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Diese Google-Funktion überwacht Sie heimlich – so deaktivieren Sie das

PC-WELT – Homepage [Unofficial] March 17, 2026
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Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Sie im Urlaub plötzlich fremdsprachige Werbung auf dem Smartphone sehen, obwohl Sie die Standortbestimmung deaktiviert haben. Der Grund: Google lässt Nutzer bewusst im Unklaren darüber, was das Ausschalten der Funktion “Standort” wirklich bewirkt. Wir zeigen Ihnen, wie Android Ihren Standort auch ohne aktivierte Standortfunktion ermittelt und was Sie dagegen unternehmen können.

Warum Google Ihren Standort kennen will

Für Google sind Standortdaten bares Geld wert. Standortbezogene Werbung für Restaurants, Hotels oder Geschäfte in Ihrer Nähe ist für Unternehmen deutlich attraktiver als herkömmliche Anzeigen. Sie vermeiden damit Streuverluste und erreichen genau die Kunden, die gerade vor Ort sind. Entsprechend höhere Preise kann Google dafür verlangen.

Auch App-Entwickler profitieren, wenn in ihren Programmen standortbezogene Banner erscheinen. Je mehr Google also über Ihren Aufenthaltsort weiß, desto mehr verdient die Firma daran. Lesen Sie hier, wie Sie diese Informationen einsehen können.

So ermittelt Google den Standort Ihres Geräts

Sie finden in den Einstellungen Ihres Android- Smartphones zwar die Funktion “Standort”. Was ein Deaktivieren jedoch genau bewirkt, ist vielen Anwendern nicht bewusst.

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Um den aktuellen Aufenthaltsort zu bestimmen, greift ein Smartphone auf mehrere Datenquellen gleichzeitig zurück. Ist WLAN aktiviert, wertet es die SSIDs umliegender Netzwerke aus, was vor allem in Städten sehr präzise funktioniert. Ähnliches gilt für Bluetooth, sofern es eingeschaltet ist: Sind entsprechende Signale in der Nähe, fließen auch sie in die Standortbestimmung ein.

Parallel dazu ermittelt das Smartphone den Standort über die verbundene Mobilfunkantenne. Jede Mobilfunkzelle hat eine eindeutige ID, die Google in einer umfangreichen Datenbank hinterlegt hat. Allerdings sind diese Zellen, besonders in ländlichen Gebieten, oft sehr groß, was die Genauigkeit der Standortbestimmung entsprechend einschränkt.

Bleibt als wichtigste Informationsquelle das GPS-Modul des Telefons. Es greift nicht nur auf die Signale der amerikanischen GPS-Satelliten zu, sondern auch auf das russische Glonass-System. Ist die Signalstärke dieser Dienste nicht ausreichend für eine Positionsbestimmung, suchen moderne Smartphones darüber hinaus nach den Signalen der europäischen Galileo- und der chinesischen Beidou-Satelliten.

Abschalten der Standortbestimmung genügt nicht

Dass Google Standortdaten auch bei deaktiviertem Standortverlauf sammelt, ist seit Jahren bekannt und gerichtlich belegt. Bereits 2018 deckte die Nachrichtenagentur AP auf, dass Google Bewegungsdaten erfasst, selbst wenn Nutzer die entsprechende Funktion ausgeschaltet hatten. Die daraus resultierenden Klagen verlor Google: 2022 musste das Unternehmen 392 Millionen Dollar zahlen, 2023 weitere 93 Millionen Dollar.

Dass das Problem tiefer liegt, machte 2020 sogar die NSA öffentlich: In einem Whitepaper wies der amerikanische Geheimdienst darauf hin, dass das Deaktivieren der Funktion “Standort” in den Android-Einstellungen nicht das GPS ausschaltet. Das Modul bleibe stattdessen ständig aktiv, lediglich der Zugriff von Apps auf die Daten werde eingeschränkt.

Ende 2023 kündigte Google daraufhin eine grundlegende Änderung an: Der Standortverlauf soll seither nicht mehr in der Google-Cloud, sondern nur noch lokal auf dem Gerät des Nutzers gespeichert werden. Im Zuge dieser Umstellung werden standardmäßig nur die letzten drei Monate der Timeline-Daten auf das Gerät übertragen, ältere Daten werden gelöscht.

Klingt nach einem Fortschritt, ist aber keiner: An der standortbezogenen Werbung ändert sich dadurch nichts. Google kann weiterhin Daten über besuchte Orte in anonymisierter Form erfassen. Wer keine standortbezogene Werbung sehen möchte, muss personalisierte Anzeigen separat deaktivieren (unter “Personalisierte Anzeigen” in Ihren Google-Aktivitätseinstellungen).

So können Sie die Standortdaten einsehen und löschen

Gesammelte Standortdaten einsehen Am einfachsten rufen Sie die gespeicherten Standortdaten über Google Maps auf. Öffnen Sie den Kartendienst nicht in Ihrem Browser, sondern als App auf Ihrem Smartphone. Tippen Sie oben rechts auf Ihr Profilbild und im folgenden Fenster auf “Meine Zeitachse”. Alternativ finden Sie die Daten in Ihren Handy-Einstellungen unter Standort > Standortdienste > Zeitachse > Zeitachse ansehen. Im Browser können Sie die Standortdaten über https://myactivity.google.com/ einsehen.

Gesammelte Standortdaten löschen Wenn Sie die Zeitachse behalten möchten, aber nur Ihre aktuellen Daten löschen wollen, tippen Sie in der Google-Maps-App unter Zeitachse oben rechts auf die drei Punkte und wählen Sie “Einstellungen”. Über “Alle Zeitachsendaten löschen” entfernen Sie alle gespeicherten Daten auf einmal. Alternativ lässt sich auch nur ein Teil der Daten löschen oder die automatische Löschfunktion aktivieren, die Standortdaten nach drei, 18 oder 36 Monaten automatisch entfernt.

Anleitung 1: Zeitachsenfunktion aktiviert lassen, aber Standortdaten löschen.

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Wenn Sie die Zeitachse hingegen vollständig deaktivieren und dabei Ihre Daten löschen möchten, tippen Sie in denselben Einstellungen wie oben auf “Zeitachse” und wechseln Sie in die Aktivitätseinstellungen Ihres Google-Kontos. Tippen Sie dort auf „Deaktivieren und Aktivitäten löschen”. Damit schaltet Google die Funktion ab und entfernt gleichzeitig alle bisher gespeicherten Standortdaten.

Anleitung 2: Zeitachse deaktivieren und Standortdaten automatisch löschen.

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So unterbinden Sie die Standort-Erkennung und -Verfolgung

Um das Sammeln von Standortdaten zu verhindern, können Sie ein wenig an den Android-Einstellungen drehen. Zum einen sollten Sie “Standort” grundsätzlich ausschalten, auch wenn das nur einen eingeschränkten Schutz bietet. Falls Sie Apps benutzen, die auf Positionsangaben angewiesen sind, können Sie ihnen dies unter “Standort” > “App-Berechtigungen” erlauben.

Unter “Standortdienste” lassen sich der WLAN-Scan und das Bluetooth-Scanning deaktivieren, womit das Smartphone aufhört, WLAN- und Bluetooth-Signale zur Standortbestimmung zu nutzen. Ebenfalls sollten Sie dort die “Google-Standortfreigabe”, die “Standortgenauigkeit” und den “Notfall-Standortdienst” auf “Aus” stellen.

Das allein reicht jedoch nicht aus, denn Google erfasst Standortdaten auch über die sogenannten “Web- und App-Aktivitäten”. Dazu zählen unter anderem Suchanfragen und Aufrufe in Google Maps. Diese werden unabhängig vom Standortverlauf gespeichert und mit dem Google-Konto verknüpft. Um das zu unterbinden, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Öffnen Sie Ihr Google-Konto > “Google-Konto verwalten” und wählen Sie dort den Reiter “Daten und Datenschutz” aus.
  2. Tippen Sie auf “Web- und App-Aktivitäten”.
  3. Entfernen Sie eventuelle Haken aus den “Weiteren Optionen”.
  4. Tippen Sie ganz links auf das Google-Maps-Symbol.
  5. Aktivieren Sie die Funktion “Automatisch löschen” und/oder löschen Sie alle bisherigen Aktivitäten unter “Löschen” > “Alle Aktivitäten löschen”.

Hinweis: Solange “Web- und App-Aktivitäten” aktiviert sind, können Sie die Speicherung von Maps-Aktivitäten nicht vollständig verhindern.

In den Web- und App-Aktivitäten von Google können Sie gezielt steuern, welche Google-Maps-Daten gespeichert werden und was davon gelöscht wird.

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“Nomap”-Trick: Erfassen der eigenen WLAN-SSID verhindern

Zur Standortbestimmung erfasst Google unter anderem die SSIDs der WLAN-Netze in der Nähe und gleicht diese mit den Google Location Services ab, einer per Internet erreichbaren Datenbank. Entwickler können über eine offene Programmierschnittstelle auf diese Daten zugreifen und sie für ihre Apps verwenden.

Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr WLAN-Netzwerk in diese Datenbank aufgenommen wird, machen Sie folgenden Trick: Hängen Sie einfach “_nomap” an den Namen Ihres Netzwerks an. Heißt Ihr Funknetz also zum Beispiel “Peters_WLAN”, machen Sie daraus “Peters_WLAN_nomap”. Google respektiert diesen Zusatz und nimmt das Netzwerk nicht in seine Standortdatenbank auf.

Falschen Standort angeben: Geht das?

Theoretisch könnten Sie Google und anderen Apps mit einer sogenannten Fake-GPS-App falsche Standortdaten unterjubeln. Wir zeigen Ihnen das Vorgehen am Beispiel von Fake GPS Location Professional:

  1. Öffnen Sie die Entwickleroptionen auf Ihrem Handy gemäß dieser Anleitung.
  2. Scrollen Sie nach ganz unten und tippen Sie auf “App für simulierte Standorte auswählen”.
  3. Wählen Sie “Fake GPS Location Professional“ aus.
  4. Rufen Sie die App auf und geben Sie entweder oben im Suchfeld eine Adresse ein oder wählen Sie einen Punkt auf der Karte aus.

Nach Antippen des roten Play-Buttons ist das Ihr neuer Standort. Zum Überprüfen rufen Sie eine App mit Standortabfrage wie Google Maps auf. Zum Deaktivieren von Fake GPS Location Professional starten Sie das Programm erneut und tippen rechts unten auf den Pause-Button.

Kann ich mit einem VPN meinen Standort fälschen?

Ein VPN verschleiert zwar Ihre IP-Adresse und erschwert damit die grobe Standortbestimmung über den Internetanbieter. Allerdings schützt ein VPN nicht vor der Erfassung über GPS, WLAN-SSIDs oder Mobilfunkzellen.

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