Am Ende des Irrsinns
Pressepfarrerin
May 24, 2026
Schwebender Engel in der Einführungskirche Normalerweise habe ich in der hiesigen Gemeinde ein bis zwei Beerdigungen im Monat. Kommt eine dritte dazu, ist es schon viel. Das kenne ich aus anderen Gemeinden, in denen ich gearbeitet habe, auch anders. Aber hier ist es so und ich bin seit fast fünf Jahren mit meiner Aufgabenverteilung darauf eingestellt. Als ich trotzdem bei fünf Bestattungen ankam, dachte ich darum, die Spitze wäre erreicht und es würde schon werden. Pustekuchen. Sieben Trauerfeiern in fünf Wochen kamen schließlich zusammen, die sonst in vier bis fünf Monaten aufgelaufen wären. Ich bin mittlerweile völlig gar gekocht. In der letzten Woche sagte ich daher alles ab, was ich nicht noch unbedingt machen musste. Dazu gehörten auch Seelsorgegespräche, was mir besonders leid tat, doch ich kriegte nichts mehr in den Kopf. Glücklicherweise habe ich überall viel Verständnis und Unterstützung von den Haupt- und Ehrenamtlichen um mich herum erfahren. Die eine Person, die einen Flunsch zog, bestätigte als Ausnahme die Regel, fand sich aber damit ab. Und wie immer, wenn es im Pfarrdienst rund geht, betrifft es gleich das ganze Brett: Privat war einiges los, in allen Arbeitsbereichen war viel zu tun, in einem ging die Post sogar richtig ab. Ich erspare mir die Details, für soviel bornierte Dummheit ist mir mein Blog zu schade. Statt dessen hole ich das Foto des Katzenklos hervor, das ich aus gegebenem Anlass für diesen Dienstbereich schon einmal angefertigt hatte. Da kann das wieder alles rein. Heute Morgen fand die Einführung der zweiten Prädikantin aus dem Internet statt; dieses Mal hier in Ostwestfalen, im Kirchenkreis Vlotho. Ich kannte ihren Mentor und seine Frau aus der Jungbruderschaft, wir hatten uns seit Ewigkeiten nicht gesehen. Auch Johanna und Pat waren aus Baden-Württemberg angereist. Mich hatte eine Presbyterin von hier, die mit der Prädikantin im selben Kurs war, im Auto mitgenommen. Der Gottesdienst, die Einführung, das mehrfache Wiedersehen mit vielen herzlichen Umarmungen, das gemeinsame Mittagessen im Gemeindehaus – es war alles eine runde Sache. Nach den anstrengenden letzten Wochen machte mich das richtig glücklich. Ich nutzte das Fest als Anlass, mir endlich neue Collarblusen nähen zu lassen. Das ging ruckzuck, sechs Tage nach der Bestellung waren sie fertig. Die himmelblaue trug ich heute und die schwarze probierte ich beim Abholen an. Die Blusen sind maßgeschneidert. Meine Änderungsschneiderin hatte die Maße dafür genommen. Sie kommt aus Sibirien und fühlt sich jedesmal, als würde sie dem lieben Gott persönlich einen Gefallen tun, wenn ich mich mit Dienstkleidung an sie wende. Der Collarschneider war seinerseits froh, dass meine Schneiderin mich vermessen hatte. Er erzählte, wie er für die Schauspielerinnen des hiesigen Theaters Blusen und für eine Apotheke Kittel fertigen sollte und hinterher überall Keile in die neue Ware nähen musste, weil die Damen ihren Hüftumfang nicht korrekt angegeben hatten. Das führt mich zu meinem Katzenklo zurück: Idioten (m/w/d) gibt es überall. Jetzt habe ich erstmal zwölf Tage Urlaub. Ich hoffe, dass das zum Runterkommen reicht, denn die letzten Wochen waren definitiv zu viel. Was ich mit meiner Urlaubsplanung mache, weiß ich darum noch nicht. Ich hatte einige Sachen vor und wollte mich eigentlich mit ein paar Leuten treffen. Aber im Moment ist mir eher nach dem Felsen, auf dem ich alleine sitzen und in den Sonnenuntergang schauen kann. Beim Training bin ich kürzlich mit einem Vereinskameraden ins Gespräch gekommen. Er hat familiäre Verbindungen zur Kirche und kannte das Kloster, in dem ich damals mit dem Bogenschießen anfing. Das war bereits in den letzten Tagen eine gute Erinnerung daran, dass ich dort gelernt habe, wie es anders laufen muss. Am Freitag Abend hatte ich eine Karte für „The great American Songbook Part II“ mit den Bielefelder Philharmonikern in der Rudolf-Oetker-Halle. Das Programm war grandios. Zuerst gab es Aaron Copland und George Gershwin. Nach der Pause folgten eine Reihe Klassiker, unter anderem Kurt Weill, Duke Ellington, noch mehr Gershwin, Cab Calloway zum Mitsingen wie bei Blues Brothers und Arthur Hamilton:
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