Lymow One Plus im Test: Raupen-Mäher für anspruchsvolle und große Gärten
Auf einen Blick
Unsere Wertung
Pro
- Sehr sauberes Schnittbild dank Doppelmesser
- Kettenantrieb schafft auch steile Hänge
- 528-Wh-Akku mit Schnellladung und hoher Lebensdauer
- Präzise Navigation auch unter Bäumen
- Hochwertige Verarbeitung aus Metall
Kontra
- Im Turbomodus mit 74 dB(A) recht laut
- Beim Kantenmähen bleiben Ränder stehen
Fazit
Der Lymow One Plus ist kein gewöhnlicher Mähroboter, sondern ein autonomes Arbeitsgerät für große, hügelige und unwegsame Grundstücke. Kettenantrieb, doppelte Rotationsmesser und ein 528-Wh-LiFePO4-Akku ergeben ein Gesamtpaket, das selbst dichtes oder überständiges Gras sauber kürzt. Die Hybrid-Navigation aus RTK und VSLAM arbeitet zuverlässig, die App bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten. Schwächen zeigt der Lymow beim Kantenschnitt und der Lautstärke im Turbomodus. Wer ein großes oder steiles Grundstück bewirtschaftet, bekommt ab rund 2.700 Euro ein robustes System ohne Verlegekabel.
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Mähroboter ohne Begrenzungskabel sind längst Standard, doch der Lymow One Plus geht einen radikal anderen Weg. Statt auf Räder und kompakte Bauform setzt der Hersteller auf Raupenketten, ein vorgelagertes Doppelmähwerk und für einen Mähroboter ungewöhnlich hohe Motorleistung. Wir haben das System auf hügeligem, unebenem Gelände getestet und geprüft, ob die Panzer-Optik im Garten mehr ist als reines Marketing.
Design & Verarbeitung
Das Versandpaket bringt rund 47 Kilogramm auf die Waage. Der Lieferumfang fällt umfangreich aus und enthält neben Ladestation und RTK-Antenne auch Montagematerial für Erde und Beton. Die Bedienungsanleitung ist mehrsprachig.
Christoph Hoffmann
Nach dem Auspacken lässt sich der Roboter dank seitlicher Tragegriffe und hecklastigem Schwerpunkt von einem kräftigen Erwachsenen alleine bewegen.
Mit Abmessungen von 750 × 600 × 320 Millimetern und einem Gewicht von 35,2 Kilogramm bewegt sich der Lymow One Plus in einer eigenen Liga.
Optisch erinnert der Lymow eher an ein Baustellenfahrzeug als an einen klassischen Gartenhelfer. Breite Raupenketten, ein vorgelagertes Mähdeck und der Kameraturm prägen das Erscheinungsbild.
Der tiefe Schwerpunkt und die breite Kettenauflage verbessern die Geländegängigkeit. Das vorgelagerte Mähwerk erreicht zudem Bereiche, an denen zentrale Messerteller vieler Konkurrenten scheitern.
Chassis und Mähwerksaufhängung bestehen aus hochfestem Stahl beziehungsweise einem Rahmen aus A380-Aluminium-Druckguss. Sämtliche Verbindungen, Radaufhängungen und die elektrische Höhenverstellung sind großzügig dimensioniert. Die Konstruktion wirkt massiv und verwindungssteif.
Der bewegliche Mähkopf ist über zwei kräftige Federn und Gelenke mit dem Hauptchassis verbunden und folgt dem Gelände unabhängig vom Roboterkörper.
Christoph Hoffmann
Auf der Oberseite sitzt unter einer Klappe ein kleines Bedienfeld mit den Grundfunktionen für An, Aus, Heimfahrt und Mähwerk-Höhe. Die seitlichen Ladekontakte sind als gefederte Schienen ausgeführt, was das Andocken auch bei leichter Schräglage erleichtert.
Christoph Hoffmann
Die Schutzklasse IPX6 erlaubt das Abspritzen mit dem Gartenschlauch. Der Betriebstemperaturbereich reicht von minus 10 bis plus 45 Grad Celsius.
Ausstattung
Das Herzstück ist das LYCUT-2.0-Mähwerk. Zwei rotierende Messerscheiben aus SK5-Werkzeugstahl mit einer Härte von 50 HRC arbeiten mit bis zu 6.000 Umdrehungen pro Minute.
Die Schnittbreite beträgt beachtliche 400 Millimeter, die Schnitthöhe lässt sich elektrisch zwischen 30 und 100 Millimetern verstellen. Die robusten Stahlmesser erinnern eher an klassische Rasenmäher als an typische Robotermäher-Klingen. Auch hohes oder dichtes Gras bringt das Mähwerk kaum aus der Ruhe. Die Spitzenleistung des Mähmotors liegt bei 1.785 Watt, die Nennleistung bei 680 Watt.
Den Antrieb übernehmen zwei breite Gummiketten mit grobstolligem Profil. Sie verteilen das Gewicht auf eine große Aufstandsfläche und sorgen für Traktion auf nassem, sandigem oder lockerem Untergrund.
Christoph Hoffmann
Lymow gibt eine maximale Steigfähigkeit von 100 Prozent beziehungsweise 45 Grad an. In unserem Test bewältigte der Roboter Steigungen bis rund 30 Grad zuverlässig. Hindernisse bis sieben Zentimeter Höhe überfährt der Roboter. Wendemanöver hinterlassen auf der Grasnarbe keine sichtbaren Spuren, weil sich beide Ketten gegenläufig drehen können und die breite Auflagefläche den Druck reduziert.
Bei der Navigation kombiniert der Lymow One Plus mehrere Systeme. RTK-Satellitenortung sorgt für zentimetergenaue Positionsbestimmung, eine externe Antenne liefert die Korrekturdaten. Ergänzend kommt VSLAM ins Spiel, also visuelle Lokalisierung über die beiden Frontkameras. Verliert der Roboter kurzzeitig das RTK-Signal, kann er noch rund 100 bis 150 Quadratmeter beziehungsweise zehn Minuten autonom weitermähen.
Die Hinderniserkennung übernehmen eine KI-Kamera, fünf Ultraschallsensoren und zwei Hall-Sensoren für die Abgrunderkennung. Zwei LEDs am Turm beleuchten bei schlechten Lichtverhältnissen den Bereich vor dem Roboter, sodass auch Nachtbetrieb möglich ist.
Die Energieversorgung übernimmt ein LiFePO4-Akku mit 15 Ah Kapazität bei 35,2 Volt Nennspannung. Das entspricht rund 528 Wh. Diese Akkutechnologie gilt als deutlich langlebiger und thermisch stabiler als klassische Lithium-Ionen-Zellen. Lymow nennt 2.000 Ladezyklen bei 80 Prozent Restkapazität. Geladen wird der Akku am 405-Watt-Schnellladegerät in rund 90 Minuten. Eine Akkuladung reicht für bis zu 2.300 Quadratmeter, pro Tag schafft der Roboter bis zu 7.000 Quadratmeter.
Konnektivität bietet das System reichlich: Bluetooth, WLAN und 4G-Mobilfunk sind integriert. Eine SIM-Karte für 4G liegt bei und ist im ersten Jahr kostenfrei nutzbar.
Bis zu 80 Mähzonen und Karten von insgesamt 60.000 Quadratmetern lassen sich speichern. Außerdem an Bord: Regensensor, Lift-Sensor, Diebstahlschutz mit Geofencing-Benachrichtigung und eine Live-Aufschaltung auf die Frontkamera über die App.
Inbetriebnahme
Die Einrichtung ist anspruchsvoller als bei vielen LiDAR-Mährobotern. Zunächst muss ein geeigneter Standort für die Ladestation gefunden werden. Vor der Station sollte eine hindernisfreie Fläche von rund drei Metern Breite und 1,5 Metern Tiefe vorhanden sein, der Untergrund möglichst eben. Die mitgelieferten Bodenanker oder Expansionsbolzen fixieren die Station je nach Untergrund.
Heikler ist die Platzierung der RTK-Antenne. Sie braucht freie Sicht zum Himmel, also keine dichten Baumkronen oder hohen Wände in unmittelbarer Nähe. Der mitgelieferte Mast lässt sich aus mehreren Segmenten zusammenstecken und entweder im Erdreich verankern oder per Wandhalterung an Fassade oder Gartenhaus montieren. Das Anschlusskabel zur Ladestation ist zehn Meter lang, alternativ versorgt das beigelegte Netzteil die Antenne separat.
Die weitere Einrichtung läuft komplett über die Lymow-App für Android und iOS. Nach Anlegen eines Nutzerkontos koppelt sich der Roboter via Bluetooth mit dem Smartphone und wird ins WLAN eingebunden. Anschließend folgen das Firmware-Update und die Kopplung der RTK-Antenne per QR-Code. Die App führt mit Tutorials durch jeden Schritt.
Christoph Hoffmann
Die Erstkartierung erfolgt manuell: Mit einem virtuellen Joystick in der App fährt man die Grenzen des Grundstücks ab und legt Sperrzonen wie Beete, Bäume oder Teiche fest. Bei unserer Testfläche dauerte dieser Vorgang etwa 30 bis 45 Minuten.
Mehrere Mähzonen lassen sich anlegen, trennen oder zusammenführen, auch nachträglich. Wichtig: Wird die RTK-Antenne später versetzt, muss die komplette Karte neu erstellt werden.
Alltagstauglichkeit
Schon die ersten Minuten zeigen, dass der Lymow One Plus eine andere Liga ist als kompakte Garten-Roboter. Der Mäher fährt zügig an und arbeitet in geraden Bahnen. Die Geschwindigkeit lässt sich zwischen 0,3 und 1,0 Metern pro Sekunde stufenlos einstellen. Bei maximaler Geschwindigkeit arbeitet der Lymow große Flächen sichtbar schneller ab als typische Mähroboter.
Das Schnittbild überzeugt nach dem ersten Mähvorgang: Der hohe Luftstrom richtet die Halme auf, die SK5-Klingen schneiden sauber ab, und das Mulchergebnis ist fein verteilt. Bei dichtem oder überständigem Gras zeigt sich der Vorteil der Doppelmesser-Konstruktion deutlich: Während viele Mähroboter mit kleinen Klingen ins Stocken geraten, arbeitet der Lymow auch in höherem Gras zuverlässig weiter. Auch herabgefallenes Laub wird im Turbomodus zerkleinert und auf der Fläche verteilt.
Christoph Hoffmann
Bei der Lautstärke wird das Konzept zur Schwäche. Im Standardmodus bleibt der Lymow hörbar präsenter als typische Mähroboter. Im Turbomodus klettert der Pegel auf 74 dB(A). Damit ist ein entspannter Aufenthalt im Garten während des Mähens kaum möglich. Wer nachbarschaftliche Ruhezeiten einhalten muss, sollte den Eco-Modus mit 60 dB(A) wählen oder die Mähzeiten in die Vormittagsstunden legen.
Bodenwellen und Senken stellen den Lymow kaum vor Probleme. Das schwebende Mähdeck folgt der Topografie unabhängig vom Hauptkörper und hält die Schnitthöhe konstant. Auch auf nassem Gras und weichem Untergrund finden die Ketten Halt, wo Räder schneller durchdrehen. Steigungen unserer Testfläche bis rund 30 Grad bewältigte der Lymow ohne Rutschen.
Christoph Hoffmann
Die Hinderniserkennung arbeitet zuverlässig. Spielzeug, Gartenmöbel, Sprinkler, Äste und sogar ein platzierter Plüsch-Igel werden erkannt und vorausschauend umfahren. Der Roboter reduziert dabei die Geschwindigkeit, weicht kontrolliert aus und nimmt anschließend seine Bahn wieder auf. Lediglich sehr flache Objekte wie ein liegender Zollstock werden erst spät erkannt. Bei einem direkten Kontakt stoppt das Mähwerk umgehend.
Schwächen zeigt der Lymow beim Kantenmähen. An Bäumen, Sträuchern oder Sperrzonen bleibt ein Streifen von 10 bis 20 Zentimetern stehen. An befahrbaren Rasenkantensteinen erzielt der Roboter dagegen ein nahezu sauberes Ergebnis, weil er die Steine mit einer Kette überrollen kann. Der Sicherheitsabstand lässt sich in der App reduzieren, allerdings steigt damit das Risiko, dass der Mäher leicht über den Rand hinausfährt.
Christoph Hoffmann
Bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius arbeitete zudem der Seitenauswurf nicht zuverlässig, weil die Gummiabdeckung dann zu starr ist. Im Turbomodus funktionierte er einwandfrei, in den anderen Modi sammelte sich gelegentlich Schnittgut. Auf das Mähergebnis wirkte sich das nicht aus – das Material wurde stattdessen unter dem Roboter verteilt. Durch die hohe Bodenfreiheit und das offene Mähdeck lässt sich der Bereich unter dem Roboter vergleichsweise gut reinigen.
Die Lymow-App ist umfangreich und übersichtlich strukturiert. Pfadabstand, Streifenwinkel, Kreuzmuster, Mähreihenfolge, Anzahl der Kantenrunden und sogar das Abschalten des äußeren Mähmotors lassen sich pro Zone konfigurieren. Eine RTK-Diagnostik zeigt Satellitenanzahl und Signalqualität in Echtzeit. Besonders nützlich: Karten lassen sich sichern und bei Bedarf wiederherstellen.
Mit einer Akkuladung schaffte der Lymow auf unserer 531-Quadratmeter-Testfläche bei mittlerer Geschwindigkeit 142 Minuten Mähzeit, anschließend waren noch 42 Prozent Restkapazität vorhanden. In Kombination mit dem 405-Watt-Schnellladegerät sollen in zwölf Stunden drei vollständige Mähzyklen möglich ein. Der Standby-Verbrauch liegt bei rund 12,5 Watt, mit aktivierter Handbremsfunktion auf Hängen steigt er allerdings auf etwa 45 Watt.
Fazit
Der Lymow One Plus richtet sich nicht an den typischen Reihenhausgarten, sondern an Besitzer großer, steiler oder schwer zugänglicher Grundstücke. Genau dort spielt der ungewöhnliche Aufbau seine Stärken aus: Der Kettenantrieb liefert selbst auf nassem oder unebenem Untergrund enorme Traktion, das schwebende Doppelmähwerk sorgt auch bei hohem oder dichtem Gras für ein sauberes Schnittbild, und die RTK-VSLAM-Navigation arbeitet selbst unter schwierigen Bedingungen erstaunlich zuverlässig. Klassische Mähroboter geraten in solchen Umgebungen deutlich früher an ihre Grenzen.
Weniger geeignet ist der Lymow für kleine, verwinkelte oder stark auf perfekte Rasenkanten optimierte Gärten. Auch die hohe Lautstärke im Turbomodus passt nicht zu jeder Wohnumgebung. Wer hauptsächlich eine leise, unauffällige Komfortlösung für einen ebenen Standardrasen sucht, fährt mit günstigeren RTK-Modellen besser.
Der Preis ab rund 2.700 Euro wirkt zunächst hoch, relativiert sich aber durch die ungewöhnlich robuste Technik, den langlebigen LiFePO4-Akku, die hohe Flächenleistung und die extreme Geländegängigkeit. Im Ergebnis ersetzt der Lymow eher einen kleinen Aufsitzmäher als einen klassischen Mähroboter – und genau darin liegt seine Besonderheit.
Technische Daten
- Modell: Lymow One Plus
- Abmessungen: 750 × 600 × 320 mm (L × B × H)
- Gewicht: 35,2 kg
- Antrieb: Kettenantrieb (zwei Gummiraupen)
- Maximale Steigung: 100 % (45°)
- Hindernisüberquerung: bis 70 mm
- Mähgeschwindigkeit: 0,3 bis 1,0 m/s
- Schnittsystem: LYCUT 2.0 mit zwei rotierenden SK5-Stahlmessern (50 HRC)
- Schnittbreite: 400 mm
- Schnitthöhe: 30 bis 100 mm (elektrisch verstellbar)
- Messerdrehzahl: 3.000 bis 6.000 U/min
- Nennleistung Mähmotor: 680 Watt
- Spitzenleistung Mähmotor: 1.785 Watt
- Akku: LiFePO4, 15 Ah, 35,2 V (rund 528 Wh)
- Ladegerät: 405 W (10 A) oder 200 W (5 A)
- Ladezeit: 90 min (10 A) bzw. 150 min (5 A)
- Maximale Laufzeit: 3 h
- Lebensdauer Akku: rund 2.000 Ladezyklen
- Flächenleistung pro Ladung: bis 2.300 m²
- Flächenleistung pro Tag: bis 7.000 m²
- Flächenleistung pro Stunde: bis 930 m²
- Navigation: RTK + VSLAM
- RTK-Abdeckungsradius: bis 1 km
- Notbetrieb ohne RTK: 100 bis 150 m² bzw. bis 10 min
- Hinderniserkennung: KI-Kamera, 5 Ultraschallsensoren, 2 Hall-Sensoren
- Konnektivität: Bluetooth, WLAN, 4G (SIM-Karte enthalten, 1 Jahr kostenlos)
- Multi-Zonen-Verwaltung: bis 80 Zonen
- Kartenspeicher: bis 60.000 m²
- Schutzklasse: IPX6
- Betriebstemperatur: −10 °C bis +45 °C
- Lautstärke: 60 dB(A) Eco / 62 dB(A) Standard / 74 dB(A) Turbo
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