Google bringt Anrufaufzeichnung nach Deutschland – aber Vorsicht bei der Nutzung
Google erweitert seine Telefon-App um neue Funktionen – einige davon erreichen jetzt erstmals auch Nutzer in Deutschland. Pixel-Smartphones können Telefonate künftig direkt aufzeichnen und zusätzlich vor möglichen Betrugsanrufen warnen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Google angekündigt, die Funktion weltweit auszurollen. Nun scheint der Rollout tatsächlich auch hierzulande anzukommen.
So funktioniert die Anrufaufzeichnung
Die neue Funktion ist Teil der Google-Telefon-App, die auf Pixel-Smartphones standardmäßig installiert ist. Nutzer müssen die Option zunächst in den Einstellungen aktivieren.
Während eines laufenden Gesprächs lässt sich anschließend über den sogenannten Anrufassistenten eine Aufnahme starten. Sobald die Aufzeichnung beginnt, informiert eine automatische Ansage alle Teilnehmer des Gesprächs darüber. Auch beim Beenden der Aufnahme wird eine entsprechende Meldung abgespielt.
Google speichert die aufgezeichneten Gespräche ausschließlich lokal auf dem Gerät. Laut Angaben des Unternehmens werden die Dateien nicht automatisch an Server übertragen. Nutzer können außerdem festlegen, dass die Aufnahmen nach einer bestimmten Zeit – etwa nach 30 Tagen – automatisch gelöscht werden.
Screenshot: Viviane Osswald
Automatische Aufzeichnung möglich
Zusätzlich können Nutzer einstellen, dass bestimmte Gespräche automatisch aufgezeichnet werden. Das betrifft zum Beispiel Anrufe von unbekannten Nummern oder von zuvor festgelegten Kontakten.
Gerade diese Funktion könnte im Alltag praktisch sein, etwa wenn man häufiger von unbekannten Nummern angerufen wird oder wichtige Telefonate dokumentieren möchte.
Vorsicht wegen deutscher Rechtslage
Die neue Anrufaufzeichnung auf Pixel-Smartphones kann praktisch sein – etwa um wichtige Gespräche später noch einmal anzuhören. In Deutschland gelten jedoch strenge Regeln.
Das sollten Sie unbedingt beachten:
- Alle Gesprächspartner müssen zustimmen. Ohne Zustimmung darf ein Telefonat grundsätzlich nicht aufgezeichnet werden.
- Eine heimliche Aufnahme ist strafbar. Laut §201 Strafgesetzbuch kann dies mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden.
- Auch das Weitergeben einer Aufnahme kann illegal sein. Wer eine unerlaubte Aufnahme anderen zugänglich macht oder veröffentlicht, kann ebenfalls strafbar handeln.
- Im Zweifel sollten Sie die Zustimmung ausdrücklich einholen. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner am besten direkt, ob eine Aufnahme für ihn in Ordnung ist.
Die automatische Ansage informiert zwar darüber, dass eine Aufnahme beginnt. Ob dies rechtlich bereits als Zustimmung gilt, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Wer Gespräche ohne Einwilligung aufzeichnet, kann sich strafbar machen. Google weist deshalb selbst in den Einstellungen darauf hin, dass Nutzer für die Einhaltung der jeweiligen Gesetze verantwortlich sind.
Pixel erkennt mögliche Betrugsanrufe
Neben der Anrufaufzeichnung führt Google auch eine neue Sicherheitsfunktion ein: eine Betrugserkennung während Telefonaten.
Dabei analysiert ein KI-Modell Gespräche in Echtzeit auf typische Muster von Telefonbetrug, etwa beim sogenannten Enkeltrick. Erkennt das System verdächtige Inhalte, wird der Nutzer sofort mit einem Warnsignal darauf aufmerksam gemacht.
Die Analyse erfolgt laut Google direkt auf dem Gerät mithilfe des KI-Modells Gemini Nano. Gesprächsinhalte oder Transkripte werden dabei nicht an externe Server gesendet.
Nicht alle Geräte erhalten die neuen Funktionen
Die Betrugserkennung steht derzeit nur auf neueren Pixel-Geräten zur Verfügung. Nach bisherigen Informationen unterstützt Google dafür vor allem Modelle ab der Pixel-9-Serie, da diese über genügend KI-Rechenleistung verfügen.
Die klassische Anrufaufzeichnung hingegen soll auf Pixel-Smartphones ab dem Pixel 6 funktionieren, sofern eine aktuelle Android-Version und die neueste Version der Telefon-App installiert sind.
Neue Anruferansichten geplant
Neben Sicherheitsfunktionen arbeitet Google auch an optischen Neuerungen für die Telefon-App. Nutzer sollen künftig sogenannte “Anruferansichten” erstellen können. Dabei lassen sich für Kontakte individuelle Bilder und Layouts festlegen, die beim Anruf angezeigt werden – ähnlich wie die Kontaktposter, die Apple bereits in iOS eingeführt hat.
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