Was weiter geschah: Hungerstreik beendet
WOZ – Die Wochenzeitung [Unofficial]
July 2, 2026
Unmittelbar nach Erscheinen der Reportage zum bedrohten autonomen Viertel Prosfygika in Athen haben sich die Ereignisse überschlagen: Am letzten Mittwochabend erklärten die Aktivist:innen Suzon Doppagne und Aristoteles Chantzis ihren Hungerstreik für beendet. Doppagne hatte diesen Anfang Mai begonnen, Chantzis bereits am 5. Februar. Am 22. Juni wurde Chantzis nach fünfmonatigem Hungern in äusserst kritischem Zustand in ein Spital eingeliefert. Die Ärzte diagnostizierten beim Aktivisten, der bei der Einlieferung nur noch 35 Kilo wog, lebensbedrohliche neurologische Folgen des Hungerns.
Unter dem Druck dieser kritischen Situation verabschiedete das Athener Stadtparlament am Mittwochabend eine Resolution, die von den Verantwortlichen den sofortigen Stopp der Räumungs- und Sanierungspläne fordert. Das Parlament nimmt mit der Erklärung zentrale Forderungen der Aktivist:innen auf – etwa dass die Bewohner:innen von Prosfygika bleiben können sollen. Gleichzeitig rief das Stadtparlament Chantzis und Doppagne dazu auf, ihren Hungerstreik zu beenden.
Der Haken an der Sache: Die Stadt kann die Räumungs- und Sanierungspläne für Prosfygika nicht stoppen. Vorangetrieben werden diese von der Regionalverwaltung von Attika unter dem rechtskonservativen Gouverneur Nikos Chardalias. Und dieser hält bislang an den Plänen fest. Die Aktivist:innen von Prosfygika werten es dennoch als direkten Erfolg ihrer radikalen Aktion, dass die Stadt Athen im Kampf um Prosfygika nun klar Stellung bezogen hat – und damit die Verhandlungsposition der Aktivist:innen stärkt. In ihrer Erklärung zur Beendigung des Hungerstreiks schreiben sie, man werde den Kampf um Prosfygika nun mit anderen Mitteln weiterführen.
Nachtrag zum Artikel «Europas grösste Besetzung: Sie lassen sich nicht besänftigen» in WOZ Nr. 26/26.
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