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  "content": "##### *Lesedauer: Ca. 3 Minuten.*<br><br>\n\n\n![image](https://shimeji.us-east.host.bsky.network/xrpc/com.atproto.sync.getBlob?did=did%3Aplc%3Akvuusau3cidvwmbbmsmlryhb&cid=bafkreidbnvscggkclvmsw5yplkwudlpj5h7peuptfngqawgqta34uphfre)\nBild: Zeche Zollern, Dortmund. März 2004. Das Bild ist gemeinfrei.\n## Goodbye, SPD\nDie SPD befindet sich auf einem absteigenden Ast.<br>\nWahlkreise werden verloren, in Umfragen verliert die Partei zusehends Prozentpunkte. In Gegenden, die jahrzehntelang einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin von der SPD hatten, verlieren diese plötzlich und es wird eine parteilose Kandidatin gewählt.<br>\nMan kann sich natürlich sagen: Die SPD verliert die Stimmen zurecht! Das ist doch schon lange nicht mehr sozial, was die da veranstalten! <br>\nAber ebenso muss man sich fragen: Wenn die SPD dann am Ende weg ist - brauchen wir die Sozialdemokratie selbst denn überhaupt noch? Und wozu?\n\n### Demokratie? Natürlich. Aber warum sozial?\nDemokratie sollte man nicht infrage stellen. Aber dieser soziale Teil, was bringt uns der?<br>\nUnd warum wollen wir sowas haben, was ist denn die Idee? Ist eine \"soziale\" Gesellschaft nützlicher für uns alle oder die meisten, oder ist das nur so ein Gewissens-Ding?\n\nIch finde, eine soziale Politik ist nicht einfach nur \"menschlich\", nicht nur christlich, nicht durch das Bestreben getrieben, ein guter Mensch zu sein. Es ist auch die Triebkraft, die eine Gesellschaft stark macht.\n\n## Verschwinde, Du Schwächling!\nKonkurrenzdenken macht nicht stark, es sondert Verlierer aus, entfernt sie, lässt sie verschwinden; aber tauchen Probleme auf, die man nicht als *\"Starker, der am mächstigsten alleine ist\"* selbst lösen kann, sondern plötzlich merkt, hier wäre Hilfe nötig, jemand mit Erfahrung vielleicht, der früher auch immer Dinge wunderbar geradebiegen konnte, aber der nun leider ausgesondert wurde, weil er eben Pech hatte im Kampf ums Existenzrecht - tja dann wird man vielleicht schlauer, dann bereut man, aber zugeben geht natürlich nicht. Man würde dann selbst als schwach gelten.\n\n### Nicht jeder kann alles\nUnd hier liegt das Problem. Wenn eine Gesellschaft sich einbildet, es wäre erstrebenswert, nur die Besten zu fördern und wer das nicht schafft, fällt eben raus, die wird früher oder später merken, dass die angeblich Besten eben nicht in allem besser sind. Dass sie nicht alles beherrschen, sondern dass es immer Bereiche gibt, in denen besonders die Unscheinbaren sowas wie Wunder vollbringen können.\n\n## Zusammenhalt schafft Stärke\nDas müssen nicht immer technische Fertigkeiten sein. Sehr oft reicht es schon, Gruppen zusammenzuhalten zu können, weil man selbst einen Ankerpunkt darstellt.<br>\nSchaut man in die Geschichte des Ruhrgebietes, wird das besonders deutlich. Bergleute hielten immer zusammen. Das war absolut unerlässlich.<br>\nEs mag wie Schwärmerei klingen, wenn man darauf hinweist, aber genau so war es, weil es nicht anders ging. Die soziale Stellung spielte unter Tage keine Rolle, die Gefährdung war für alle gleich. Und nach Feierabend änderte sich das auch nicht.\n\nWas vielleicht wie Nostalgie klingt, ist eine nüchterne Rückschau auf das, was uns verloren ging. Gemeinsinn. Zusammenhalt. Abendliche Zusammenkünfte in einer Kneipe, bei denen man miteinander redete. Handys und Internet haben uns das vergessen lassen, es uns abgewöhnt. Man hat jetzt andere Gruppen, online, mit denen man zusammenkommt - nur mit dem Unterschied, dass dort Zwist sehr viel schneller entsteht und gleich derart ausartet, dass es das \"dann gewesen ist\". Es wird geblockt und fertig.\n\n## Hallo Nachbar, dankeschön\nAlle Leute in der eigenen Straße zu kennen, das war früher im Ruhrgebiet einfach selbstverständlich, und es war nicht nur Romantik, es war sehr nützlich, weil man sich auch half.<br>\nBeim Reparieren, Malern, Bauen, Zimmern, Mauern. Einkaufen, wenn jemand krank war. Bei praktisch allem. Man stellte auch den Sinn des Ganzen nie in Frage, Es war natürlich, man war ja Mensch, jeder machte es so - und ganz ehrlich, die lächelnden Gesichter auf uralten Fotos, die waren nicht gestellt. Die Leute lächelten sich einfach täglich an, weil sie sich mochten. Einen Teil der Zeit habe ich schließlich noch selbst erlebt.\n\n## Ohne Dich ist alles doof\nDie Gesellschaft war stark, weil es nötig war. Sie funktionierte nur so.<br>\nUnd sozial sein, sozial zu denken, das bedeutet genau das. Zusammenzuhalten, egal wie die Umstände sind, egal ob es manche nicht so gut schaffen mitzuhalten - sie werden mitgenommen, weil sie dazugehören und es ohne sie ebenfalls nicht geht.<br>\n**Ohne Wenn und Aber und vor allem ohne dumme Sanktionen noch obendrauf!**\n",
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