{
  "$type": "site.standard.document",
  "description": "Eine kritische Betrachtung der Entwicklung von Streaming-Diensten, steigender Kosten, Werbung, Lizenzproblemen und der Qualität von Inhalten.",
  "path": "/2025/2025-11-19 streamin war mal cool/",
  "publishedAt": "2025-11-19T11:34:56",
  "site": "at://did:plc:w37bo37cpdbcvhbdgly3qsx6/site.standard.publication/main",
  "tags": [
    "Streaming",
    "Spotify",
    "Amazon Prime",
    "Netflix",
    "DRM",
    "Medienkonsum",
    "YouTube",
    "Lizenzen",
    "AI-Inhalte"
  ],
  "textContent": "Streaming war mal **cool**. Erinnerst du dich noch an den Hype vor über 10 Jahren, als **Spotify** auf den Plan trat? **EMule** war zwar immer noch günstiger, aber das Angebot von Spotify war **verlockend**. Oder zwei Jahre später, als **Netflix** in Deutschland an den Start ging? Sicher nicht billiger als **BitTorrent** – aber dafür gab es anstatt **Viren** und \"**Raubkopiererknastangst**\" eine stabile **Filmdatenbank**. Die Anfangszeit des Streamings kam mit einem großen unausgesprochenen **Versprechen** um die Ecke: Warum eine Woche warten, um im linearen TV auf die neueste Folge von **Tatort** zu warten? **Legal** und **flexibel**. **Unabhängigkeit** und **Werbefreiheit** für einen geringen monatlichen **Obolus**. Das war die **Zukunft**, das war **Internet**!\n\n### Es war einmal und nicht mehr wird sein?\n\nAber wie sieht die **Realität** heute aus? Fangen wir bei **Spotify** an. Spotify kostete ein Jahrzehnt lang knapp **10 Euro**. Das war irgendwie **sympathisch**. Dann stieg der Preis zunächst auf **10,99 Euro**, später in 2023 auf **12,99 Euro**. Das sind immerhin **30 %**.\n\nEin Grund könnte gewesen sein, dass Spotify **Hörbücher** in das Programm aufgenommen hat. Kann man mögen, muss man aber nicht. Ich brauche diese Funktion nicht. Zumal die Anzahl der hörbaren Stunden pro Monat auf **12 Stunden** begrenzt ist. Stört mich nicht, aber trotzdem: Das sind jeden Tag nicht mal **30 Minuten** betreutes Lesen. Was soll das? \n\nStattdessen höre ich regelmäßig und viel **Podcasts**. Und hier kommt der Hit: [Bei meinem aktuellen Lieblingspodcast **Raum & Zeit**](https://www.zuckerstudios.com/produktion/raum-zeit-podcast-production) werden **Werbespots** ausgespielt und manchmal bewerben **Vollert** und **Bensinger** auch während des Podcasts noch ihren **Sponsor**. Es sei ihnen gegönnt, Schäfchen müssen trocken sein. Aber doch irgendwie **absurd**, oder? **Werbung** für ein bezahltes **Abo**?\n\nAber - moment mal. Nahm ich eben nicht noch an, dass der Preis wohl aufgrund des größeren Hörbuch-Angebotes gestiegen ist? Na dann versuchen wir z.B. mal \"Die drei Sonnen\" bei Spotify zu hören! \n\n![alt text](die-drei-sonnen.png)\n\nFalls es nicht sofort ersichtlich ist: Ich muss das Hörbuch für etwa 23 Euro kaufen. Der Zugriff auf die Hörbücher ist beschränkt und mitunter kostenpflicht! \n\nBei den Podcasts wird mir Werbung auf die Ohren geworfen und Hörbücher muss ich bezahlen. Dafür bezahle ich doch gerne 3 Euro mehr! Hier, nehmt auch meine Katzenwelpen und eine Niere! \n\n`(ง •̀_•́)ง`\n\nDas ist aber kein **Einzelfall**. **Amazon Prime!** Das **Preis-Leistungs-Verhältnis** war einmal **herausragend**. **Penetrationsstrategie** nennt man das in der Produktpolitik: Mit einem guten Preis möglichst viele KundInnen binden. Aber auch bei Amazon knabbert man immer weiter an den ehemals überzeugenden **Vorteilen** des **Prime-Abos**. Bestimmte Sendungen werden mit **Werbung** ausgespielt. Erfolgreiche Serien werden gerne **tröpfchenweise** veröffentlicht. So z. B. die [zweite Staffel von \"**Landmann**\"](https://www.primevideo.com/-/de/detail/LANDMAN/0IEEASNNLJFECUT6E8JZA5WLQZ). Oder [**Mayor of Kingstown**, 4. Staffel](https://www.primevideo.com/-/de/region/eu/detail/Mayor-of-Kingstown/0M18PA1H0SFBYSX86IP0MO3NPV):\n\nNatürlich ist die Staffel komplett fertig produziert, Amazon (bzw. hier *Paramount+*) macht auch gar keinen Hehl daraus, dass die Serie schon fertig ist. \n\n\n\nAuf die nächste Folge dürfen wir nun brav warten, wie damals, im **linearen TV**. Die Motivation ist klar: Vermutlich will man vermeiden, dass die Serie in einem Rutsch geschaut und das Abo dann wieder gekündigt wird. \n\nNicht nur das. Es gibt auch Serien, die gar nicht vollständig verfügbar sind, wie z. B. [**American Rust**](https://www.primevideo.com/-/de/detail/American-Rust/0LOOVU2CEV44HISIGTJ54P4KBL). Amazon Prime bietet hier nur die zweite Staffel an. Was soll ich mit der zweiten Staffel anfangen? Das ist wie **Kaffee trinken**, ohne **Wasser** zu benutzen.\n\n### Die Kostenfrage\n\nUnd dann ist da ja noch die **Kostenfrage**. Beim Musik-Streaming reicht ein Dienst in der Regel aus. Und fürs Protokoll – wer so wahnsinnig ist, jede angepriesene **Hit-Serie** sehen zu wollen, muss tief in die Tasche greifen:\n\n- **Netflix**: 4,99 € (mit Werbung)  \n- **Amazon Prime Video**: 8,99 €  \n- **Disney+**: 5,99 € (mit Werbung)  \n- **Paramount+**: 7,99 €  \n- **Apple TV+**: 6,99 €  \n- **Joyn+**: 6,99 €  \n- **RTL+**: 4,99 €  \n- **WOW (Sky)**: 9,98 €  \n- **MagentaTV**: 4,88 €  \n- **Spotify**: 10,99 €  \n- Und wenn du gerne zockst, rechne noch mal **8,99 €** für **PlayStation Plus** von Sony dazu.\n\nDas sind jeden Monat über **75 €**. Hättest du vor 10 Jahren gedacht, als du dich als rechtschaffende, erwachsenwerdende BürgerIn von **Emule**, **Kino.to** und **OneClickHostern** verabschiedet hast, dass mal **75 Euro** dafür fällig werden, dem verlockenden **Graubereich** des Internets zu entsagen?\n\n### Fazit\n\nOK, wir wollen fair bleiben: Im Prinzip gibt es eine **solide Gegenleistung**. Soviel muss man eingestehen. Das \"**digitale Archiv**\", wenn man sich denn alle Anbieter leisten möchte, ist schier **unendlich** und bequem erreichbar. Aber eben auch mit **Einschränkungen**. \n\n**Künstliche Verzögerung** der Veröffentlichung, **limitierte Zugriffe**, **Werbung**, **Lizenzprobleme** und **DRM**. Früher hast du den **Videorekorder** angeworfen und den **Tatort** aufgenommen. Sicher war auch die Haltbarkeit der **VHS-Kassette** begrenzt. Aber das war **deine Kopie**. \n\n**Deine Kopie!** Deine rechtschaffend beschaffte **Privatkopie**! Und mit dem Aufkommen von **DVD-Brennern** war sie sogar länger haltbar und konnte beliebig kopiert werden – was natürlich niemand gemacht hat. \n\nUnd heute? Wenn du etwas kaufst, ist es noch lange nicht **deins**. Wer erinnert sich noch daran, als **Sony** Filme aus deiner \"**digitalen Bibliothek**\" gelöscht hat, [weil es Probleme mit den **Lizenzen** von Canal+ gab](https://www.howtogeek.com/817070/your-digital-movies-will-not-last-forever-and-sony-just-proved-it/)? \n\n**Lizenzen!** Ein abstraktes Konstrukt, das für die KonsumentIn eigentlich völlig irrelevant ist. Sorgen sie aber genau dafür, dass ein Film auf einmal nicht mehr auf der \"**heimischen Plattform**\" verfügbar ist. \n\nPhilip Trembley, Director of Subscriptions bei **Ubisoft**, meinte einmal, es ist gar nicht so lange her:\n\n> \"**Spieler müssen sich daran gewöhnen, ihre Spiele nicht zu besitzen.**\"\n\nRichtig gelesen. So denkt man wohl bei **Ubisoft** über die Rechte der KonsumentInnen.\n\nStreaming war mal **cool**. Aber ob bewusst oder unbewusst, die Anbieter (und sicher auch \"**andere Umstände**\") haben es geschafft, das Erlebnis Stück für Stück, Jahr um Jahr, immer weiter durch den **Fleischwolf** namens \"**primäre Unternehmensziele**\" zu jagen. Wo bleibt der **Befreiungsschlag**? Eine Plattform, die **alles** bietet, ohne **Lizenzgerangel**, keine verschobenen Veröffentlichungen, keine Werbung, kein **AI-Slop**. \n\n",
  "title": "My 2,718281828459045235 Cents - Streaming war mal cool"
}