{
  "$type": "com.whtwnd.blog.entry",
  "theme": "github-light",
  "title": "Die Fehler der Anderen",
  "content": "## *Die Fehler der Anderen*\n#### Über Fehler zu reden ist einfach. Besonders beliebt ist es, über Fehler zu reden, die die Anderen machen. Man kann draufzeigen und von sich wegweisen. Der da war es. Diese Gruppe da drüben. Alle die Bösen, die Tölpel, die Schurken.Es ist beliebt und einfach, nicht nur weil es so schwerfallen würde, eigene Fehler einzugestehen, sondern weil man Fehler bei anderen viel besser sieht. Es gibt viele Menschen, denen traue ich zu, auch eigene Fehler durchaus eingestehen zu können, die kein Problem damit hätten. Ich glaube sogar, dass die allermeisten das zugeben könnten.\n\nH2O\n\n### Zu sagen, ich habe einen Fehler gwmacht, ist eher weniger das Problem. Jeder macht Fehler. Das Problem ist vielmehr,sie\nüberhaupt zu erkennen. Logischerweise zweifelt man an der eigenen Meinung am wenigsten. Man handelt ja auch nicht bewusst\ngegen seine Überzeugungen. Aber meist sieht man sie nicht. Fehler fallen uns auf, weil\nsie sich häufig durch Abweichung davon kennzeichnen, in welchen Bahnen wir denken. Da ist jemand, der weicht davo ab.\nDer denkt anders. Das fällt uns auf. Eigene Fehler sehen wir kaum, weil wir von unseren eigenen Denkweisen naturgemäß\nnur selten abweichen. Es sind eben unsee Denkweisen.\nAber wieso sollte man überhaupt Fehler bei sich suchen? Warum sollte man sie hervorheben? Um zu zeigen, wie edelmütig\nman doch wäre, sogar eigene Fehler eingestehen zu können? Das könnte man denken. Aber den eigentlichen Sinn sehe ich\neher darin, dass man die Chancen erhöhen könnte, etwas zu verändern. Etwas zu bewirken, damit sich etwas bessert.\nDenn seinen wir ehrlich. Wie lange zeigen wir schon auf die Fehler der anderen? Und hat sich dadurch etwas verbessert?\nEigentlich wohl nicht. Entweder trifft man auf Sturköpfe, die alles abstreiten und trotzdem weiter machen, oder es eskaliert,\nartet in Streit uas und gewonnen hat man wieder nichts.\nEin eigener Fehler könnte zum Beispiel genau das sein - dass man nicht begreift, dass man einfach nichts erreicht und trotzdem\ngenauso weiter macht mit dem zeigen auf andere und Vorwürfen und Beschuldigungen und nicht sieht, dass man überhaupt \ngar nichts dadurch bewirkt.\nEin anderer Fehler, den man sicher oft macht: Anzunehmen, jeder müsse logische Argumente doch einsehen können. Müsse am Erhalt\nder Lebensgrundlagen zumindest ein Grundinteresse haben. Dass das Klima stabli bleibt, weil sich sonst so vieles ändert, was\nbequem und gewohnt ist, ohne die Notwendigkeit, seine eigene Lebensweise komplett umzustellen, umzuziehen, den Job zu\nwechseln, auf Waldläufe zu verzichten, weil es immer weniger Wälder gibt.\nUnd dann stehen wir da, sehen dass es trotzdem Menschen gar nicht zu kümmern scheint, dass sie Veränderung offensichtlich\nin Kauf nehmen würden, und wundern uns, dass sie die Dinge nicht begreifen würden, dass sie unlogische Schlussfolgerungen ziehen,\ndass sie angeblich entgegen eigener Interessen handeln würden.\nAber der Fehler dabei, der eigene Fehler, besteht genau darin, das anzunehmen. Es DENKT nicht jeder so logisch. Manche\nHABEN KEIN INTERESSE, dass die Welt erhlten bleibt, wie sie bequem ist. Sie könnten Zusammenhänge begreifen - aber unsere\nals elementar unterstellten Grundbedürfnisse sind für sie keine. Die Interessen liegen dort nicht, wo wie sie unterstellen.\nFaschisten haben kein Interesse daran, dass ihr Leben bequem bleibt. Sie wollen Macht, brauchen den Kick, andere beherrschen\nzu können. Die brauchen auch Feinde, die beschuldigt werden können. Sich einfach mit Gleichgesinnten zu umgeben\nund mit denen gemütliche Parties zu feiern, das ist lange nicht genug.\nReichen ist der Erhalt ihres Lebensstandards nicht genug. Das Interesse liegt bei ihnen nicht darin, einfach dafür zu\nsolgen, dass diese Situation so bleibt, dass sie ihr Haus behalten, ihre Autos, ihr Vermögen. Nein, ab einem bestimmten \nPunkt kippt das um. Dann geht es nicht mehr um die Sicherung, um den Erhalt, es muss wachsen, vermehrt werden, immer weiter.\nEs hat gar nichts mehr damit zu tun, ob sie das denn alles brauchen würden.\nDarum schlägt Interpretation fehl, darum stehen wir fassungslos da. Das ist ein eigener Fehler, und den sollte man zuerst\nsich eingestehen und dann auch beheben.\nWenn es schwerfällt, Fehler öffentlich zuzugeben, könnte man jamit ja im Stimmen beginnen, bei sich selbst.\nWir machen alle solche Interpretationsfehler. Sind überzeugt, Zusammenhänge erkannt zu haben, zu den richtigen \nSchlussfolgerungen zu gelangen. Dies schreiben wir dann ins Internet, völlig überzeugt davon, mit unserer Weisheit\nendlich auch andere aufwecken zu können.\nUnd dann kommen diese anderen, erklären das alles für den größten Blödsinn, weil auch sie die genannten Fehler schon\ngemacht haben. Die sind ja auch überzeugt von IHRER Interpretation.\n\nTja, und was nun?\nVielleicht mehr Denken. Etwas mehr Ruhe in das Ganze bringen. Auch wenn es keinen Anlass gibt durch Trigger oder Hinweise\nvon außen, von anderen, einfach mal selbst anfangen, nach Fehlern in der eigenen Überlegung zu suchen.\nDenken ist ein Prozess. Den muss man aktiv betreiben. Muss ihn bewusst steuern. Denken ist nichts, was das Gehirn automatisch\nerledigt. Natürlich arbeitet es die ganze Zeit ununterbrochen, verarbeitet Eindrücke, interpretiert, kategorisiert, stellt\nVergleiche mit bisher Erlebtem an, und zieht Schlüsse. Dies ist allerdings immer nur erster Output unseren eigenen,\nneuronalen Netzwerks in biologischer Form, dass KI heute recht gut nachbilden kann.\nDoch die wirkliche Intelligenz, der Vorteil des bewussten und in Ruhe durchgeführten, gründlichen Nachdenkens, die ist\nkein Automatismus. Das kommt nicht von alleine, dazu muss man sich hinsetzen, Notizen machen, überlegen, selbst Fehler suchen,\nbewusst das Ganze in allen Facetten durchdenken.\n",
  "createdAt": "2025-04-25T14:37:16.606Z",
  "visibility": "author"
}