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Wie kognitive Skripte Deine Neugierde beschneiden

scamper.blog June 5, 2026
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Wenn Du als Solopreneur oder Sologründerin mit Deinem Business durchstartest, ist dieser eine Ratschlag so sicher wie das Amen in der Kirche:

Du brauchst ein klares Thema!

Und natürlich ist dieser Tipp in mancherlei Hinsicht relevant – beispielsweise für Dein Marketing oder für Dein Positioning. Und auch der sagenumwobene LinkedIn-Algorithmus liebt Dich nicht bedingungslos, sondern nur dann, wenn Du auf Social Media ausschließlich zu "Deinem Thema" postest. (Wehe dem, der es wagt, hier aus dem Rahmen zu fallen!)

Frameworks und Methoden wie Ikigai oder der Golden Circle von Simon Sinek suggerieren, dass Du nur eine einzige Leidenschaft haben darfst. Als ginge es einzig und allein darum, diese eine alles überstrahlende Wahrheit tief in Dir zu entdecken. Und wenn Dir das nicht gelingt, stimmt offensichtlich was nicht mit Dir.

Wie uns kognitive Skripte davon abhalten, Neues zu entdecken

Das Problem an diesem Gedanken ist, dass er zum einen gar nicht stimmt und Dich zum anderen davon abhält, Deiner Neugierde zu folgen und Neues zu erforschen.

Wir Menschen sind vielfältig und diese eine große Leidenschaft, die sich wie ein roter Faden durch unser Leben zieht, existiert schlichtweg nicht. So groß zum Beispiel meine eigene Leidenschaft für Design Thinking und Lean Startup auch ist: Ich habe auch noch (sehr) viele andere Leidenschaften. Beispielsweise bin ich auch begeisterter Aquarianer oder spiele seit Jahrzehnten "Pen & Paper"-Rollenspiele, weil ich mich für Geschichten und Storytelling interessiere.

Menschen haben viele Leidenschaften und nicht nur eine einzige.

Viel schlimmer ist aber, dass Dich der Glaube an den sagenumwobenen Purpose daran hindert, Deiner Neugierde zu folgen und Neues zu entdecken. Denn wenn Du davon überzeugt bist, dass Dein Leben einem klaren, roten Faden folgen muss, dann verlässt Du diesen Pfad nicht mehr. Stattdessen richtest Du alles auf diese eine heilsbringende Zukunft aus, auf die alles hinstreben muss.

Oder um beim Thema Rollenspiele zu bleiben: Du lässt alle Sidequests links liegen und folgst nur Deiner vermeintlichen Hauptstory. Abwege, Irrtümer, Sackgassen, überraschende Entdeckungen am Wegesrand sind bei dieser Sichtweise etwas Schlechtes, weil sie Dich nur vom Kurs abbringen.

Weitere kognitive Skripte

In ihrem Buch Tiny Experiments zeigt Anne-Laure Le Cunff, dass hinter diesem Verhalten kognitive Skripte stecken. Kognitive Skripte sind Geschichten, die wir uns erzählen, dass etwas so sein muss, obwohl es in Wahrheit gar nicht so ist.

Und die Idee, in Deinem Leben nur einer einzigen Leidenschaft folgen zu dürfen, ist nur eines dieser Skripte. Es gibt noch zwei weitere:

Das hab ich immer schon so gemacht

Ein weiteres kognitives Skript ist die Denkweise, dass Du das, was Du in der Vergangenheit getan hast, auch in der Zukunft so tun solltest. Oder Du triffst Entscheidungen so, wie Du sie auch schon in der Vergangenheit getroffen hast. Einfach um im Einklang mit Dir selbst zu sein.

Dahinter steckt natürlich auch viel Gewohnheit und nicht immer ist diese Denkweise zwangsläufig schlecht. Schließlich wären wir gar nicht überlebensfähig, wenn wir jede Entscheidung immer noch einmal komplett neu durchdenken müssten.

Andererseits hält Dich auch dieses kognitive Skript davon ab, neue Wege zu beschreiten. Denn dann bestimmt Dein Vergangenheits-Ich Dein Zukunfts-Ich. Und genauso wie das kognitive Skript, dass Du nur eine einzige Leidenschaft in Deinem Leben haben darfst, verhindert diese Denkweise, dass Du Deiner Neugierde folgst und Dich aufmachst, das neue Wege und Möglichkeiten zu entdecken.

Folge der Herde

Hinzu kommt noch ein weiteres kognitives Skript: Wir übernehmen die Erwartungen anderer, wie Erfolg auszusehen hat. Die Netzwerke, in denen wir uns bewegen, geben uns eine Unzahl an Definitionen vor, nach denen wir uns unbewusst richten.

Die Allgemeinheit weiß ganz genau, was es heißt Doktor zu sein, Anwalt zu sein oder eben auch Beraterin oder Solopreneur zu sein. Und ohne es zu merken, folgen wir diesem kognitiven Skript und übernehmen vorgegebene Denkmuster und Verhaltensweisen.

Aber auch diesem Skript musst Du nicht zwangsläufig unterwerfen. Schließe neue Verbindungen zu Menschen, die anders denken, und vernetze Dich bewusst mit Menschen, die Dir neue Perspektiven eröffnen, statt alte Muster zu bestätigen.

Fellowship statt Follower – Netzwerken für SolopreneureWie Du durch Netzwerken hilfreiche Beziehungen zu anderen Solopreneuren aufbaust – mit Strategien und Tipps für erfolgreiches NetworkingscamperLars Richter

Raus aus der linearen Denke!

Natürlich ist es unrealistisch, all diesen eingefahrenen Denkmustern immer und zu jeder Zeit zu entkommen. Das bedeutet aber nicht, dass Du es nicht wenigstens ab und an versuchen solltest.

Manchmal reicht es schon, wenn Du Dir die folgenden drei Fragen stellst, um zu merken, ob Du einem kognitiven Skript aufgesessen bist:

  1. Folgst Du Deiner Leidenschaft oder entdeckst Du Deine Neugierde?
  2. Folgst Du Deinem Vergangenheits-Ich oder entdeckst Du neue Wege Deines Zukunfts-Ichs?
  3. Folgst Du der Allgemeinheit oder umgibst Du Dich mit Menschen, die Dich wachsen sehen wollen?

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