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    "html": "<p class=\"wp-block-paragraph\">Musik muss doch irgendwie lebendig sein. Und wie das bei allem ist, was lebt: Es ist unperfekt. Wann hat das in der Musik denn aufgehört? Oder anders gefragt: Wann hat man in der Musik damit angefangen, alles, was nicht zu 100% perfekt ist, zu eliminieren? Ich habe einen Entschluss gefasst, der in den letzten Tagen gereift ist. Ich mache einfach Schluss damit, alles zu perfektionieren, was meine Musik betrifft. Und ich werde auch erzählen, was ich damit meine. Ich hoffe, das ist nicht nur was für die Musik-Nerds. Das ist nämlich eigentlich gar nicht beabsichtigt.</p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nimm 2 db bei 200 Hertz raus</h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wird nicht alles erzählt, was elektronische Musik heutzutage betrifft. Du muss den perfekten Sound haben, die perfekte Kick, alles muss genau auf den Punkt sein, du musst unbedingt alles wegdrücken, was der Kick im Weg ist&#8230; So könnte ich endlos weitermachen. Und da fange ich noch gar nicht damit an, dass man seine spezielle Nische haben muss. Da gibt es dann so Videos wie &#8222;How to make Deep Melodic Peaktime Techno like XYZ&#8220;. Muss das wirklich sein?</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wird dann davon erzählt, dass man es hören würde, wenn DIESE 2 db bei 200 Hertz zu hören wären. Alles muss blitzsauber sein. Nichts darf instabil sein. An solchen Ratschlägen habe ich mich lange Zeit orientiert. <a href=\"https://www.henning-uhle.eu/musik/musik-experiment-neues-ausprobieren\" type=\"post\" id=\"96212\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ich habe euch doch neulich mal erzählt</a>, dass es mich irgendwie ermüdet hatte, ständig diesen Melodic House zu fabrizieren. Dabei habe ich auch einen daher erzählt, dass ich da neues ausprobieren will. Aber ich wusste nicht so richtig wieso. Das hat sich geändert.</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Können wir denn nicht einfach damit aufhören, alles so überzuperfektionieren? Das ist ja nicht zum Aushalten. Keine Frage, ich liebe Melodic House. Aber diese immer gleichen Abläufe, dieses enge Korsett und dieses wahnsinnig aufgeräumte stören mich gewaltig. Ich denke, es ist mal wieder an der Zeit, dass Musik unperfekt wird. Und jetzt kommt ein Abschnitt, der so klingt wie &#8222;Opa erzählt vom Krieg&#8220;. Das ist aber gar nicht meine Intention.</p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Musik darf unperfekt sein</h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Du musst genug Raum lassen, um deinen Track laut zu bekommen&#8220;, heißt es in einem der vielen Ratschläge. &#8222;Der Sound muss perfekt in seiner Lasche sitzen&#8220;, ist ein anderer toller Ratschlag. Ich kann es nicht mehr hören. Elektronische Musik war doch früher auch unperfekt. Jean-Michel Jarre hatte seine Oxygene-Komposition nicht einprogrammiert, Vangelis tat dies mit &#8222;Albedo 0.39&#8220; auch bloß nicht. Das waren nicht zuletzt deshalb zeitlose Werke.</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Ach, und bevor ihr Einspruch erhebt: Jaja, Drum-Computer wird es damals schon gegeben haben, Sequenzer gab es ja auch. Aber die ganzen Synthie-Melodien wurden eingespielt, nicht programmiert. Aber weiter im Text.)</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gehen wir mal in die Neunziger. Glaubt ihr ernsthaft, Jam &amp; Spoon hätten mit einer perfekten Produktion von &#8222;Right In The Night&#8220; derart Erfolg gehabt? Oder der &#8222;Master Blaster&#8220; von Prodigy: Wäre der dieser Klassiker geworden ohne das ganze Rumpeln und Scheppern? Wäre Moby so ein Weltstar geworden? Was meint ihr? Ich glaube ja, dass ein großer Teil des Charms vieler damaliger Produktionen daher rührt, weil sie unperfekt sind. Man hat drauflos gewurzelt.</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die ganze Blitzblank-Putzerei, weil Elektronik-Musiker auf Nummer Sicher gehen wollen, ist das Alles verloren gegangen. Ich bin auf mir unbekannte Stücke von Underworld, Aphex Twin, Orbital etc. gestoßen, die nicht durch eine perfekte Produktion glänzen, sondern durch ein Gefühl. Und ein Gefühl kannst du nun mal nicht programmieren. Und ein Gefühl ist immer unperfekt. Das brachte mich dann letztlich auf meine Idee.</p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Keine tot-optimierten Tracks mehr</h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Du musst Musik am Leben lassen. Und das erreichst du &#8211; auch als Elektronik-Musiker &#8211; nur, wenn du deine Musik nicht zu Tode optimierst. Wenn du quantisierst, weil du nicht den Rhythmus halten kannst, dann quantisiere doch bitte nicht zu 100%. Lass deinen Noten wenigstens ein bisschen Raum, dass sie sich natürlich entfalten können. Musik ist immer unperfekt, und das gilt auch für elektronische Musik. Scheiß drauf, was die Streaming-Zahlen sagen.</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe im oben verlinkten Artikel von einem Track erzählt, den ich da gerade bastle. Bis jetzt ist das Alles eine große &#8222;Wall Of Sounds&#8220; mit einem Haupt-Instrument oben drüber. Bis auf die Drum-Elemente, die ich aus Samples zusammengestellt und halt auch programmiert habe, habe ich bisher alles selbst eingespielt. Und irgendwie klingt das Ganze viel dynamischer, dreckiger, aber eben auch lebendiger. Und ich glaube, so kann es gehen.</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber mal abgesehen von dem Track, den ich in Arbeit habe: Wenn wir uns Melodic House angucken, dann muss ich immer eines feststellen. House-Musik ist doch eigentlich extrem gut tanzbare Musik. Aber der aktuelle Melodic House wirkt auf mich als extrem gute Einschlaf-Musik. Und ehrlich, das kann es doch nicht sein. Als ich das erkannt habe, habe ich mich selbst ein wenig erschrocken. Denn wer weiß, vielleicht sehen das viele in meiner Musik ja auch.</p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Da gibt es aber noch einen Grund</h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht ja nicht nur darum, dass wir unsere Musik wieder mehr fühlen müssen und sie auch für unsere Hörer lebendiger gestalten müssen. Da gibt es schon noch einen viel fetteren Grund. Ich habe oben geschrieben, dass uns Streaming-Zahlen einfach mal egal sein müssten. Aber wenn sie nicht egal sind, ist uns sicher auch nicht egal, dass unsere Musik kaum noch stattfindet, <a href=\"https://www.zeit.de/2026/12/ki-musik-streaming-spotify-kuenstler-einnahmen-gerichtsverfahren/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">weil die KI-generierte Musik unfassbar die Streaming-Dienste überflutet</a>.</p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und KI-generierte Musik kann keine Emotionen enthalten. Eine Maschine kann niemals empfinden, was man gefühlt hat, als man eine Melodie im Kopf hatte, die nicht mehr weg ging und die zum Soundtrack für einen bestimmten Moment wurde. Und deshalb müssen wir irgendwie dahin zurück, die Musik unperfekt zu machen. Ja, klar, ohne Chaos zu fabrizieren. Aber poliert nicht alles blitzblank, bis das letzte Stückchen &#8222;Is&#8216; so&#8220; weg ist. Oder wie Westernhagen im Lied &#8222;Mit 18&#8220; sang:</p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich möchte zurück auf die Straße<br />Möchte wieder singen, nicht schön sondern geil und laut</p>\n</blockquote>\n\n\n\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https://embed.tidal.com/tracks/3413421\" width=\"500\" height=\"120\" allow=\"encrypted-media; fullscreen; clipboard-write https://embed.tidal.com; web-share\" sandbox=\"allow-same-origin allow-scripts allow-forms allow-popups allow-popups-to-escape-sandbox\" style=\"color-scheme: light dark\" title=\"TIDAL Embed Player\"></iframe>"
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Da gibt es dann so Videos wie „How to make Deep Melodic Peaktime Techno like XYZ“. Muss das wirklich sein? Da wird dann davon erzählt, dass man es hören würde, wenn DIESE 2 db bei 200 Hertz zu hören wären. Alles muss blitzsauber sein. Nichts darf instabil sein. An solchen Ratschlägen habe ich mich lange Zeit orientiert. Ich habe euch doch neulich mal erzählt, dass es mich irgendwie ermüdet hatte, ständig diesen Melodic House zu fabrizieren. Dabei habe ich auch einen daher erzählt, dass ich da neues ausprobieren will. Aber ich wusste nicht so richtig wieso. Das hat sich geändert. Können wir denn nicht einfach damit aufhören, alles so überzuperfektionieren? Das ist ja nicht zum Aushalten. Keine Frage, ich liebe Melodic House. Aber diese immer gleichen Abläufe, dieses enge Korsett und dieses wahnsinnig aufgeräumte stören mich gewaltig. Ich denke, es ist mal wieder an der Zeit, dass Musik unperfekt wird. Und jetzt kommt ein Abschnitt, der so klingt wie „Opa erzählt vom Krieg“. Das ist aber gar nicht meine Intention. Musik darf unperfekt sein „Du musst genug Raum lassen, um deinen Track laut zu bekommen“, heißt es in einem der vielen Ratschläge. „Der Sound muss perfekt in seiner Lasche sitzen“, ist ein anderer toller Ratschlag. Ich kann es nicht mehr hören. Elektronische Musik war doch früher auch unperfekt. Jean-Michel Jarre hatte seine Oxygene-Komposition nicht einprogrammiert, Vangelis tat dies mit „Albedo 0.39“ auch bloß nicht. Das waren nicht zuletzt deshalb zeitlose Werke. (Ach, und bevor ihr Einspruch erhebt: Jaja, Drum-Computer wird es damals schon gegeben haben, Sequenzer gab es ja auch. Aber die ganzen Synthie-Melodien wurden eingespielt, nicht programmiert. Aber weiter im Text.) Gehen wir mal in die Neunziger. Glaubt ihr ernsthaft, Jam & Spoon hätten mit einer perfekten Produktion von „Right In The Night“ derart Erfolg gehabt? Oder der „Master Blaster“ von Prodigy: Wäre der dieser Klassiker geworden ohne das ganze Rumpeln und Scheppern? Wäre Moby so ein Weltstar geworden? Was meint ihr? Ich glaube ja, dass ein großer Teil des Charms vieler damaliger Produktionen daher rührt, weil sie unperfekt sind. Man hat drauflos gewurzelt. Durch die ganze Blitzblank-Putzerei, weil Elektronik-Musiker auf Nummer Sicher gehen wollen, ist das Alles verloren gegangen. Ich bin auf mir unbekannte Stücke von Underworld, Aphex Twin, Orbital etc. gestoßen, die nicht durch eine perfekte Produktion glänzen, sondern durch ein Gefühl. Und ein Gefühl kannst du nun mal nicht programmieren. Und ein Gefühl ist immer unperfekt. Das brachte mich dann letztlich auf meine Idee. Keine tot-optimierten Tracks mehr Du musst Musik am Leben lassen. Und das erreichst du – auch als Elektronik-Musiker – nur, wenn du deine Musik nicht zu Tode optimierst. Wenn du quantisierst, weil du nicht den Rhythmus halten kannst, dann quantisiere doch bitte nicht zu 100%. Lass deinen Noten wenigstens ein bisschen Raum, dass sie sich natürlich entfalten können. Musik ist immer unperfekt, und das gilt auch für elektronische Musik. Scheiß drauf, was die Streaming-Zahlen sagen. Ich habe im oben verlinkten Artikel von einem Track erzählt, den ich da gerade bastle. Bis jetzt ist das Alles eine große „Wall Of Sounds“ mit einem Haupt-Instrument oben drüber. Bis auf die Drum-Elemente, die ich aus Samples zusammengestellt und halt auch programmiert habe, habe ich bisher alles selbst eingespielt. Und irgendwie klingt das Ganze viel dynamischer, dreckiger, aber eben auch lebendiger. Und ich glaube, so kann es gehen. Aber mal abgesehen von dem Track, den ich in Arbeit habe: Wenn wir uns Melodic House angucken, dann muss ich immer eines feststellen. House-Musik ist doch eigentlich extrem gut tanzbare Musik. Aber der aktuelle Melodic House wirkt auf mich als extrem gute Einschlaf-Musik. Und ehrlich, das kann es doch nicht sein. Als ich das erkannt habe, habe ich mich selbst ein wenig erschrocken. Denn wer weiß, vielleicht sehen das viele in meiner Musik ja auch. Da gibt es aber noch einen Grund Es geht ja nicht nur darum, dass wir unsere Musik wieder mehr fühlen müssen und sie auch für unsere Hörer lebendiger gestalten müssen. Da gibt es schon noch einen viel fetteren Grund. Ich habe oben geschrieben, dass uns Streaming-Zahlen einfach mal egal sein müssten. Aber wenn sie nicht egal sind, ist uns sicher auch nicht egal, dass unsere Musik kaum noch stattfindet, weil die KI-generierte Musik unfassbar die Streaming-Dienste überflutet. Und KI-generierte Musik kann keine Emotionen enthalten. Eine Maschine kann niemals empfinden, was man gefühlt hat, als man eine Melodie im Kopf hatte, die nicht mehr weg ging und die zum Soundtrack für einen bestimmten Moment wurde. Und deshalb müssen wir irgendwie dahin zurück, die Musik unperfekt zu machen. Ja, klar, ohne Chaos zu fabrizieren. Aber poliert nicht alles blitzblank, bis das letzte Stückchen „Is‘ so“ weg ist. 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