Das Kompostprivileg
harrymartin.bsky.social
May 21, 2026
Mit der Idee, dass wir die Erde von unseren Nachfahren nur geliehen haben, kann ich – auch wenn pathetisch – viel anfangen. Der nutzbare Raum ist nun mal begrenzt, daher ist der öffentliche Raum auch der eigentlich richtige. Nur leider ist der Mensch in der Anonymität ein A-loch und in einer Wohlstandsgesellschaft ist es anerkannt, dass das Ich über dem Wir steht. Das führt dann dazu, dass riesige Autos im öffentlichen Raum kostenlos abgestellt werden dürfen – und wenn man ankommt geht der Alarm los! Das ist eine Privatisierung des öffentlichen Raumes – wer mehr Geld hat kann mehr Raum nutzen. Im urbanen Raum setzt sich immer mehr die Idee durch, dass solcher Besitz auch belastet. Von einer Sharing-Kultur bis zum Automobilverzicht gibt es je nach Bedarf eine Reihe guter Lösungen. Das ist ökonomisch, ökologisch und auch gesellschaftlich sinnvoll – weil der Raum wieder an die Gemeinschaft zurückfällt. Ausserhalb der Städte wird der Raum, und damit der Boden, billiger. Bis hin zur vordergründigen Wertlosigkeit. Riesige Flächen werden versiegelt oder vergiftet, weil es billiger ist. Und irgendwo zwischen der Bodenlosigkeit und der Grossfläche liegt das durchschnittliche Idyll des Hausbesitzers – mit Garten. Die Hauptmotivation so zu leben liegt bei vielen in der Distanz – zum Nachbarn. Je weiter weg, desto gut. Wenn weit nicht geht dann Mauer. Hoch und dicht. Distanz muss nicht nur Weg bedeuten, sie kann auch Lärm oder Geruch sein. Für viele kommt das dem Ideal schon nahe: Ruhe und Platz! Und dieser Platz muss nun genutzt – oder gefüllt werden. Zuerst mal mit einem Parkplatz samt Einfahrt. Schliesslich muss die Distanz, die man sich ersehnt hat, auch rasch überwunden werden können. Dann vielleicht noch Pool oder Schwimmteich. Dazwischen – jetzt kommt’s – ein Hochbeet mit Gemüse. Vielleicht Hecke, Rasen ist auch gut. Nur leider: macht Abfall (Blätter, Grünschnitt, etc.) Neben der Einfahrt Tonnen: Restmüll, Altpapier, das Gelbe (Verpackungen) und – Biotonne! Wird in der warmen Jahreszeit wöchentlich gelehrt, weil stinkt sonst! Die Biotonne am Land ist absurd! Denn wenn es mehr als Kleinmengen sind gibt es überall Sammelzentren, die man bequem mit SUV und Anhänger erreichen kann. Alles, was so anfällt, kann einfachst selber kompostiert werden. Das ist das wahre Privileg am Landleben! Wer Platz für einen Auto-Stellplatz hat wird auch Platz für einen Komposthaufen haben. Der Experte rät zu einem Häcksler für die Astzerkleinerung, wer viele feuchte Abfälle hat ev. Kompostkiste zusätzlich zum Haufen. Vorteile sind klar: keine Abholung vom Biomüll, eigener Kompost spart Dünger und Kauferde in Plastik. Dazu kommt eine größere Artenvielfalt im Garten weil zusätzliche Lebensräume entstehen. Also billiger, besser und gesünder Leben. Und nein, Kompost stinkt nicht! (Fäule stinkt, Rotte nicht). Das wahre Privileg am Land ist nicht die Distanz zu den Menschen sondern die Nähe zur Natur im eigenen Garten.
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