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"description": "Ich habe vor ein paar Tagen über Rainer Seeles Wiener Auftritt als Manager der Emirate-Firma XRG geschrieben. Danach habe ich zwei Podcastfolgen gehört, die unterschiedliche Aspekte des Netzwerks beleuchten, für das Seele tätig ist – auch wenn in ihnen weder von der OMV noch von der XRG die Rede ist. Sie zeigen, wie problematisch die Pfade sind, von denen sich der östereichische Staat, der die OMV kontrolliert, jetzt noch abhängiger macht: Die Vereinigten Arabischen Emirate, denen über die XRG 24,9% der OMV-Anteile und in Zukunft die Hälfte der Anteile an der Chemiefirma Bourouge International gehören werden, sind ein autoritär und brutal regiertes Land, unter ethischen Gesichtspunkten genauso zu verurteilen wie der OMV-Expartner Russland. Die Plastikindustrie, in der Bourouge International als globaler Player agieren wird, hat ökologisch und sozial nicht weniger katastrophale Folgen als das Verbrennen von Öl und Gas, mit denen die OMV und die Emirate bisher das meiste Geld machen.\n\n […]",
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"publishedAt": "2026-04-19T14:29:17.000Z",
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"textContent": "Ich habe vor ein paar Tagen über Rainer Seeles Wiener Auftritt als Manager der Emirate-Firma XRG geschrieben. Danach habe ich zwei Podcastfolgen gehört, die unterschiedliche Aspekte des Netzwerks beleuchten, für das Seele tätig ist – auch wenn in ihnen weder von der OMV noch von der XRG die Rede ist. Sie zeigen, wie problematisch die Pfade sind, von denen sich der östereichische Staat, der die OMV kontrolliert, jetzt noch abhängiger macht: Die Vereinigten Arabischen Emirate, denen über die XRG 24,9% der OMV-Anteile und in Zukunft die Hälfte der Anteile an der Chemiefirma Bourouge International gehören werden, sind ein autoritär und brutal regiertes Land, unter ethischen Gesichtspunkten genauso zu verurteilen wie der OMV-Expartner Russland. Die Plastikindustrie, in der Bourouge International als globaler Player agieren wird, hat ökologisch und sozial nicht weniger katastrophale Folgen als das Verbrennen von Öl und Gas, mit denen die OMV und die Emirate bisher das meiste Geld machen.\n\nDie OMV stellt sich – wie das Emirate-Unternehmen Adnoc, das in der XRG seine Beteilungen bündelt – gern als postfossile Firma in spe dar. Tatsächlich baut man die fossilen Geschäfte nach Kräften aus. Gleichzeitig wird man zu einem Hauptakteur bei der Verschmutzung des Globus mit Plastik, für die man mit dem Narrativ der Kreislaufwirtschaft Greenwashing betreibt.\n\nDer erste der beiden Podcasts (Coldwell & Iqbal, 2026) erzählt eine Geschichte, die ich mir gut als Film oder auch als ein düsteres Märchen vorstellen kann: Ein englischer Unternehmer zieht nach Dubai. Dort hat er so viel Erfolg, dass sogar der Emir auf ihn aufmerksam wird und ihm zum Geburtstag einen kleinen Tiger schenkt. Trotz der vielen Millionen, die er mit seinem Partner einnimmt, verschuldet sich der Unternehmer, wird nach den lokalen Gesetzen als Verbrecher verurteilt, verbringt lange Zeit im Gefängnis, wo er gefoltert und schwer misshandelt wird, und kommt nur durch eine aufwändige Kampagne seiner Verwandten wieder frei. Die britische Botschaft unternimmt nichts für ihn. Sie will die guten Beziehungen Großbritanniens (Boris Johnson hat London einmal als „achtes Emirat“ bezeichnet, Hunter, 2013) nicht belasten. Der Guardian hat über dieselbe Geschichte auch eine Reportage veröffentlicht (Coldwell, 2026).\n\nDer zweite Podcast (Gontard & Triou, 2026) ist ein Interview mit der französischen Wissenschaftlerin Nathalie Gontard, die sich in ihrer ganzen Karriere mit den Möglichkeiten des Plastik-Recycling beschäftigt hat. Sie ruft zum völligen Verzicht auf Plastik auf, das nicht vollständig abbaubar ist – und das gilt für fast alles derzeit produzierte Plastik. Gontard zufolge kann konventionelles Plastik grundsätzlich nicht „recycelt“ werden, da seine Bestandteile nicht Teil der biochemischen Zyklen werden können. Als Mikro- und Nanoplastik belastet es die Umwelt über Generationen. Selbst wenn Plastik wiedergenutzt wird, werden bei Produktion und Nutzung große Mengen von Plastikpartikeln frei. Gontard hat Alternativen – aus biologischem Material gewonnenes Plastik das vollständig biologisch abbaubar ist – untersucht, die benutzt werden können, wo man Plastik nicht ersetzen kann. Das aus Erdöl und Erdgas gewonnene Plastik, mit dem Firmen wie Bourouge ihre Geschäfte machen, lässt sich so nicht abbauen. Von diesem umweltschädlichen Plastik werden pro Kopf der Weltbevölkerung jährlich 60-70 kg produziert und verbraucht. (Der Podcast ist französisch; die wichtigsten Aussagen entsprechen denen in diesem Video, Gontard, 2021, dessen Untertitel sich via YouTube übersetzen lassen.)\n\nDie OMV und Rainer Seele verkaufen uns die Kooperation mit den Emiraten und die Beteiligung Österreichs an einem Chemiegiganten als große wirtschaftliche Chance – so wie sie das Geschäft mit russischem Gas als Beitrag zum Wohlstand Österreichs verpackt haben. Tatsächlich schaffen sie weitere Abhängigkeiten, von denen kleine Gruppen profitieren, und die katastrophale Konsequenzen für zukünftige Generationen haben werden – ganz abgesehen von den Folgen der aktuellen Politik der Emirate vor allem in Afrika (siehe u.a. dazu die Boycott UAE-Kampagne). Der Guardian-Podcast zeigt, dass die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Emiraten es sehr schwer macht, die Opfer ihrer Politik zu schützen, selbst wenn es sich um unschuldige Bürger des eigenen Landes handelt. Der Podcast mit Nathalie Gontard macht sichtbar, dass die Branche, in der die OMV ihre Zukunft sieht, genauso zum globalen Ökozid (oder _Terrazid_) beiträgt wie die fossile Energiebranche.\n\nIch habe auf die Verwicklungen von OMV und Emiraten schon öfter hingewiesen, unter anderem am Beispiel Karl Roses, der wie Rainer Seele in den Medien gern als „Energieexperte“ bezeichnet wird. Durch die beiden Podcasts sind mir neue Dimensionen dieses Komplexes deutlich geworden. Die Verbindungen zwischen der OMV (und damit dem österreichischen Staat) und den Emiraten werden in den Medien nur selten thematisiert. Dabei bestimmen sie die geopolitische Situation Österreichs mit – und hier ist Österreich nicht nur passiv betroffen, sondern einer der Akteure.\n\nColdwell, W. (2026, April 5). “I was beaten and tortured”: how a British father and son made a fortune in Dubai then became wanted men. _The Guardian_. https://www.theguardian.com/world/2026/apr/05/british-father-son-dubai-fortune-wanted-men-prison-beaten-tortured\n\nColdwell, W. (Guest), & Iqbal, N. (Host). (2026, April 16). _When the “Dubai dream” goes wrong_ [Broadcast]. The Guardian. https://www.theguardian.com/news/audio/2026/apr/16/when-the-dubai-dream-goes-wrong-podcast\n\nGontard, N. (Guest). (2021, November 23). _Plastique : le grand emballement | Webinaire avec Nathalie Gontard_ [Video recording]. https://www.youtube.com/watch?v=RmbmjSOIEc0\n\nGontard, N. (Guest), & Triou, N. (Host). (2026, April 15). _Nathalie Gontard : peut-on en finir avec le plastique ?_ [Broadcast]. https://www.radiofrance.fr/franceculture/podcasts/la-science-cqfd/nathalie-gontard-peut-on-en-finir-avec-le-plastique-6283890\n\nHunter, G. S. (2013, April 16). Boris Johnson in UAE: I’m mayor of the eighth emirate. _The National_. https://www.thenationalnews.com/uae/government/boris-johnson-in-uae-i-m-mayor-of-the-eighth-emirate-1.369132",
"title": "Schmutzige Partner und fossile Pfadabhängigkeit: OMV und XRG",
"updatedAt": "2026-04-19T14:33:28.000Z"
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