Wien – Frauenkirchen – Sankt Andrä am Zicksee
Le Chat à Vélo
May 30, 2026
Ganz Österreich wartet auf den Regen. Wäre es tatsächlich so, dass es immer dann regnet, wenn man gerade keinen Regenschirm dabei oder die Fenster frisch geputzt hat, hätten die Landwirt*innen ihre Schirme schon verbrannt und jedes noch so kleine Stallfenster mit Rehleder und Clin streifenfrei gewienert, Bringt nur leider nichts und wir sind hier im Osten noch relativ gut dran mit “nur” 30-40% Niederschlagsverlust im Frühling. Künstliche Bewässerung ist also angesagt, sogar der Wein bekommt tröpfchenweise sein Wasser. Wenn das die Reben auf Lanzarote wüssten, dass man das auch so einfach haben kann und nicht metertief ins Vulkangestein wurzeln muss! Unser Ziel ist heute eine weitere der sieben jüdischen Gemeinden des Burgenlandes, Frauenkirchen, vielen vermutlich wegen seiner Wallfahrtskirche bekannt. Hier gab es bis 1938 eine zu ihren Hochzeiten im 19. Jahrhundert über 800 Personen umfassende jüdische Gemeinde unter dem Schutz der Esterházy. Bis zum Frühjahr 1938 waren schon viele Familien aus dem Burgenland weggezogen, den Rest der Gemeinde vernichteten die burgenländischen Nationalsozialisten binnen weniger Wochen. Die Menschen wurden gezwungen ihr Vermögen abzugeben und dann aus dem Land vertrieben. Mindestens ein Drittel von ihnen überlebte die Verfolgung nicht, von einem weiteren Drittel weiss man es nicht. Soweit, so ähnlich die Geschichten aller bisher besuchten Gemeinden, doch in einem Punkt ist Frauenkirchen anders. Hier hat sich ein engagierter Verein dafür eingesetzt, dass eine Gedenkstätte für die Opfer und Vertriebenen errichtet wird. Die heisst “Garten der Erinnerung” und besteht aus den überdachten und verglasten Ausgrabungen der 1840 abgebrannten Synagoge des Ortes, bronzenen Thora-Rollen auf einem Betonkubus als Bima und einer Wand mit den Namen der vertriebenen und ermordeten Frauenkirchner Familien. Dazu gibt es noch eine Webseite mit lesenswerten Biographien von ganz normalen Frauenkirchner jüdischen Menschen und Familien, auf der auch die Geschichte und Bedeutung der Gedenkstätte nachzulesen ist. Den Nachfolgebau der abgebrannten Synagoge gibt es heute nicht mehr, er wurde 1939 zerstört, doch der Friedhof etwas ausserhalb des Ortes ist noch erhalten. Dorthin lassen wir uns von einem plötzlich aufkommenden heftigen Wind treiben. Alle offenen Erd- und Sandflächen werden jetzt zu Staubwolken, die über die Strasse wehen, das ersehnte Gewitter kündigt sich an. Der Friedhof aber ist staubarm, weil von kürzlich geschnittenem Gras bedeckt, zwischen dem rund 1200 Grabsteine stehen. Manche davon ein wenig schief, viele alt und verwittert, aber auch ein paar neue sind darunter, das ganze Gelände umgeben von einer steinernen Mauer, die den Wind abhält und uns ein wenig länger durchs Tor schauen lässt. Mit Frauenkirchen ist der geplante Teil der heutigen Tour zu Ende. Da wir aber nicht 40 Minuten auf den nächsten Zug warten wollen, setzen wir Segel und lassen uns nach St. Andrä treiben, wo die Wartezeit ein wenig kürzer ist. Im Zug fahren wir dann wieder durch Frauenkirchen und sehen feuchte Strassen. Zumindest dieser Ort scheint heute etwas Wasser abbekommen zu haben. Die Fotos
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