Was Nextcloud von Microsoft lernen kann
Ich finde Microsoft Teams unpraktisch und hässlich. Da muss sich keine freie Alternative verstecken. Allerdings könnte Nextcloud aus den Fehlern von Microsoft lernen.
Für mich ist Teams ein wenig wie ein schlechtes Betriebssystem als Anwendung auf einem mittelmäßigen Betriebssystem. Es ist ja toll, was sich Microsoft da so im Laufe der Zeit zusammengekauft und jetzt in eine einzige Anwendung gequetscht hat. Und das auch noch aufgepfropft auf einer Uralt-Technik wie E-Mail bzw. Exchange.
Aber alles in eine Anwendung zu schieben macht es nicht zu einem durchgängigen Erlebnis. Nichts funktioniert zusammen. Das war früher, unter Windows schon besser. Dafür sind die Klickwege endlos und die Klickflächen irgendwo mitten in der Anwendung. Usability aus der Hölle.
Bei Windows gibt es extra eine Taskleiste am unteren Bildschirmrand. Da kann man leicht alle aktive Anwendungen finden. Immer an der gleichen Stelle. Und weil die Klickflächen bis an den Rand reichen kann ich meine Maus da einfach gegen den Rand schieben. die Flächen sind praktisch endlos groß nach unten. Das Gleiche gilt für die alten Menüs am oberen Bildschirmrand. Alles Wichtige war bei Windows immer an diesen gut erreichbaren Positionen.
Man konnte mehrere Programme gleichzeitig geöffnet haben und zwischen den Programm mit Maus oder Tastatur hin- und her schalten. Teams hat nur ein Fenster und in dem muss ich alles machen. Ich muss die Teams wechseln, den Kanal finden, den Chat scrollen oder im Menü oben die Anwendung finden, die ich gerade brauche. Wenn ich gleichzeitig etwas in einem anderen Kanal nachgucken will, scheint das gar nicht vorgesehen zu sein.
Ja, ich kann auch mehrere Team-Fenster öffnen. Aber wer macht das? Ich mache das bei jedem Neustart: Teams Aktivitäten, Chat, Teams, Planner, CoPilot usw. alles öffne ich in einem eigenen Fenster. Netterweise fehlt in den Zusatzfenstern immer das App-Menü, so dass es mir nicht passiert, dass ich aus Versehen aus dem Chat-Fenster in Planner wechsel und dann zwei Planner offen habe – so wie mir das bei Outlook immer passiert.
Dieser Microsoft-Kram hat einfach eine Bedienoberfläche aus der Hölle. Aber es funktioniert hervorragend als Beispiel, an dem man lernen kann, wie man es nicht machen sollte.
Was bei Nextcloud besser ist
Nextcloud kann inzwischen auch alles, was ein normales Büro braucht. Aber die Teile sind viel besser miteinander integriert. Ich kann aus einem Chat eine Aufgabe anlegen und zuweisen. Ich kann Mails verschicken mit Anhängen, die irgendwo in der Cloud liegen.
Sehr cool ist es auch, dass die offenen Schnittstellen es ermöglichen, dass ich einfach mit meinen Lieblings-Anwendungen auf die Nextcloud als Hub zugreifen kann. Mails über die Nextcloud-App, Thunderbird auf dem Rechner oder als App auf dem Smartphone. Kalender auf dem Handy oder dem Rechner.
Fotos werden automatisch vom Handy hochgeladen und herunter auf meinen Computer. Überall habe ich meine Kontaktdaten und Notizen kann ich auch in meiner Lieblingsapp machen. Dateien sind über ein virtuelles Dateisystem oder die App eingebunden. Ich kann Microsoft Office benutzen, oder Libre Office oder Collabora Desktop. Ich kann sogar meine Musik aus der Nextcloud auf Clients auf dem Handy oder im Auto streamen und Podcasts synchronisieren. Windows, Linux, Mac, iPhone, Android… egal.
Talk als eigenständige Anwendung war sicher ein kluger Schritt. Das ist eben nicht nur die „Microsoft Teams“ Alternative. Durch die tiefere Integration der Nextcloud-Apps untereinander, kann das tatsächlich das Kommunikations- und Bedienzentrum des Nextcloud-Hub werden – wenn es nicht so überladen wird.
Allerdings ist Nextcloud aus einer Dateiablage im Browser entstanden. Über Apps kamen dann immer mehr Funktionen dazu und inzwischen ist das eine komplette Office-Suite im Browser. Nicht für alles gibt es Prorgamme oder Apps. Aber eben standardmäßig auch in einem einzigen Browser-Tab. Die Software sagt einem nicht: „Mach doch einfach mehrere Tabs auf.“ Und ehrlich: Mit mehreren offenen Tabs wird der Browser auch zum Betriebssystem im Betriebsystem. So wirklich praktisch ist das auch nicht.
Ja. Es ist ein wenig paradox: War es nicht gerade ein Vorteil, wenn Software im Browser statt auf einem Betriebssystem läuft? Ja. Generell ist das cool. Aber für komplexe Systeme ist das eine Überforderung des Browsers. Für die Serverseite von Nextcloud gibt es das All-In-One-Paket. So etwas bräuchte es auch für die Client-Seite: Eine App-Suite?
Ich denke, dass es wichtig ist, dass Nextcloud noch mehr die Möglichkeiten der Betriebssysteme nutzt, um noch mehr von deren Usability und altbewährten Funktionen und geübten Gewohnheiten zu profitieren. Wenn es Nextcloud dann noch schafft, die Federation auf das gesamte System auszuweiten und externe User zu Usern erster Klasse zu machen, dann ist das der Killer!
Discussion in the ATmosphere