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  "publishedAt": "2026-03-15T09:02:20.000Z",
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  "textContent": "Zu BioNTech habe ich eine besondere Beziehung. Im April 2020 erreichte mich eine E-Mail der CRS Clinical Research Services in Berlin, die Probanden für einen experimentellen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 suchten. Mit viel Neugier und ohne große Bedenken meldete ich mich an und leistete so meinen Beitrag, dass wir diese verdammte Pandemie und die zahlreichen Einschränkungen viel schneller als gedacht hinter uns lassen konnten.\n\nDie Story der beiden Gründer, Prof. Dr. Özlem Türeci und Prof. Dr. Uğur Şahin beeindruckte mich sehr. Als der erste große Hype um BioNTech verflogen war, holte ich mir ein paar Aktien vom Unternehmen in der Annahme, dass BioNTech mit der erwiesenen Expertise der Gründer, ihrer Vision und dem Cashflow aus dem Impfstoff im Rücken zu einem der größten Biotech-Konzerne der Welt reifen könnte. Diese Zukunftsperspektive ist nach den Ereignissen der vergangenen Woche aus meiner Sicht hinfällig.\n\n\n\nChief Medical Officer Prof. Dr. Özlem Türeci und CEO Prof. Dr. Uğur Şahin haben unerwartet mitgeteilt, BioNTech zu verlassen und ein neues Unternehmen gründen zu wollen - um wie sie sagen - ihre Forschungsarbeit fortzusetzen und „die nächste Generation bahnbrechender Innovationen zu erschließen“.\n\nDie weiterführenden Erklärungen, die der überraschten Öffentlichkeit in Interviews serviert wurden, klingen für mich nur leider so unglaubwürdig wie eine schlecht vorbereitete PR-Nummer: „BioNTech konzentriert sich jetzt auf die Spätentwicklung und den Weg zur Kommerzialisierung. Dadurch haben wir aktuell nur einen Bruchteil unserer Zeit, den wir wirklich für die nächste Generation disruptiver Innovationen nutzen können“, so die Aussagen von Herrn Şahin in Handelsblatt und Wirtschaftswoche.\n\nMir ist das vollkommen unbegreiflich: Wenn die BioNTech-Gründer sich ganz auf Forschung konzentrieren wollen, hätte man ihnen das sicher eingeräumt. Ihre Vorstandsverträge enden ohnehin in diesem Jahr, ein Rückzug in ein Forschungsteam innerhalb des Konzerns wäre möglich gewesen. Wer hätte Ihnen das verweigern wollen? Auch die Aktionäre hätten diese Lösung wahrscheinlich gutgeheißen. Herr Şahin sagt im Interview: „Wir haben in den letzten zwölf Monaten strategische Gespräche geführt und verschiedene Modelle beleuchtet. Die Neugründung ist das Ergebnis, das alle unterstützen.“ Das beste Ergebnis haben dann wohl nicht alle unterstützt und die Frage, wer mit “alle” eigentlich gemeint ist, möchte man außerdem stellen.\n\n„Wir glauben, dass dieser Plan sowohl für BioNTech als auch für das neue Unternehmen einen erheblichen Mehrwert bieten kann“, behauptet der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Jeggle, was ich für eine ziemlich dreiste Lüge halte. Welchen Mehrwert sollte diese angestrebte Lösung für BioNTech bieten - im Vergleich zur anderen Variante, dass Şahin und Türeci einfach bei BioNTech bleiben und ihre Forschungsarbeit mit beinahe unbegrenzten Ressourcen an Wissen, Personal und finanziellen Mitteln weiterführen und alle Aktionäre wie erwartet davon gleichermaßen profitieren?\n\nBei einer Neugründung starten sie abgesehen von ihren Eigenmitteln erstmal bei Null und wollen dann, um ihre Arbeit auf demselben Fachgebiet nahtlos fortsetzen zu können, das geistige Eigentum und Ressourcen von BioNTech nutzen. Das alles muss in einen vertraglichen Rahmen gebracht werden, dem ganz zwangsläufig die Gefahr innewohnt, dass BioNTech-Aktionäre hier massiv übervorteilt werden. Auch wenn BioNTech im Gegenzug am neuen Unternehmen eine Beteiligung erhalten soll, wird immer unklar bleiben, ob hier ein fairer Ausgleich stattgefunden hat - allen Verträgen und Gutachten zum Trotz. Ich habe mich daher in den vergangenen Tagen wiederholt gefragt, warum das von der gesamten deutschen Wirtschaftspresse überhaupt nicht kritisch kommentiert wird?\n\n„Die kluge Entscheidung von Şahin und Türeci“, titelt die FAZ. „Wie fühlt es sich an, die Verantwortung von BioNTech Ende des Jahres abzugeben?“, fragt das Handelsblatt, „Wissen Sie schon, wie viel Geld Sie (durch den Kurssturz) verloren haben?“, fragt ernsthaft die Wirtschaftswoche. Eine bodenlose Frechheit den Aktionären gegenüber, die mit dieser Hiobsbotschaft und einem Kurssturz konfrontiert auf Antworten hoffen. Statt ernsthaften, kritischen Fragen gibt es Boulevardjournalismus und Hofberichterstattung. „Die Entscheidung mag für viele Beobachter und die Märkte ein Schock gewesen sein, schrieb gestern nochmals die FAZ, ohne mit nur einer einzigen Zeile in diesem seitenlangen Text auf die Belange der Aktionäre einzugehen.\n\nDiese sind hierzulande aufgrund der Börsennotiz an der NASDAQ sowieso weitgehend machtlos: Obwohl BioNTech seinen Sitz in Deutschland hat, haben wir keine Aktionärsrechte im Sinne des Aktiengesetzes, heißt es dazu in der Einladung zur virtuellen Hauptversammlung. Grund: Die Namensaktien sind gar nicht an der Börse notiert und wir sind nur Inhaber sogenannter American Depository Shares. Bei BioNTech ist es letztlich wie bei allen anderen börsennotierten Unternehmen auch: Läuft alles gut, interessieren sich die wenigsten Aktionäre für ihre Rechte, läuft etwas gewaltig schief oder gibt es erheblichen Klärungsbedarf, vermissen die Anteilseigner ihre für selbstverständlich gehaltenen Eigentumsrechte. Das Geld der Aktionäre nimmt man gern, aber ansonsten sollen sie bitte nicht weiter stören. Auch vom Deutschen Corporate Governance Kodex wird man in Mainz gehört haben, aber folgen will man ihm natürlich nicht: Der Aufsichtsratsvorsitzende Jeggle und sein Kollege Michael Motschmann hätten das Gremium wegen ihrer überlangen Amtszeit von 18 Jahren schon längst verlassen müssen und gelten somit nicht mehr als unabhängig. Gerade jetzt wäre Unabhängigkeit besonders wichtig.\n\nAuch die Weld am Sonntag widmet sich heute nochmals auf einer ganzen Seite dem Thema. Statt eines kritischen Blicks auf das hier gefährdete Eigentum der Aktionäre gibt es Heldenverehrung und unkritisches Blabla: „Auf den letzten Metern in der klinischen Forschung geht es weniger um visionäre Ideen als vielmehr um Zulassungsstrategien, Vertriebskonzepte und globale Vermarktung“, heisst es da. Gerade so, als ob es keine großen und erfolgreichen Biotech-Konzerne wie Amgen oder Regeneron gäbe, die einerseits ihre Forschung vorantreiben und gleichzeitig die Kommerzialisierung ihrer Produktentwickungen durchführen können.\n\nEs sei schade, dass die Gründer das Unternehmen verlassen, aber überlebenswichtig sei ihr Verbleib nicht, darf ein Vermögensverwalter noch in der Weld sagen. Doch das ist eine gravierende Verharmlosung der Situation. BioNTech hat eine gut gefüllte Entwicklungspipeline, außer dem Comirnaty-Impfstoff aber bisher kein weiteres Produkt auf den Markt gebracht. Ob danach die weitergehende Ausrichtung des Konzerns überhaupt richtig war, ist bisher völlig unbewiesen. Zwischenergebnisse aus klinischen Studien sind am Ende irrelevant, es zählt nur die erfolgreiche Zulassung und der kommerzielle Erfolg. Nichts davon hat das Unternehmen bisher erreicht. Somit erfolgt der Weggang der Gründer zur Unzeit.\n\n„Wie sollte ein neuer CEO aussehen?“ fragt sich die Weld noch zum Schluss. Warum der neue CEO nicht ausgewählt wurde, bevor man diese Zirkusnummer seinen Aktionären präsentiert, würde mich viel mehr interessieren. Die Antwort darauf könnte möglicherweise zum wahren Grund dieses PR-Desasters führen, den wir bisher nicht kennen. In allem, was wir bisher erfahren haben, steckt allenfalls die halbe oder vielleicht auch gar keine Wahrheit, davon bin ich überzeugt. „Es sei kein positives Szenario vorstellbar, weshalb die beiden Unternehmensgründer in dieser Situation das Unternehmen verlassen würden.“, sagt Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment. So ist es.\n\n_(In einer fr üheren Version des Artikels hieß es, es werde gar keine HV nach deutschem Recht abgehalten - das ist so nicht richtig. Danke für den Hinweis, .) _",
  "title": "BioNTech: Verrat in Mainz"
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