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  "textContent": "Wir sind heute etwas unentschlossen, was das Ziel unserer Fahrt anbelangt. Györ könnte nett sein, denken wir zuerst, dann freut uns die Schotterstrecke hinter Parndorf doch nicht. Wenn wir schon ein paar Kilometer zurück fahren, dann können wir doch auch gleich zum See runter fahren. Dort wird uns schnell langweilig, also fahren wir schon vor Pamhagen über die ungarische Grenze, nur um uns gleich noch mehr zu fadisieren, denn so wirklich viel zu sehen gibt es vor Fertöd eigentlich nicht. Trockene Felder, ein paar Reiher und Rinder und an der Strasse Maulbeerbäume. Oder waren die Maulbeerbäume erst später auf der Fahrt? In Fertöd verkauft man uns ein paar Kalorien in Gestalt einer Topfengolatsche, die hier aus Germteig gemacht wird, wie auch beim Burgenländischen Bäcker Naglreiter. In Wien nimmt man dafür ja Plunderteig. Und dann auf nach Deutschkreutz, wieder einmal. In Kopháza probieren wir doch mal eine andere Route, es gibt dort gleich nach der Fahrt unter der Autobahn eine Schotterpiste nach Harka, im Vergleich zu so mancher Nebenstrasse nicht einmal so schlecht zu fahren, nur die letzten Meter bergauf haben die Strassenreifen im Schotter grenzwertig wenig Bodenhaftung. Nach Harka fahren wir deshalb, weil wir uns schon wieder anders entschieden haben: wir wollen nach Lackenbach, ist ja nicht mehr so weit. Ja, wir sind nach 100 Kilometern in den Wind abgebogen und nach 120 Kilometern legen wir dann noch eine Hügelroute nach. Ganz schön blöd, aber wir sind relativ früh aufgebrochen und es wird erst um 21 Uhr langsam dunkel, also haben wir heute Zeit. Lackenbach also. Eine der ausgelöschten Sieben Gemeinden, von der heute im Grossen und Ganzen nur noch der Friedhof vorhanden ist. Er liegt am Hang gleich nach der Ortseinfahrt, von einer Mauer umgeben. Wir machen einen kleinen Spaziergang zwischen den Grabsteinen aus zwei Jahrhunderten. Insgesamt wurden hier über 1700 Personen bestattet, was Lackenbach zu einem der grössten jüdischen Friedhöfe in Österreich macht. Schräg gegenüber dem Friedhof befindet sich ein relativ bescheidenes Denkmal aus schwarzen Steinen. Es erinnert an das “Anhaltelager Lackenbach”, in dem ab 1940 rund 4000 Rom*nja und Sinti*zze unter miserablen hygienischen Bedingungen festgehalten wurden und Zwangsarbeit leisten mussten. Hunderte fielen einer Fleckfieberepidemie zum Opfer, Tausende wurden zur Ermordung ins Ghetto Łódź, viele weitere nach Auschwitz deportiert, nur etwa 10% der Internierten erlebten ihre Befreiung. Die Aufarbeitung durch die Volksgerichte war nachsichtig, die verbliebenen Baracken wurden durch Brandstiftung noch im Jahr 1945 zerstört und das ehemalige Gebäude der Lagerleitung liess man in den 80er Jahren abreissen. Heute erinnert in der Einfamilienhaussiedlung nur noch das oben erwähnte Denkmal an das Lager und seine Opfer. Bei der Suche nach Information über das Lager finde ich Hinweise auf ein gerade erst erschienenes Buch zum Thema – der Bücherstapel auf dem Nachtkasten wird langsam bedrohlich hoch. Die Fotos",
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