per Handy registrieren. Danach starteten die Verlosungen. Da ist es einfach Glückssache, ob man einen Startplatz bekommt oder nicht.

Eine weitere Möglichkeit ist die Buchung über einen offiziellen Laufreise-Veranstalter. Ich habe meine Teilnahmen in Cardiff und Lissabon darüber organisiert und dadurch meine Startnummern bekommen. In Berlin und in Valencia habe ich meinen Startplatz selbst reserviert und nur das Hotel bei einem Veranstalter gebucht.

Was kannst du über die einzelnen Läufe sagen?

Valencia ist der kleinste Lauf von allen und dort ist es am schwierigsten einen Startplatz zu bekommen. Es gibt nur 18.000 Startplätze. Dort ist es auch so, dass die Starter vom letzten Jahr ein Anrecht auf einen Startplatz im aktuellen Jahr haben. Dadurch wird es nochmal schwieriger, eine Startnummer zu erhalten. Berlin mit 42.000 und Kopenhagen mit 45.000 Teilnehmern sind die beiden größten Läufe.

Prag hat eine schöne Strecke, weil die Hälfte davon durch die Altstadt führt. Es gibt viel Publikum. Der Lauf ist am Samstagvormittag. Dadurch ist die Stadt noch belebter als an einem Sonntag. Der Start dort war etwas Besonderes. Ich hatte einen Blick auf die Moldau und gleichzeitig wurde die Moldau-Sinfonie abgespielt. Das war einfach schön gewesen.

Valencia hat eine Strecke, die nicht so attraktiv, aber dafür sehr schnell ist. Als gebürtiger Berliner hatte ich beim dortigen Halbmarathon viele Erinnerungen. Es ist auch ein Highlight, durch das Brandenburger Tor zu laufen.

In Lissabon sind wir über die große Brücke gelaufen, die normalerweise für Fußgänger gesperrt ist. Sie wird nur einmal im Jahr für den Halbmarathon geöffnet. Der Start ist unter der Jesus-Statue. Danach läufst du über die Brücke und landest anschließend in einem Industriegebiet. Kopenhagen war sehr verregnet. Ich musste aufpassen, nicht ständig in Pfützen zu treten und habe deshalb wenig von der Strecke mitbekommen.

Ich wollte nicht in einem Krankenhaus landen.

Welche Zeiten bist du gelaufen?

Ich bin nicht alle Läufe auf Anschlag gelaufen. Ich wollte nicht im Ausland in einem Krankenhaus landen. Außerdem wollte ich die Läufe auch genießen. In Prag bin ich den Halbmarathon in 1:50 h gelaufen. Mein schnellster Lauf war in Valencia. Dort bin ich 1:40 h gelaufen. Die anderen Läufe bin ich im Bereich von 1:42 bis 1:43 h gelaufen. Das war ein Tempo, das sich für mich gut angefühlt hat.

Insgesamt bin ich bisher 23 Halbmarathons gelaufen. Meine Bestzeit beim Halbmarathon liegt bei 1:37 h.

Wie bist du zu den SuperHalfs-Läufen gereist?

Die Anreisen waren sehr unterschiedlich. Nach Prag bin ich mit dem Bus gefahren. Beim Lauf in Cardiff bin ich nach London geflogen und von dort aus mit dem Bus weiter gefahren. Nach Valencia und Lissabon musste ich fliegen. Für Kopenhagen und Berlin habe ich den Zug genommen.

Wenn es möglich ist, versuche ich das Fliegen zu vermeiden. Nach Kopenhagen war ich acht Stunden mit dem Zug unterwegs. Wenn ich aber die Fahrt nach Frankfurt und die Wartezeiten im Flughafen einrechne, ist der Zeitunterschied nicht mehr so groß.

Wann und wo hast du die SuperHalfs beendet?

In Berlin am 29. März 2026. Ich gehörte zu den ersten 3.800 Läufern, die die Laufserie geschafft haben. Insgesamt sind zurzeit 150.000 Läufer registriert. Die Laufserie gibt es seit 2020. Sie wurde 2019 gegründet und wegen Corona auf Eis gelegt. Erst 2023 ging es dann aber richtig los.

Die Briten sind laufbegeistert.

Wie hat dir die Stimmung bei den Läufen gefallen?

Am meisten überrascht war ich von Cardiff. Das ist eine Stadt, die normalerweise nicht so oft von Touristen besucht wird. Die Briten sind sehr laufbegeistert und die Stimmung an der Strecke war toll. Die Kinder sind auf Verkehrsinseln die Schilder hochgeklettert und haben die Läufer angefeuert. In Kopenhagen war es auch gut. Durch den Dauerregen waren aber nicht ganz so viele Zuschauer dabei. Die, die da waren, waren aber sehr engagiert. Von Berlin war ich etwas überrascht. Durch den großen Marathon fällt der Halbmarathon ja etwas ab und geht ein wenig unter. Aber es war trotzdem viel los.

Wie war das Wetter bei den Läufen?

In Prag war es 2024 der erste warme Tag im Jahr. Es waren zwar nur 20 bis 22° C. Zu diesem frühen Zeitpunkt im Jahr war die Wärme aber einfach ungewohnt. In Cardiff hatte es vor dem Lauf ein wenig geregnet. In Lissabon hatte es drei Tage durchgeregnet. Der Lauf selbst war zwar trocken, aber durch den vorherigen Regen war es sehr schwül. So ähnlich war es in Valencia am Anfang auch. Nach 10 Kilometern fing es an zu regnen. Im Kopenhagen gab es einen starken Platzregen. Der fing eine Stunde vorher schon an und ich war im Startblock schon komplett durchnässt. Berlin war der einzige Lauf mit normalen Wetter-Verhältnissen.

Was haben dich die sechs Läufe gekostet?

Valencia war aufgrund des Flugs und des Hotels am teuersten. Es kommt aber natürlich auch darauf an, wie lange du vor Ort bist. Ich bin jeweils freitags hingefahren und montags zurück. Dadurch habe ich einige hundert Euro mehr gezahlt. Im Schnitt hat mich jeder Lauf ungefähr 1.000 Euro gekostet. Das ist vergleichbar mit einem Wochenend-Trip nach London oder Paris.

Christian Vetter und ich beim Interview im Purino

Über seine Laufbegeisterung

Welchen Halbmarathon würdest du gerne noch laufen?

Ich habe eine DIN A4-Liste mit Läufen, die ich gerne noch laufen möchte. Vor einigen Wochen bin ich den Halbmarathon in Paris gelaufen. Das war einer meiner Wunsch-Läufe. Ich will unbedingt noch in London laufen. Gerne auch den Marathon. Da ist die Wahrscheinlichkeit aber sehr gering, einen Startplatz zu bekommen. In Budapest oder irgendwo in Skandinavien würde ich auch gerne einen Halbmarathon laufen. Vielleicht in Göteborg. Den Great North Run in England will ich auch noch laufen. Ziele habe ich definitiv genug.

Was ist deine Botschaft an die Lauf-Community?

Das Wichtigste ist der Spaß beim Laufen. Ich bin natürlich ehrgeizig und es geht mir auch um eine gute Zeit. Aber glücklich macht einen das ja nicht. Deshalb ist mir meine Zeit inzwischen auch nicht mehr so wichtig. Ich freue mich, wenn ich gut ins Ziel komme. Dann bin ich zufrieden und es war ein guter Lauf für mich. Auch wenn es fünf Minuten länger gedauert hat als geplant. Jeder Lauf hat seine Geschichte. Mir ist es wichtig, aus der Verkrampftheit von Zeiten und Pace herauszukommen. Ich möchte mich auf das ursprüngliche Laufen konzentrieren und mich dabei wohlfühlen.

Discussion in the ATmosphere

Loading comments...