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Du kannst alles schaffen - beinahe

Avatarinchen May 21, 2026
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"Du kannst alles schaffen!" Dieses geflügelte Wort ist heute ziemlich in Verruf geraten. Weil es häufig falsch eingesetzt, falsch interpretiert wird. Es taugt nicht als Versprechen, man könne reich werden nur durch bloßen Fleiß, wenn man nur noch ein paar Brotkrumen im Schrank hat, aber trotzdem ranklotzt. Solche Geschichten passieren einfach nicht, und wenn man sie liest, sind es Ausnahmen. Es taugt nicht als Versprechen, man könne Privilegien erlangen, die andere schon von Geburt an haben. Es taugt nicht als Ermunterung, man solle einfach nur länger arbeiten, dann würde schon alles gut. Es taugt nicht, weil es falsch ist. "Du kannst alles schaffen!" wird von Scharlatanen eingesetzt, von Ausbeutern, die ihre Arbeiter nur dazu antreiben wollen, fleißiger zu sein, länger zu arbeiten mit dem Versprechen, die stiegen dadurch auf.

Aber man darf Fleiß nicht mit Mut verwechseln. Sich abzurackern, mag fleißig sein, aber mutig ist es nicht. Mutig ist, sich einer Aufgabe zu stellen, die man zu Beginn nicht gut abschätzen kann.

Und darum halte ich "Du kannst alles schaffen!" für recht wichtig, wenn es im passenden Kontext gebraucht wird, für den es eigentlich gedacht ist. Wie oft habe ich schon Arbeiten angenommen, Aufträge über zu erledigende Werke, die andere vor mir ablehnten, weil sie spontan meinten: "Das kann ich nicht! Das hab ich nicht gelernt!" Ich nahm sie an und in den meisten Fällen konnte ich sie auch abschließen, die Erwartungen erfüllen. Ich nahm sie an, nicht weil ich überzeugt war, dass es mir leicht fiele; nicht weil ich glaubte, das würde en Kinderspiel, weil ich das gelernt hätte, schon Übung hätte. Meistens war es im Gegenteil sogar äußerst schwierig. Wenig klappte auf Anhieb. Ich hatte das nicht "gelernt", ich kam zum ersten Male mit dieser speziellen Aufgabe in Berührung. Umso spannender empfang ich das Problem; es wurde ein Haufen Arbeit. Fehlversuche, aus denen ich lernte; entweder musste erst ein Plan her, als Text, als Zeichnung, als mathematische Berechnungen. Aus dem Stehgreif ging nichts davon. Vergessene Formeln aus der Schulzeit mussten manchmal wieder hervorgekramt werden. Mathe, Physik, Chemie. Sehr häufig dauerte es von der Annahme einer Aufgabe bis zum eigentlichen "anfangen" eine lange Zeit der Vorbereitung. Aber so funktionierte es; ich schaffte praktisch alles. (Natürlich nicht wirklich alles. Manche Dinge liegen wirklich außerhalb meiner Fähigkeiten.)

Die eigentliche Moral dahinter: Ich schaffte Dinge, die ich vorher nicht gekonnt hätte. Nicht einfach so, nicht ohne Mühe, nicht ohne Schweiß. Nicht ohne auch mal jemanden zu fragen, der sowas öfter machte. Und das ist der Punkt: Es heißt ja nicht "Du kannst alles!", sondern "Du kannst alles schaffen!". Reich wurde ich dadurch jedoch nicht. Reich wird man durch die Arbeit anderer. Das ist leider ein Punkt, der meistens übersehen wird.

Zu oft erlebe ich, dass Menschen Dinge ablehnen, die sie sich nicht zutrauen, weil sie das ja nicht gelernt hätten. Weil sie das noch nie gemacht hätten. Weil es anstrengend wäre, Denen würde ich gerne "Du kannst das schaffen!" zurufen.

Denn der eigentliche Sinn ist: Habe Mut. Traue Dich ruhig, neue Aufgaben anzunehmen. Du wirst sehen, dass Du daran wächst, dass Du dazulernst, und hinterher kannst Du es einfach selbst.

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