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"textContent": "Vieles ist ganz klar richtig oder falsch. Und zwar gar nicht in den grossen, weltbewegenden Fragen. Sondern im Kleinen. Beispiel: nicht fliegen sondern Bahn fahren. Ist richtig. Und sehr oft schaffe ich es auch, das Richtige zu tun. Aber: nächstes Jahr will ich nach Südspanien. Beruflich und privat. Also wird es wohl ein Flug werden. Und da ist es dann: das schlechte Gewissen. Etwas bewusst falsch machen, weil bequem. Oder auch, weil sonst unmöglich. Oder Essen. Wir wissen, was gesund ist. Wir kennen die Produktionsbedingungen von Fleisch, Fisch und Geflügel. Also weniger und Bio essen, klar. Aber manchmal geht das eben nicht. Und dann treibt mich der Hunger zum Junk oder die Gier zum Süssen. Wohnen im freistehenden Haus mit großem Garten? Mach ich, ist volkswirtschaftlich, vom Bodenverbrauch und auch ökologisch asozial. Neue Computer, Handys, technische Geräte aller Art. Bin ich ja sowas von anfällig. Aber ja, alte Dinge weitergeben, nutzen bis kaputt, Recycling. Es gibt eigentlich kaum einen Bereich, in dem es gelingt, wirklich das Richtige zu tun. Also kompletter Verzicht, den Kaufimpulsen widerstehen, Hirn vor Bauch. Es gibt meterweise Bücher dazu – in beide Richtungen: einerseits, wie man sein Leben besser in den Griff bekommt und andererseits, wie man besser verkauft, weiter entwickelt, optimiert. Und dann fällt mir wieder ein, das man sich Sissyphos als glücklichen Mann vorstellen muss. Der gedankliche Sprung mag ein weiter sein, doch wie soll man dem alltäglichen Widerspruch begegnen? Wie soll man nicht frustriert werden, wenn man doch weiss wie es gut ist und dann nicht kann? Camus schreibt, dass wir das Absurde annehmen müssen, weil wir erst durch die Annahme des Absurden zur Freiheit finden können. Das ist ein schöner Gedanke, weil es keiner äusseren Einflüsse bedarf, um die Situation aufzulösen. Es geht vielmehr darum, jeden einzelnen Kompromiss, den man so im Alltag mit sich selber ausmacht, zu akzeptieren. Der Kompromiss ist immer eine Auflösung einer Spannung zwischen mindestens zwei Polen. Ein Kompromiss ist Entspannung per Definition. Aber manchmal ist Spannung das Ziel, nicht Entspannung. Kompromisslosigkeit kann zu unglaublichen Ergebnissen führen, in der Kunst, im Sport und auch in der wissenschaftlichen Forschung, der Technologie. Radikale Lösungen verändern die Welt (Atombombe) und das persönliche Leben (Umzug aufs Land). Die lebensverändernden Momente können aber beides sein. Der Verzicht auf Fleisch als radikale Umstellung und der Umstieg auf ein Car-Sharing E-Auto, weil es langfristig der beste Kompromiss ist. Es gibt kein Rezept für richtige Entscheidungen. Auch dann nicht, wenn man weiss, was richtig ist. Jedes Leben ist anders, jede Biographie ist anders. Wir brauchen keine Anleitungen, wie wir zu leben haben. Wir brauchen die Freiheiten, unsere Entscheidungen zu treffen und die Fähigkeit zu erkennen, wo unsere Freiheit aufhört wenn die des nächsten beginnt.",
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