Wien – Parndorf/Pandrof

Le Chat à Vélo May 29, 2026
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Die heutige Strecke erinnert mich ein wenig daran, dass ich vor ein paar Wochen mal eine “künstliche Intelligenz” nach einer Radroute von Wien nach Pamhagen gefragt habe und über Gänserndorf und Oberwart geschickt worden bin. Fast so umständlich sind wir heute nach Parndorf gefahren, nicht, weil wir es wollten, es hat sich einfach so ergeben, weil es so viele kleine Ziele am Wegrand gibt. Das sind Merk- und Sehenswürdigkeiten, die es nicht rechtfertigen dafür eigens anzureisen, aber wenn sie am Weg liegen, dann schauen wir gerne hin. Dafür muss der Weg manchmal etwas krumm gebogen werden, aber dann wird die Tour wahrhaft ruinös! Die erste Station ist Markgrafneusiedl, das über ein Bauwerk verfügt, das schon viele Nutzungen hinter sich hat: Wehrkirche, dann Verfall, dann in der Schlacht am Wagram 1809 Ausguck, kurz darauf Windmühle, abgebrannt und jetzt wieder Ruine. Heute ist das ehemalige Langhaus mit einem Glasdach bedeckt und wird von der Gemeinde als Location für Hochzeiten vermietet. Das ist wohl auch eine der wenigen Möglichkeiten, wie man ins Gebäude kommt, doch wir sind ja schon verheiratet, also fällt das für uns aus. Die zweite Ruine ist ebenfalls nicht zur Besichtigung vorgesehen, aber die muss man erst einmal finden. Es handelt sich um den Ringofen von Gänserndorf, einen der zahlreichen Ziegelöfen des Weinviertels, von denen heute keiner mehr in Betrieb ist und von denen viele schon abgerissen sind. Der in Gänserndorf steht noch, man hat ihn nur seines Schlots beraubt, und so verfällt er seit 1970 langsam vor sich hin. Von aussen sieht das ein wenig aus wie der Schluss von “Asterix und die Trabantenstadt”, als die Gallier zaubertrankgesättigte Eicheln auf die Ruinen der römischen Stadt werfen. Auch in Gänserndorf wachsen jetzt Bäume (allerdings keine Eichen) auf dem Gemäuer, aber das Gewölbe ist noch stabil und man findet den Eingang leicht. Weiter über die March, vorbei am auch nicht mehr ganz neuen Grenzgebäude von Záhorská Ves. Gleich dahinter stehen die Reste der dortigen Zuckerfabrik, die bis 1939 der jüdischen Unternehmerfamilie Löw-Beer aus Brünn/Brno gehörte. Der Name ist vielen bekannt wegen der pfirsichfarbenen Familienvilla in Brünn. Die jüngere Generation der Familie war dann weniger wagemutig bei der Farbgestaltung ihrer eigenen Villa (aber nur bei der Farbgestaltung!) und hat die “Villa Tugendhat” in schlichtem Weiss verputzen lassen. Entlang der ehemaligen Bahnstrecke nach Zohor fahren wir nach Bratislava, vorbei an der Burgruine Devín, zu der man vom Marchufer nur aufblicken kann, nicht aber hinauffahren. Die Zufahrt ist auf der anderen Seite, wir aber wollen weiter, über die Donau und uns dem kleinen Sommerprojekt widmen, dem Besuch der sieben jüdischen Gemeinden des Burgenlandes. Dazu gehörte auch Kittsee, in dem 1938 nur noch wenige jüdische Bewohner*innen lebten. Rund 50 Jüdinnen und Juden waren im April 1938 Opfer einer besonders grausamen Vertreibungsaktion, als sie an die Donau getrieben wurden, so sie zunächst tagelang auf einer Insel im Fluss warten mussten, weder Ungarn noch die Tschechoslowakei wollte sie einreisen lassen. Später konnte ein Frachtkahn aufgetrieben werden, auf dem sie Monate verbringen mussten ehe sie endlich an Land gehen konnten. Wievielen es danach geglückt ist aus Europa zu fliehen und wieviele in den NS-Vernichtungslagern ums Leben gekommen sind, lässt sich wohl nicht mehr klären. Auch in Kittsee erinnert wie in Mattersburg und Deutschkreutz nur noch wenig an die ehemalige jüdische Gemeinde. Gleich neben dem Schloss befindet sich der von einer Mauer umgebene Friedhof mit rund 230 Grabsteinen im halbhohen Gras. Das Tor ist abgesperrt, diesmal fehlt der Hinweis, wo man sich den Schlüssel holen könnte. Weiter im Zentrum befand der Standort der ehemaligen Synagoge, doch die wurde 1950 von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, der neuen Eigentümerin, wegen Baufälligkeit demoliert. Heute erinnert hier eine Gedenktafel an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Fotos

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