Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. (Mt 5,17)

Tagesimpuls June 10, 2026
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10 Woche im Jahreskreis Mittwoch Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus Mt 5, 17–19 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. Tagesimpuls Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. (Mt 5,17) Diese Worte hatte ich jahrelang nicht verstanden. Aber jetzt sehe ich es so: Jesus erfüllt das Gesetz so, wie es Gottes Wille ist. Im Laufe der Jahrhunderte hatte es viele Schulen und Richtungen gegeben, wie das Gesetz zu verstehen sei. Aber Jesus ist der Einzige, der es ganz genau wissen und sagen kann, denn er ist Gott selbst. Also ist das, was Jesus sagt, wie er das Gesetz lebt, das Richtige und nichts anderes. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Dazu kommt, dass es Entwicklungen gibt und geben darf, die im Sinne des Gesetzes sind. Das Leben geht immer weiter. Heute sind wir an einem anderen Punkt als gestern. Wenn Jesus in die Welt kommt, dann ist das etwas anderes, eine Situation, die es nie zuvor gegeben hat. Wenn Jesus nun die Prophezeiungen des Gesetzes erfüllt, dann widerspricht das nicht dem Gesetz. Das Gesetz beinhaltet die Tatsache, dass Jesus kommen wird, und das damit eine neue Zeit beginnen würde. Das Gesetz ist also in sich dynamisch, und es statisch festzuschreiben, wäre nicht im Sinne des Gesetzes. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Ich sehe dasselbe auch heute, wenn wir über das Verhältnis von Tradition und Erneuerung sprechen. Keiner kann abstreiten, dass es heute neue Wege gibt und geben muss, auch nicht die ganz Konservativen. Ich nehme einmal als Beispiel für eine Tradition, die sicher gut ist, die Feier der Heiligen Messe. In der Messe hat sich die musikalische Gestaltung an das Empfinden der Menschen angepasst. Es gab z.B. eine Zeit, als es noch keine Orgel gab. Irgendwann wurde die Orgel populär, und dann wurde sie in den Kirchen eingeführt. Das war damals kein Traditionsbruch, sondern im Gegenteil: Um die wertvolle Tradition der Eucharistie über Generationen weiterzugeben, war die Orgel hilfreich, sie diente der Tradition. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Wenn sich Dinge verändern, kann das der einzige Weg sein, die Tradition in eine neue Zeit zu tragen und zu bewahren. Starres Festhalten könnte die Tradition zerstören. Man muss natürlich im Einzelfall betrachten, worum es geht. Aber ich kann zusammenfassen: Jesus steht in Tradition mit dem Gesetz, auch wenn mit Jesus eine neue Zeit anbricht. Und wir stehen mit Jesus und der Kirche in einer Tradition. Wenn heute teilweise andere Entscheidungen getroffen werden müssen als früher, dann heißt das nicht, dass das Frühere falsch war. Wir gehen jedes Jahr weiter in der Verantwortung, die Tradition zu bewahren, und die Schritte zu gehen, die uns am besten dabei helfen. Gebet: Jesus, ich danke dir für die Erneuerung im Heiligen Geist, die du der Kirche in jeder Generation geschenkt hast. Hilf uns, dass wir immer fest verankert bleiben in deiner Tradition, und hilf uns, gut zu prüfen, welche Erneuerung der Tradition dient und welche nicht. Pastor Roland Bohnen www.tagesimpuls.org Pfarrer-Kreins-Str. 2 52538 Selfkant Süsterseel Telefon 02456 – 3627 Fax 02456 – 3019 pastor.bohnen@kirche-selfkant.de www.kirche-selfkant.de

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