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"publishedAt": "2026-06-04T12:00:00.000Z",
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"textContent": "Einen Augenblick lang war Dominik Feusi Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung». Und nur einen Augenblick später war er es nicht mehr. Feusi verlor seine Stelle als Bundeshausredaktor der NZZ-Wirtschaftsredaktion, noch bevor er sie antreten konnte. Das machte der «SonntagsBlick» vergangenes Wochenende publik. Feusi hatte in seinem alten Job beim «Nebelspalter» eine Analyse zu Israel und dem Iran aus dem britischen «Telegraph» abgeschrieben und als seine eigene ausgegeben. Als der «SonntagsBlick» die NZZ dazu anfragte, erklärte diese, sie habe den Arbeitsvertrag mit Feusi bereits wieder aufgelöst.\n\nMerkwürdig an der Geschichte sind mehrere Dinge. Die NZZ – auch das war zu lesen – hatte das Plagiat einst selber entdeckt. Kurz nach dessen Erscheinen im Oktober 2024 fiel einem NZZ-Journalisten die Kopie auf. Die NZZ konfrontierte Feusi mit ihren Recherchen, doch eine Veröffentlichung blieb aus. «Warum, bleibt unklar», so der «SonntagsBlick». Genauso unklar: Weshalb stellte die NZZ einen Journalisten an, von dem man intern wusste, dass er plagiiert hatte – und entliess ihn später wegen ebendieses Plagiats?\n\nDie Antwort darauf dürfte im Erbfolgekrieg beim bürgerlichen Leitmedium zu finden sein. Chefredaktor Eric Gujer nähert sich dem Pensionsalter. Er würde, so heisst es aus der NZZ, zwar gerne noch ein paar Jahre anhängen. Doch der Verwaltungsrat wolle einen neuen, weniger brachialen Führungsstil an der Spitze. Viel Renommee und Fachwissen soll die Falkenstrasse in den letzten Jahren wegen Differenzen mit Gujer verlassen haben.\n\nEinen Nachfolger hat Gujer indes schon aufgebaut: den 43-jährigen Benedict Neff. Der Leiter des gewichtigen Ressorts International hat einen steilen Aufstieg hinter sich. 2017 stellte ihn Gujer im Berliner Büro der NZZ an, das nach Abonnent:innen am rechten Rand fischte. 2021 holte er ihn in die Schweiz und machte ihn zum Leiter des Feuilletons. Haften geblieben ist eine hautenge Begegnung zwischen Neff und dem rechtsextremen Publizisten Renaud Camus, der die Verschwörungstheorie vom «Grossen Austausch» verbreitete.\n\nAls Feuilletonchef war Neff auch für die Medienseite verantwortlich – und genau dort sollte Ende 2024 die Recherche zu Dominik Feusis Plagiat erscheinen. Neff, das bestätigen mehrere Quellen der WOZ, soll dann die Publikation verhindert haben. Aus welchen Motiven, bleibt unklar. Neff selber will sich nicht dazu äussern. Die Medienstelle der NZZ teilt mit, sie kommentiere interne redaktionelle Abläufe nicht.\n\nKlar ist, dass sich Neff und Feusi bestens kennen. Sie waren einst beide Zugpferde bei der «Basler Zeitung» unter Markus Somm, bei der erst die Besitzverhältnisse nach rechts wanderten und dann die Publizistik. Mehrere frühere «Sommboys» arbeiten heute bei der NZZ, Somm selber versuchten rechtsbürgerliche Kreise bekanntlich erfolglos an die Spitze zu hieven.\n\nSomm wird nun auch beim Melodrama um Feusis Plagiat eine Rolle zugeschrieben. Er habe, schrieb der «SonntagsBlick» ursprünglich, bei der NZZ interveniert, um eine Publikation über das Plagiat zu verhindern. Nach einem Dementi Somms löschte das Blatt den Satz von seiner Website. In seinem Podcast, den er mit Feusi betreibt, wiederholte er mit erhobener Stimme: «Ich habe in der Sache nie mit der ‹Züri-Zitig› geredet, vor anderthalb Jahren nicht, jetzt nicht, auch in Zukunft nicht. Fake News. Nie, nie, nie!» Und weiter: «Er [der «SonntagsBlick»-Journalist; Anm. d. Red. ] hat mich nie angerufen. Er hat sich auch nicht bei dem erkundigt, der angeblich mit mir geredet haben soll bei der ‹Züri-Zitig›.» Woher aber soll Somm das wissen können, wenn er in der Sache nie mit der NZZ gesprochen haben will?\n\nDie Verwirrung bei Somm war auch schon kleiner. Eines aber steht fest: Für ihn wäre eine Beförderung seines Zöglings Neff eine späte Genugtuung. Eine solche scheint nun unwahrscheinlich, denn die ganze Affäre ist für Gujer äusserst peinlich. Dieser lässt mitteilen, er habe vom Plagiat nicht vorgängig Bescheid gewusst. Wer auch immer Feusi verhindern wollte, hat Thronfolger Neff wohl gleich miterledigt. ●",
"title": "Auf allen Kanälen: Ein melodramatischer Erbfolgekrieg"
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