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"publishedAt": "2026-06-05T10:00:00.000Z",
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"textContent": "Da bin ich wieder ─ mit einem Gedanken, den ich heute mit dir teilen möchte.\n\nDiese Woche hatte ich völlig unerwartet ein Gespräch mit einer Frau um die 50, deren Mann vier Wochen vorher überraschend an einem Herzinfarkt gestorben war. Wir kamen an ihrem Arbeitsplatz ins Gespräch. Wir kannten uns nicht.\nIhr habt ihr den heutigen Newsletter zu verdanken.\n\nWir teilen nämlich eine Erfahrung. Sie und ich. Ich würde diese Erfahrung einmal mit folgendem provokanten Ausspruch umschreiben:\n**„es ging mir gerade gut – bis du ums Eck kamst...“**\n\nStell dir folgende Szene vor:\nDu gehst nach einem einschneidenden Verlust ─ z.B. dem Tod deines Partners ─ auf die Straße. Du gehst einkaufen. Schließlich muss der Mensch auch etwas essen. Und raus musst du sowieso irgendwann wieder. Du bist froh über ein paar Sonnenstahlen und freust dich, dass du dich darüber schon wieder freuen kannst. In diesem Moment geht es dir gut. Wie schön.\n\nDu siehst, wie eine alte Bekannte direkt vor dir um die Ecke biegt und auf dich zukommt. Sie hat nicht mit dir gerechnet. Sie erschrickt. Du siehst in ihrem Gesicht, dass sie nach dem Mauseloch sucht, das sie verschluckt. Da ist kein Mauseloch. Du siehst, wie sich ihr Gesicht verändert. Es wird tragisch. Düster. Sie rüstet sich für die Begegnung mit dir.\n\nDu spürst, wie auch du dich innerlich für die Begegnung rüstest. Und Schwupps… bist du wieder in einem dir wohlbekannten, dunklen Loch. Das gerade häufig präsent ist ─ es ist darin düster und anstrengend. Du warst froh ihm kurz entfliehen zu können und du ertappst dich bei dem Gedanken: „Es ging mir gut, bis du ums Eck kamst“. Das kannst du natürlich nicht sagen. Du erlaubst dir das kaum zu denken. Und doch ist es in diesem Moment so.\n\n**Niemand hat hier etwas falsch gemacht. Es ist einfach eine schwierige Situation. Für alle Beteiligten.**\n\nFür Trauernde ist es oft die schwierigste Situation wieder auf die „anderen“ zu treffen. Und für die „anderen“ ist es genauso schwierig. Und das Tragische ist. Beide wollen nichts falsch machen. Beide sind unsicher. Und beide sind meist in ihrer Not ganz bei sich und nicht bei dem anderen.\n\nIch bin mir sicher, dass ich mit dieser Wahrnehmung nicht alleine dastehe. Nur getrauen wir uns selten, uns selbst gegenüber so ehrlich zu sein und solche Gedanken zuzulassen.\n\n**Was hilft?**\n\n**Offenheit.\nNichts erwarten. Nichts überstülpen. Es darf alles sein.**\nWir machen nur dann etwas falsch, wenn wir vom anderen eine ganz bestimmte, eine „für uns richtige Reaktion“ erwarten.\n\nDer andere kann unmöglich wissen, wie es uns jetzt, in dieser Sekunde geht. Das wissen wir ja oft selbst nicht. Jeder hat eine andere, ganz eigene Einstellung zu Sterben, Tod und Trauer und es ist total unfair von einem anderen dieselbe Einstellung zu erwarten, die ich habe. Jeder hat das Recht auf seine eigene. Wir können unmöglich wissen, was der andere gerade fühlt und denkt. Und was er braucht. Es sei denn wir fragen. Mit ehrlichem Interesse und Zeit im Gepäck… aber das wird ein anderer Newsletter.\n\nTrauer ist schwierig ─ für alle Beteiligten. Lasst es uns nicht noch schlimmer machen, indem wir eine bestimmte Trauer erwarten. Nicht von uns und nicht von anderen. Wenn wir das alle hinbekommen würden ─ dann wäre das eine Art „Himmel auf Erden für Trauernde“. Für die mir unbekannte Frau, für mich und für viele andere Menschen, die gerade in Trauer sind.\n\n**Alles darf – nichts muss.**\n\nDanke, dass ich diese Gedanken mit dir teilen durfte.\nIch geh jetzt leben. Und du?\n\nHerzliche Grüße\nMona",
"title": "Wo ist das Mauseloch, wenn man es braucht?",
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