Ich habe einen 7 Jahre alten Laptop getestet – jetzt stelle ich die Upgrade-Zyklen bei PCs in Frage
Die erste Überraschung gab es bereits, bevor ich überhaupt einen Browser-Tab geöffnet hatte: Der sieben Jahre alte Microsoft Surface Laptop 3 startete schneller als die brandneuen Geräte, mit denen ich ihn hier vergleichen wollte. Die besten Notebooks aller Klassen finden Sie in unserem Vergleichstest.
Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Immer wenn den Herstellern nur wenig zu den Verbesserungen gegenüber der Vorgängergeneration einfällt, greifen sie zu einem bewährten Vergleich: Wie schneidet der neue PC im Vergleich zu einem fünf Jahre alten Modell ab?
Das ist eine sichere Wette. Egal, wie wenige Verbesserungen ein neuer Chip bietet, er wird immer besser sein als ein PC aus längst vergangenen Zeiten. Neu ist eben immer besser, oder? Normalerweise gilt dieser simple Grundsatz. Aber angesichts der angespannten Weltlage kann einem der Neukauf eines Computers schnell verhagelt werden. Daher stellt sich eine Frage: Kann man Geld sparen, wenn man einen älteren Laptop behält oder diesen gebraucht kauft? Und worauf muss man bei dieser Sparmaßnahme verzichten?
Ich habe dafür unsere Lager durchforstet und eine Sammlung neuer und älterer Laptops in unser Testlabor geschleppt. Mit diesem Versuch wollte ich herausfinden, ob die PC-Hersteller mit ihren Lobeshymnen auf neue Geräte tatsächlich die Wahrheit sagen.
Mit meinen Erkenntnissen will ich Ihnen weder einen neuen Laptop verkaufen noch mich dafür aussprechen, alte Geräte einfach weiterzuverwenden. Ich habe lediglich versucht, weitverbreitete Geräte unter verschiedenen Szenarien miteinander zu vergleichen. Dies soll die Vorteile von Neugeräten und älteren Modellen aufzeigen. Dabei habe ich mich auf die folgenden Punkte konzentriert: Boot-Zeit, die Zeit zum Exportieren einer PDF-Datei oder die Zeit für das Entpacken eines Archivs. Mit diesen Ergebnissen können Sie selbst entscheiden, ob Sie durch den Neukauf tatsächlich viel Zeit gewinnen werden.
Eigentlich wollte ich dafür Geräte nutzen, die maximal fünf Jahre alt sind. Doch ich konnte in unserem Lager nur einen wenig gebrauchten, sieben Jahre alten Laptop ausfindig machen: den Microsoft Surface Laptop 3. Dieses Gerät stammt noch aus Zeiten vor der Corona-Pandemie. Dieses Urgestein habe ich mit mehreren modernen Laptops verglichen: dem Asus ZenBook (UX3607OA) mit einem Snapdragon X2 Elite Extreme und Windows auf ARM-Basis sowie mit dem Asus ZenBook Duo mit einem Intel Core Ultra 300 (Panther Lake) der Spitzenklasse. Beide sind erst in diesem Jahr auf den Markt gekommen.
Der Surface Laptop 3 wurde noch mit Windows 10 ausgeliefert, aber mittlerweile auf Windows 11 aktualisiert.
Mark Hachman / Foundry
Es stellt sich die Frage: Können die neuen Modelle besser abschneiden? Lohnt sich dieser Vorsprung? Bilden Sie sich selbst ein Urteil.
Der alte Laptop startet schneller
Mein erster Test: die Startzeit. Die Ära der Festplatten liegt längst hinter uns. Die Geschwindigkeit des Hochfahrens hängt daher primär vom Tempo der verbauten SSD ab. Auch die Anzahl der Anwendungen, die beim Start geladen werden müssen, spielt eine Rolle.
Für diesen Test habe ich alle Startanwendungen deaktiviert. Ausnahmen galten lediglich für vorinstallierte Programme wie Asus Mouse Agent, Microsoft Defender, Edge, OneDrive und Teams. Damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben, habe ich sonst genutzte Anwendungen wie mein VPN weggelassen. Daraufhin folgten fünf Neustarts, bei denen ich jeweils gemessen habe, wie lange es dauert, bis der Windows-Desktop vollständig geladen war. Auch die Anmeldung über Windows Hello wurde einbezogen.
Auf den meisten Laptops ist Microsoft Edge nicht im Autostart „vorinstalliert“. Dies kann man jedoch über das Einstellungsmenü von Microsoft Edge aktivieren. Dadurch startet der Browser deutlich schneller. Im Gegenzug verlängerte sich die Startzeit des Laptops aber um etwa drei Sekunden.
Der ältere Laptop startete am schnellsten.
Die Ergebnisse meines Tests haben mich überrascht: Der Surface Laptop 3, auf dem eine Standardversion von Windows 11 24H2 (26100.8328) lief, startete deutlich schneller als die anderen vier Laptops. Warum auf einmal vier Laptops? Um meine Ergebnisse besser bewerten zu können, habe ich zwei etwas ältere Geräte hinzugefügt. Dabei stellte sich heraus, dass auch diese Geräte recht lange für den Startvorgang benötigten.
Kurz gesagt: Der Surface Laptop 3 aus dem Jahr 2019 startete etwa 10 Sekunden schneller als seine modernen Konkurrenten. Entsprechend gespannt war ich auf die weiteren Tests.
Die alltägliche Windows-Nutzung
Auch hier habe ich versucht, synthetische Benchmarks zu vermeiden. Diesen Zahlen fehlt oft der Bezug zur alltäglichen Nutzung. Stattdessen habe ich etwa 30 Tabs im Browser geöffnet und zwischen diesen hin und her geklickt. Ich habe außerdem mit allen drei Laptops gearbeitet und sogar Teile dieses Artikels auf den Geräten verfasst.
Subjektiv gesehen spürt man tatsächlich einen Unterschied. Der von mir getestete Surface Laptop 3 verfügt über 16 Gigabyte RAM. Das Hin- und Herwechseln sowie das Starten von Apps fühlten sich langsamer an als bei den modernen Laptops. Der Unterschied war aber nicht sehr groß. Auch das Starten von Apps oder die Interaktion mit Windows fühlten sich merklich verzögert an. Dennoch konnte ich damit gut leben.
Oft liegt die träge Reaktion einfach an niedrigeren Spezifikationen. So gab es den Surface Laptop 3 auch mit nur 8 Gigabyte RAM. Davon würde ich heute eher abraten. Die nur 256 Gigabyte kleine SSD hat mich ebenfalls vor Probleme gestellt. Schon der Versuch, Windows wieder sauber zurückzusetzen, scheiterte am fehlenden Speicherplatz. Doch ich hatte letztlich nur einige versteckte Videodateien übersehen.
Generell fordern die meisten Funktionen des Betriebssystems oft nur einen Kern des Prozessors. Diese Leistung habe ich mit Cinebench gemessen. Je niedriger der erreichte Wert ist, desto langsamer fühlt sich Windows im Alltag an.
Auch hier fühlte sich die Interaktion mit Webseiten auf dem älteren Laptop etwas langsam und ruckelig an. Wirklich gestört hat mich dies aber nicht.
Ihr Browser verarbeitet im Hintergrund mehrere APIs, Frameworks und andere Anweisungen, die von außen kaum sichtbar sind. Um zu bewerten, wie gut der Laptop diese Aufgaben verarbeitet, haben wir zwei weitere Benchmarks durchgeführt: Speedometer und MotionMark sollen zeigen, wie flüssig der Browser arbeitet.
In diesem Fall rendern die neuen Laptops ihre Ergebnisse etwa doppelt so schnell wie der ältere Laptop. Subjektiv gesehen ist das kein riesiger Unterschied – aber es macht sich im Alltag bemerkbar.
Diese abstrakten Zahlen sollen verdeutlichen, welche Unterschiede es zwischen den Geräten gibt. Viel nützlicher sind aber die folgenden Vergleiche aus dem Alltag.
Büroarbeit offenbart Schwächen
Die Anwendungen PCMark und Procyon von UL messen die Leistung in Word, Excel oder PowerPoint und nutzen das klassische Outlook für einige zusätzliche Tests im Office-Produktivitäts-Benchmark. Das Ergebnis ist eine Punktzahl, die ich in der folgenden Tabelle aufgelistet habe. Es wird jedoch auch die tatsächliche Zeit erfasst, die für bestimmte Aufgaben benötigt wird. So zeichnen sich die tatsächlichen Unterschiede zwischen den älteren und neueren Laptops deutlicher ab. Die durchschnittliche Punktzahl des Surface Laptop 3 war nur etwa halb so hoch wie die des Asus ZenBook Duo und des Asus ZenBook mit Snapdragon-X2E-Prozessor.
Die Grafik unten offenbart jedoch den eigentlichen Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt geschrieben habe: Der Procyon-Benchmark von UL misst tatsächlich die Zeit, die für das Erledigen einer bestimmten Aufgabe nötig war. Der Test liefert so einen realistischen Vergleich darüber, wie schnell die jeweilige Laptop-Generation wirklich war.
Einige Aufgaben waren schnell erledigt: Können Sie es in Kauf nehmen, dass das Hinzufügen eines Wasserzeichens auf dem alten Laptop 0,9 Sekunden dauert, gegenüber 0,36 Sekunden beim neuen Gerät? Wahrscheinlich. Wie sieht es mit 2 Sekunden anstelle von einer Sekunde für das Hinzufügen eines Bildes aus? Und wie wäre es mit 26 Sekunden zum Exportieren einer PDF-Datei, gegenüber 11 Sekunden? Überlegen Sie, wie oft Sie diese Aufgaben ausführen und wie lange Sie auf das Ergebnis warten müssten.
Ein Blick auf Excel: Das Formatieren einer Tabelle dauerte auf dem Surface Laptop 3 fast drei Sekunden, gegenüber 0,4 Sekunden beim Asus-Laptop mit Snapdragon-Prozessor. Wenn Sie regelmäßig in Excel arbeiten, könnte diese kleine Verzögerung stören. Oder vier Sekunden zum Kopieren und Einfügen gegenüber sieben? Manche Menschen werden sich daran stören. Andere nicht.
Procyons Office-Produktivitäts-Benchmark mit einzelnen Ergebnissen.
Mark Hachman / Foundry
Videoanrufe, 30 Browser-Tabs und die Grenzen alter Hardware
Außerdem habe ich einen weiteren Benchmark durchgeführt, den neuen Essentials-Test von UL.
Essentials öffnet einen Video-Chat, lässt diesen dann über einen Browser mit 30 geöffneten Tabs laufen – und beginnt anschließend, verschiedene Apps zu öffnen und Aufgaben auszuführen. Dies entspricht einem typischen Arbeitsalltag. Dazu kommen Aufgaben wie das Komprimieren und Dekomprimieren von Dateien, das Navigieren in einem webbasierten CRM (Customer Relationship Management) sowie die Nutzung sozialer Medien.
Wie zuvor geht es darum, herauszufinden, ob diese Unterschiede im Alltag einen Unterschied machen. Wenn Sie darüber nachdenken, Ihrem alten Laptop die Treue zu halten, dann stellen Sie sich folgende Fragen: Werden Sie wirklich 30 Tabs gleichzeitig öffnen? Wenn ja, könnte dies ein Problem sein. Anstelle von 5,75 Sekunden für die Navigation in einem Online-CRM geht es auf einem neuen Gerät mit 1,2 Sekunden deutlich flotter. Unser Testlauf umfasst sogar einige KI-Aufgaben: Das Zusammenfassen eines Chats dauerte auf dem älteren Laptop satte 69 Sekunden, gegenüber 15 bis 18 Sekunden auf den neueren Modellen mit integrierten NPUs. Ist dies etwas, das Sie regelmäßig tun? Das Entpacken einer ZIP-Datei war auf einem neuen PC etwa fünfmal schneller geschafft. So etwas macht man aber auch nicht ständig.
Erwarten Sie keine Wunder von der integrierten Grafikeinheit
Ich habe Grafikfunktionen wie Gaming, Foto- und Videobearbeitung bewusst ausgelassen. Dieser Artikel wurde mit Blick auf Produktivität verfasst, und die beiden letztgenannten Kategorien sind nach wie vor eher spezialisierte Aufgaben. Wenn Sie jedoch die Grafikleistung beider Laptop-Generationen vergleichen, stellen moderne Laptops ihre Vorgänger deutlich in den Schatten. Das Asus ZenBook Duo bietet etwa die siebenfache Grafikleistung (7.666 gegenüber 990 Punkten im 3DMark Time Spy-Benchmark von UL). Und selbst ein Asus Vivobook S14 aus dem Jahr 2024 bietet mit einer Punktzahl von 4.209 die vierfache Performance.
Die Ergebnisse des Procyons Essentials-Benchmarks.
Mark Hachman / Foundry
Die Akkulaufzeit ist offensichtlichster Grund für ein Upgrade
Leider gibt es einen Bereich, in dem moderne Laptops einen erheblichen Vorteil gegenüber ihren älteren Kollegen bieten. Das ist die Akkulaufzeit.
Ich bin nicht überzeugt, dass sich ein moderner Laptop physisch so sehr von einem älteren Thin-and-Light-Modell unterscheidet. Moderne Laptops werden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt – von leichteren bis hin zu strukturell robusteren –, doch die Gewichtsersparnis beträgt meist nur 500 Gramm.
Die Hersteller haben die Möglichkeit, diesen Platz mit zusätzlichen Akkuzellen zu füllen. Dadurch ist die Akkukapazität moderner Laptops in den vergangenen Jahren gestiegen. Ein Laptop wie das Asus ZenBook Duo enthält sowohl einen effizienten Panther-Lake-Chip als auch einen satten 99-Wattstunden-Akku.
Während die Akkulaufzeit des Surface Laptop 3 bei für die damalige Zeit soliden 10 Stunden lag, hielt das ZenBook Duo beachtliche 22 Stunden und 15 Minuten durch.
Und es kommt noch schlimmer. Akkus altern, daher hat der 45-Wattstunden-Akku im Surface Laptop 3 laut Windows in den vergangenen Jahren 70 Ladezyklen durchlaufen. Das hat die tatsächliche Kapazität bei voller Ladung auf 36,7 Wattstunden gesenkt, was einem Rückgang von 18 Prozent entspricht. So erreicht das Gerät nur noch eine geschätzte Laufzeit von 8 Stunden und 12 Minuten. Das ist gar nicht schlecht! Dennoch werden Sie bei der Arbeit nicht einen ganzen Tag lang mit diesem Akku auskommen. In unserem Ratgeber erklären wir Ihnen, wie Sie Ihren Laptop richtig aufladen, um dessen Kapazität so lange wie möglich zu erhalten.
Dennoch hat sich der Alltag in den letzten sieben Jahren stark verändert. Leistungsstarke Powerbanks sind zur Massenware geworden. Ebenso sind Steckdosen in Flugzeugen, auf Flughäfen und in Konferenzzentren überall zu finden. Die Effizienz von Akkus hat sich ebenfalls weiterentwickelt.
Sollten Sie Ihren alten Laptop ausmustern?
Die Kurzform: Wenn Ihr älterer Laptop die täglich genutzten Apps noch schnell laden kann, das Gerät generell reaktionsschnell arbeitet, genug Akkuleistung für Ihren Arbeitsalltag bietet und noch genügend Speicherplatz zur Verfügung hat, dann müssen Sie das Gerät wahrscheinlich noch nicht ersetzen.
Ein neuer Laptop ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Akkulaufzeit zu einem täglichen Problem wird. Auch wenn Sie regelmäßig bei rechenintensiven Aufgaben wie Fotobearbeitung, Videobearbeitung, KI-Tools, großen Tabellenkalkulationen oder Dateikomprimierung warten müssen. Oder aber Ihr Gerät stößt aufgrund von zu wenig RAM oder Speicherplatz an seine Grenzen. Für einfaches Surfen, Office-Arbeit, E-Mails, Videoanrufe und leichtes Multitasking kann ein gut gepflegter älterer Laptop immer noch gut genug sein – und ihn zu behalten, könnte die klügere Entscheidung sein.
Widerstehen Sie den Versuchungen des Marketings
Früher waren sechs oder sieben Jahre in der PC-Branche eine kleine Ewigkeit. 1989 brachte Intel den 486er mit 25 Megahertz auf den Markt; 1995 erreichte der Pentium Pro 200 Megahertz. Und heute? Noch vor etwa einem Jahr haben wir uns darüber beschwert, dass Intels aktuelle Arrow-Lake-Chips mit einer Taktfrequenz von bis zu 5,2 Gigahertz sogar weniger Leistung ablieferten als ihre Vorgänger.
Vielleicht haben Sie diesen Artikel gelesen und sich gedacht: Wen interessiert das schon? Eine halbe Sekunde macht im Alltag keinen Unterschied. Daher rate ich Ihnen: Ziehen Sie es in Betracht, Ihren alten Rechner zu behalten. Andere Nutzer sehen das vielleicht anders und konzentrieren sich auf all die Vorteile, die ein neuerer Laptop mit sich bringt.
Die IT-Branche möchte Ihnen aus verschiedenen Gründen neue Produkte verkaufen. Wenn Sie aber die Möglichkeit haben, einen alten und einen neuen Laptop zu vergleichen, dann sehen Sie schnell, ob sich eine Neuanschaffung lohnt. Genau darum ging es mir in diesem Artikel: Ich wollte Ihnen all die Informationen geben, die Sie benötigen, um eine klügere Entscheidung darüber zu treffen, ob Sie einen neuen Laptop kaufen sollten.
Wenn sich jedoch herausstellt, dass ihr aktueller Laptop an seine Grenzen stößt, dann finden Sie in unseren Bestenlisten die lohnenswertesten Modelle für jeden Geldbeutel. Suchen Sie nach einem Laptop für Schüler oder Studenten? Oder soll es lieber ein Gaming-Laptop für unter 1.200 Euro sein? Die besten Notebooks aller Klassen haben wir ebenfalls einem Vergleich unterzogen.
In jedem Fall gilt: Werfen Sie Ihren alten Laptop bloß nicht weg, sondern machen Sie stattdessen das damit!
Discussion in the ATmosphere