Deshalb sollten Sie WLAN am Handy unterwegs unbedingt deaktivieren
Über die WLAN-Funktion am Handy denkt man im Alltag eher selten nach. Sie ist fast immer aktiviert: zu Hause selbstverständlich, aber auch unterwegs, schließlich scheint es auf den ersten Blick keinen Nachteil zu geben. Doch genau da liegt das Problem, denn es gibt gute Gründe, unterwegs auf WLAN zu verzichten. Welche das sind, erfahren Sie im Folgenden.
Deshalb sollten Sie WLAN am Handy unterwegs deaktivieren
1. Ihr Smartphone sendet permanent eine eindeutige Kennung
Jedes WLAN-fähige Gerät besitzt eine sogenannte MAC-Adresse (Media-Access-Control-Adresse). Sie dient als eindeutiger Identifikator und lässt sich mit einem Nummernschild am Auto vergleichen.
Ist die WLAN-Funktion aktiviert, sendet das Smartphone diese Kennung kontinuierlich aus und sucht nach bekannten Netzwerken, mit denen es sich automatisch verbinden kann. In öffentlichen Umgebungen kann dieses Verhalten dazu führen, dass Geräte identifizierbar und potenziell angreifbar werden.
2. Aktives WLAN verkürzt die Akkulaufzeit
Auch ohne aktive Verbindung sucht das WLAN-Modul ständig nach verfügbaren Netzwerken. Dieser permanente Suchvorgang verbraucht Energie und kann die Akkulaufzeit merklich reduzieren.
3. Öffentliche WLANs bergen Sicherheitsrisiken
Viele öffentliche WLAN-Netze in Cafés, Bahnhöfen, Hotels oder auf Flughäfen sind unverschlüsselt oder nur unzureichend abgesichert. Angreifer nutzen solche Umgebungen, um sogenannte Fake-Hotspots zu betreiben, die sich als bekannte Netzwerke ausgeben.
Verbindet sich das Smartphone automatisch, können Datenübertragungen mitgelesen oder Nutzer auf manipulierte Webseiten umgeleitet werden. Betroffen sind unter anderem Log-in-Daten für Online-Shops, E-Mail-Konten oder Bankdienste.
Tipp: Ein sicherer Schutz bei öffentlichen Netzwerken ist ein VPN (Virtual Private Network). Mit einer VPN-App auf dem Handy wird Ihre Internetverbindung verschlüsselt, sodass selbst in unsicheren Netzwerken niemand Ihre Daten mitlesen kann. Hier sind 6 Gründe, warum Sie unbedingt ein VPN nutzen sollten.
Vorsicht vor öffentlichen WLAN-Netzwerken – viele sind ungeschützt oder getarnte Fake-Hotspots, um Daten abzugreifen.
Dave Parrack / Foundry
4. WLAN-Namen können Rückschlüsse auf Ihren Standort zulassen
Gespeicherte WLAN-Netzwerke können unter bestimmten Umständen Rückschlüsse auf den Standort zulassen. Hintergrund ist, dass viele WLANs weltweit in sogenannten Standortdatenbanken erfasst sind. Diese Daten werden unter anderem genutzt, um Geräte auch ohne GPS schneller zu lokalisieren. Ist der Name eines WLAN-Netzwerks eindeutig oder individuell gewählt, lässt sich dessen ungefähre Position teilweise geografisch zuordnen.
Gelangen Angreifer an die Liste gespeicherter Netzwerke eines Smartphones, können sie diese Namen mit solchen Datenbanken abgleichen. Enthält ein Netzwerkname etwa Hinweise auf eine Adresse, einen Familiennamen oder einen Ort, sind Rückschlüsse auf persönliche Aufenthaltsorte (im Extremfall sogar auf den Wohnort) möglich.
So schalten Sie WLAN am Handy automatisch ein und aus
Natürlich können Sie das WLAN einfach über die Einstellungen oder das Kontrollzentrum Ihres Smartphones ein- und ausschalten. Auf iPhones geht das etwa mit einem Wisch von der oberen rechten Ecke nach unten, bei Android-Geräten funktioniert es ähnlich über die Schnellzugriffsleiste.
Im Alltag ist diese Lösung jedoch wenig komfortabel, da man ständig daran denken muss. iPhone-Nutzer haben hier einen kleinen Vorteil: Wird das WLAN manuell deaktiviert, aktiviert iOS die Funktion automatisch am nächsten Tag wieder.
Deutlich bequemer ist es, das Ein- und Ausschalten des WLANs zu automatisieren. Das geht folgendermaßen:
- iPhone: Mit der Kurzbefehle-App von Apple können Sie eine Automation erstellen, die das WLAN automatisch ausschaltet, wenn Sie einen bestimmten Ort verlassen, und es wieder einschaltet, sobald Sie zurückkehren. Diese Einstellung lässt sich so konfigurieren, dass die Automation ohne zusätzliche Bestätigung ausgeführt wird, was den Prozess vollkommen reibungslos macht. Die genaue Anleitung finden Sie hier.
- Android: Viele Android-Smartphones verfügen in den WLAN-Einstellungen über die Option “WLAN automatisch (de-)aktivieren”. Damit verbindet sich Ihr Gerät automatisch mit bekannten Netzwerken, sobald diese in Reichweite sind, und schaltet die WLAN-Funktion aus, wenn Sie sich an weniger besuchten Orten aufhalten. Alternativ können Sie auch Drittanbieter-Apps wie “Automate” verwenden. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Solche Apps greifen tief in Systemfunktionen ein, sind häufig nur auf Englisch verfügbar und können – je nach Konfiguration und Gerätehersteller – zu Instabilitäten, Fehlfunktionen oder im ungünstigen Fall sogar zu Systemabstürzen führen.
Viele Android-Geräte haben in den WLAN-Einstellungen die Funktion, das WLAN automatisch ein- und auszuschalten.
PC-Welt
Fazit: Drahtlose Schnittstellen nur bei Bedarf aktivieren
Über WLAN hinaus gilt eine grundsätzliche Sicherheitsregel: Je weniger Funk- und Schnittstellen aktiv sind, desto kleiner ist die Angriffsfläche. Kommen mehrere ungünstige Umstände zusammen, können Angreifer in räumlicher Nähe unter Umständen Datenübertragungen mitlesen oder Geräte gezielt angreifen.
Sicherheitsexperten und das BSI empfehlen daher, WLAN, Bluetooth oder NFC nur dann zu aktivieren, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Das reduziert potenzielle Risiken und schont den Akku.
Mehr dazu auch hier: Bluetooth am Handy immer ausschalten – deshalb raten Experten dazu.
Discussion in the ATmosphere