{
  "$type": "site.standard.document",
  "bskyPostRef": {
    "cid": "bafyreidy6esetnvy6t2wp4utkc6jzjcj25dlffekcv3jn3sreax7lcmfsa",
    "uri": "at://did:plc:lcqnmkieaiknpxjwvmcefo6g/app.bsky.feed.post/3mhrxxfdn4hw2"
  },
  "coverImage": {
    "$type": "blob",
    "ref": {
      "$link": "bafkreihnbw5gyu743spngsxxelpbsup4teydftvf6ltpq2otgxmdjszjli"
    },
    "mimeType": "image/png",
    "size": 536379
  },
  "path": "/article/3087244/6g-mobilfunknetz-mit-superkraeften.html",
  "publishedAt": "2026-03-23T14:30:00.000Z",
  "site": "https://www.pcwelt.de",
  "tags": [
    "Mobile",
    "Initiative",
    "interessanten Artikel",
    "The Verge",
    "in einem Bericht"
  ],
  "textContent": "5G gibt es erst seit wenigen Jahren. Trotzdem ist die Technologie noch weit davon entfernt, all das zu leisten, was Anbieter, Hersteller und andere Akteure der Branche vor der Einführung versprochen hatten. Doch genauso wie damals ist schon jetzt der Nachfolger 6G im Gespräch.\n\nWie sieht also der Plan für das Mobilfunknetz der nächsten Generation aus? Wann wird es verfügbar sein, und welche praktischen Unterschiede können normale Nutzer erwarten?\n\n## 10-jährige Produktlebensdauer\n\nSeit den Anfängen des Mobiltelefons in den 1980er-Jahren vollzieht sich etwa alle zehn Jahre ein großer Technologiewechsel. NMT wurde Anfang der 1990er-Jahre von GSM (2G) abgelöst, um die Jahrtausendwende folgten UMTS und CDMA 2000 (3G). Zehn Jahre später kam LTE (4G) auf, und um 2020 begann der Rollout von 5G.\n\nEs ist daher wenig überraschend, dass die Mobilfunkbranche plant, 6G um das Jahr 2030 herum einzuführen. Doch wie bei früheren Generationen ist nicht zu erwarten, dass die Betreiber das neue Netz einfach auf einen Schlag aktivieren. Die Technologien, die im letzten Jahrzehnt entwickelt wurden, werden nicht sofort vollständig einsatzbereit sein.\n\nÄhnlich wie 3G mit 3,5G (HSPA) und 4G mit LTE-Advanced beziehungsweise LTE-Advanced Pro nacheinander aufgerüstet wurde, werden auch die Neuerungen von 6G voraussichtlich schrittweise über die nächste zehnjährige Periode eingeführt.\n\nTommy Svensson, Professor an der Chalmers Universität in Göteborg, nennt die wichtigsten Punkte zu 6G:\n\n_“Dazu gehören eine robustere und energieeffizientere drahtlose Kommunikation, KI-gesteuerte Mobilfunknetze mit KI-Verarbeitung direkt im Netz sowie die Möglichkeit zur Funkerkennung und zur Kombination von Sensordaten.”_\n\nEr ergänzt, dass 6G außerdem höhere Geschwindigkeiten, größere Kapazität pro Quadratmeter und kürzere Reaktionszeiten bieten wird.\n\n## Wer steckt hinter 6G?\n\nDie Entwicklung neuer Mobilfunktechnologien wird von einer Vielzahl von Akteuren weltweit vorangetrieben. Die zentrale Organisation ist die International Telecommunication Union (ITU-R), ein UN-Organ. Die technische Entwicklung wird hauptsächlich von den Organisationen 3rd Generation Partnership Project (3GPP) und Next Generation Mobile Networks (NGMN) gesteuert, deren Mitglieder sowohl Technologieunternehmen als auch Netzbetreiber und Wissenschaftler sind.\n\n_“Es wird derzeit die Architektur entworfen. Die Spezifikationen werden voraussichtlich um 2028 veröffentlicht. Momentan gibt es einen intensiven globalen Wettlauf um die technologische Führungsrolle. China, die USA und die EU investieren Milliarden in Forschungsprogramme, um sicherzustellen, dass gerade ihre Patente und Visionen die finale Standardisierung bestimmen”_ , sagt Mikael Gidlund.\n\nAuf dem MWC in Barcelona Ende Februar stellte Nvidia eine neue Initiative vor, die großen Einfluss auf die 6G-Entwicklung haben könnte. Unterstützt wird das Unternehmen unter anderem vom schwedischen Ericsson, von Nokia sowie von Netzbetreibern wie Deutsche Telekom und Softbank. Außerdem wird das Projekt von der US-Regierung über eine Kooperation mit der Linux Foundation gefördert. Ziel ist es, den 6G-Standard weitgehend auf Open Source basierend zu gestalten.\n\n## Radar überall\n\nEine der geplanten Neuerungen in 6G nennt sich “Integrated Sensing and Communication”, kurz ISAC.\n\n_“Das ist gerade das große Thema, das die meiste Aufmerksamkeit bekommt. ISAC bedeutet, dass wir Mobilfunknetze nicht mehr nur als Transportmittel für Daten sehen. Stattdessen werden Radiowellen zu einer Art Sensor, quasi zu Radar. Das Netz kann Entfernungen, Geschwindigkeiten und Bewegungen mit Zentimeterpräzision messen, ganz ohne GPS oder Kameras auf den Geräten”_ , erklärt Mikael Gidlund, Professor an Schwedens Mittuniversität.\n\nDass alle Mobilfunkmasten ihre Umgebung erfassen und Präsenz oder Bewegungen erkennen könnten, klingt fast wie Science-Fiction und aus Sicht des Datenschutzes auch nach einem Alptraum. Das ist Gidlund bewusst.\n\n_“Das ist eine der größten technischen Herausforderungen, die gelöst werden müssen, damit die Technologie akzeptiert wird. Ziel ist es, das System nach dem Prinzip ‘Privacy by Design’ zu gestalten. ISAC funktioniert wie Radar, nicht wie eine Kamera. Es arbeitet mit anonymisierten Punktwolken statt biometrischen Daten. Wir können erkennen, dass jemand gestürzt ist und Hilfe braucht, aber nicht, wer es ist. Indem die Daten lokal im Mast verarbeitet und technische Sperren gegen Identifizierung direkt in den Standard eingebaut werden, lässt sich der Datenschutz sogar verbessern, etwa als Ersatz für Kameras in sensiblen Bereichen. Anonymisierung ist dabei kein Extra, sondern eine technische Voraussetzung für Vertrauen.”_\n\nWirtschaftlich hoffen Netzbetreiber, dass Technologien wie ISAC an Unternehmen verkauft werden können. Dazu gehören Firmen, die autonome Drohnen einsetzen, die ihre Umgebung erfassen und sich präzise auf der richtigen Route halten.\n\nEine verwandte Neuerung heißt “Zero-Energy Internet of Things”. Kleine Sensoren benötigen dafür keine Batterien, sondern gewinnen Energie aus der Umgebung. In diesem Fall aus den Radiowellen des Mobilfunknetzes. Es ist auch möglich, dass Energie aus Licht, Vibrationen oder Temperaturunterschieden stammt.\n\nDie Technologie erinnert an die RFID-Chips, die man aus manchen Produkten im Handel kennt. Dort lösen sie einen Alarm aus, wenn man sich der Ausgangstür nähert. Die neuen Sensoren können ihre Umgebung jedoch auf verschiedene Weise erfassen. Sie müssen sich nicht direkt neben einer Basisstation befinden. Ericsson hat dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht.\n\n## Intelligente Oberflächen\n\nUnter Forschern gibt es großes Interesse an einer Neuerung namens “Reconfigurable Intelligent Surfaces”. Hier geht es darum, intelligente Materialien zu nutzen, um die Netzabdeckung in Städten zu verbessern. Die Signale werden reflektiert und gezielt um Ecken gelenkt, sodass weniger Orte im Funkloch liegen.\n\nEin Beispiel: Sie stehen neben einem großen Gebäude. Auf der anderen Seite befindet sich eine Mobilfunkmast. Das Signal kommt nur schwer durch Beton, Glas und Stahl hindurch. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite gibt es jedoch ein Gebäude mit einer Fassade, die mit einer solchen intelligenten Oberfläche ausgestattet ist. Das Signal kann daran abprallen und erreicht Sie so problemlos.\n\nDas klingt vielversprechend, doch Mikael Gidlund ist skeptisch. Er sagt, dass es auf dem Papier eine elegante Lösung für Reichweitenprobleme sei. In der Praxis gebe es jedoch schwierige Geschäftsmodelle. Wer soll diese Flächen besitzen und warten? Die Netzbetreiber sind skeptisch, auch wenn das technische Potenzial spannend ist.\n\n## KI direkt im Netz integriert\n\n6G wird parallel zu einem weiteren großen Technologiewandel entwickelt: der Künstlichen Intelligenz. Und da KI überall eine Rolle spielen soll, ist es nicht überraschend, dass sie beim Aufbau des 6G-Netzes eine zentrale Rolle einnimmt.\n\n_“Eine grundlegende Veränderung besteht darin, dass 6G als ‘KI-integriertes Netzwerk’ konzipiert wird. Die KI wird direkt ins Netz eingebaut, um Betrieb und Energieverbrauch zu optimieren”_ , erklärt Mikael Gidlund.\n\nKI-integriert bedeutet auch, dass die Basisstationen selbst in der Lage sein sollen, KI-Algorithmen für unterschiedliche Aufgaben auszuführen. Praktisch könnte das etwa bedeuten, dass leichte AR-Brillen ihre Rechenleistung über das Netz beziehen, sagt Gidlund.\n\nMan sollte jedoch ehrlich sein: Holografische Wohnzimmer bis 2030 sind eher eine Vision als ein praktisches Konsumprodukt. Der größte Nutzen für Verbraucher liegt in einem robusten Netz, das nicht ausfällt, egal welchen Belastungen es ausgesetzt ist.\n\nAnalytiker Ian Hogg erklärt gegenüber The Verge: _“Menschen bewegen sich zwischen verschiedenen Orten, und es ist kaum praktikabel, alle Informationen über diese Orte in den Brillen zu speichern, die mit dem Smartphone verbunden sind. Eine Basisstation kann jedoch aktuelle Informationen über ihre Umgebung speichern und sie sofort an die Nutzer weitergeben, die sich genau dort befinden.”_\n\n## 6G füllt die weißen Flecken auf der Karte\n\nLaut Mikael Gidlund könnte die Neuerung mit dem größten praktischen Nutzen für normale Nutzer die sogenannten “Non-Terrestrial Networks” sein. Dabei sollen Satelliten die Kommunikation übernehmen, sobald kein Mobilfunkmast in Reichweite ist.\n\n_“Heute ist Satellitenkommunikation oft teuer und separat, aber in der 6G-Ära wird das Mobilfunknetz dreidimensional. Ihr normales Smartphone soll automatisch auf eine Satellitenverbindung umschalten, sobald Sie die Reichweite des Boden-Netzes verlassen. Für den Nutzer bedeutet das eine völlig neue Netzabdeckung. Die letzten ‘weißen Flecken’ auf der Karte – in Wäldern, auf dem Wasser oder in den Bergen – verschwinden oder werden kleiner, was ein enormes Sicherheitsgefühl schafft.”_\n\nMit 6G wird die Gesamtkapazität jeder Basisstation voraussichtlich deutlich steigen, sowohl bei höheren Frequenzen als auch in den tieferen Frequenzen, die für größere Entfernungen oder den Zugang in Gebäude genutzt werden. Mikael Gidlund ist optimistisch, dass 6G schließlich die “Netz-Kollaps”-Probleme in vollbesetzten Arenen und ähnlichen Orten lösen wird, wo tausende Menschen auf engem Raum das Mobilfunknetz bisher oft überlasten.\n\n## Neue Frequenzen\n\nWährend die Mobilfunknetze heute Frequenzen unter 6 und über 24 Gigahertz nutzen, wird noch diskutiert, wie der Bereich dazwischen verwendet werden soll. Mikael Gidlund bezeichnet das Zentimeterband von 7 bis 15 Gigahertz als “Arbeitspferd von 6G”. Auch Ericsson hebt diesen Bereich in einem Bericht zur 6G-Entwicklung hervor.\n\nTommy Svensson weist darauf hin, dass die Zuteilung der Frequenzen in diesem Bereich weltweit noch nicht beschlossen ist. In Europa werden unter anderem die Bänder 7,125 bis 7,25 Gigahertz, 7,75 bis 8,4 Gigahertz und 14,8 bis 15,35 Gigahertz diskutiert. Dank dieses Bereichs können ISAC und die höhere Kapazität von 6G überhaupt möglich werden, erklärt Mikael Gidlund.\n\nUnternehmen, die 6G-Technik entwickeln, interessieren sich auch für Terahertz-Frequenzen über 100 Gigahertz. Diese könnten theoretisch extrem hohe Datenraten liefern. Gidlund ist jedoch skeptisch, ob das einen praktischen Nutzen für die Allgemeinheit hat. Er geht davon aus, dass solche Frequenzen Nischenlösungen für kontrollierte Umgebungen wie Fabrikhallen bleiben.\n\nDie größte Herausforderung der Netzbetreiber wird sein, eine massive Ausweitung mit Tausenden neuer kleiner Basisstationen zu vermeiden. Der Erfolg des 6G-Standards hängt davon ab, ob die maximale Leistung aus den Bändern zwischen 6 und 15 Gigahertz herausgeholt werden kann. Alles darüber sei noch Forschung, alles darunter diene der Netzabdeckung, fasst Mikael Gidlund zusammen.",
  "title": "Das ist 6G: Mobilfunknetz mit Superkräften"
}