Ein Blick hinter die Kulissen: Wie rezensiert der Troll?
Ein nicht zu unterschätzender Teil meines Blogs sind, neben Abenteuern, Ideen, Grundsatzartikeln usw., Rezensionen. Daher, und weil ich möglichst authentisch und transparent sein möchte, will ich euch nun kurz hinter die Kulissen des Blogs entführen und zeigen, wie ich Rezensionen schreibe.
Woher kommt mein Material?
Bis auf wenige Ausnahmen, die ich dann auch in der jeweiligen Rezension deutlich mache, habe ich mir das Zeug, über das ich schreiben will, selbst von meinem Geld gekauft. Ich bekomme für die Rezension keine Belegexemplare, Rabatte, Goodies oder Geld. Mein Ziel ist es, möglichst unbeeinflusst meine Meinung zu einem Rollenspielprodukt, Buch oder Film in die Weiten des Internets auszupusten. Ich möchte authentisch sein, kein gedungener Schreibmietling.
Manchmal setze ich Affinity-Links zu Amazon, vor allem, wenn es um Serien oder Filme geht. Da aber mein Blog geringe Aufrufzahlen hat und die Links dann entsprechend selten geklickt werden, habe ich bisher höchstens im Cent-Bereich verdient.
Wenn mir dann jemand mal was zuschickt und um eine Rezension bittet, dann mache ich das auch kenntlich. Ich lasse mich aber davon nicht kaufen, meine Stimme wird genauso kritisch sein wie bei selbst gekauftem Material, wenn nicht sogar kritischer. Wie gesagt, Authentizität und Transparenz sind mir wichtig.
Was ist mein Material?
Ich werde im Folgenden oft den Begriff Medium verwenden. Medium … das kann alles sein. Ein Rollenspielbuch. Ein Abenteuer. Ein YouTube-Video über einen Sumpf mit komischem Namen. Ein Gegenstand. Ein Song. Kurz, alles, was irgendwie bei mir Kopfkino auslöst.
Warum ich Sterne und Punktesysteme scheiße finde und sie nicht bei meinen Rezensionen verwende
Weil ich sie unehrlich und ungenau finde. Ich bin ja Lehrer an einer Berufsschule in Bayern, ich weiß also aus erster Hand, wie Benotung funktioniert und wo die Schwächen des Systems sind. Lasst es mich erst einmal anhand von Schulnoten erklären, bevor wir dann das auf meine Rezensionen übertragen.
Wenn ein Lehrer beispielsweise eine Schulaufgabe erstellt, dann entwickelt er gleichzeitig eine Musterlösung mit und weist einzelnen Aufgaben eine bestimmte Anzahl von Punkten zu. Die Punkte werden dann anhand eines bestimmten Schlüssels in Noten umgerechnet.
Sehen wir uns mal den Bereich zwischen 1,4 (gerade noch eine 1) und 1,5 (leider keine 1 mehr) an. Als Lehrer kann ich natürlich sagen, dass ich hier meine Musterlösung habe und dort die Lösung der Schüler und wenn es nur 91,5 Punkte sind, dann sind es 91,5 Punkte. Als Lehrer könnte ich mich auch fragen, ob die Schulaufgabe des Schülers A wirklich um so viel besser ist, dass er eine 1 bekommt und die Lösung des Schülers B wirklich eine ganze Notenstufe schlechter ist. Auch wenn man weggeht von den klassischen Noten hin zu einem Bewertungsschema mit Basis 10 oder 100 – besser wird es dadurch nicht. Noten gaukeln eine Objektivität vor, die es imho gar nicht gibt. Mit Sternen als Bewertungskriterium wird das Ganze nicht besser, zumal es in einigen Systemen so ist, dass keine 0 Sterne vergeben werden können. Zudem bespreche ich auf meinem Blog die unterschiedlichsten Medien. Kann ich die alle gleich behandeln, mit der gleichen Notenmatrix? Ist „Krieg und Frieden“ gleich gut wie der Hase von Dürer? Ein Gemälde von Klimt das gleiche wie eine Zeichnung von Picasso?
Hier auf meinem Blog rezensiere ich kreative Sachen: Bilder, Videos, Lieder, Texte, Ideen! Meiner Meinung nach lässt sich so etwas nicht in ein Bewertungsschema pressen.
Wie der Troll stattdessen bewertet
Wenn ich eine Rezension schreibe, dann gehe ich mit einer zentralen Fragestellung ran: Was kann ich fürs Rollenspiel mitnehmen? Oder für die Bewertung anderer Medien? Oder fürs Leben?
Bei Rollenspielprodukten können das bestimmte Regelmechaniken sein, die ich spannend finde, bei Abenteuern bestimmte Dungeons, bestimmter Loot usw.
Bei Filmen fallen mir bestimmte Szenen ins Auge, die es wert sind, ins Spiel eingebaut zu werden. Szenen, die Inspiration sind. Szenen, die Emotionen auslösen.
Einige Songs eignen sich als Hintergrundsong für eine Session, andere sind vom Text her oder vom Video so inspirierend, dass ich darüber reden möchte.
Ich schreibe aber nicht nur über das, was cool, interessant und wert ist, ins eigene Spiel übernommen zu werden, ich schreibe auch über verpasste Chancen, halbgare Ideen oder richtige Fehler und Plotkatastrophen. Wichtig dabei ist mir vor allem, wie ich die Potenziale heben kann oder wie sich Fehler vermeiden lassen.
Manchmal gewinnt man, manchmal gewinnt man nur an Erfahrung. Das ist eines meiner Lebensmottos, das versuche ich auch in meinen Rezensionen einzubauen.
Auch wegen dieser Art, wie ich an eine Rezension herangehe, kann ich keine Punktwertung geben. Stattdessen schreibe ich lieber ein Fazit, eine Zusammenfassung, was ich gut und was ich so meh finde, eine Gefühlslage.
Was sollen meine Rezensionen sein?
Meine Rezensionen sind weniger Hilfe bei einer Kaufentscheidung oder ein Produktranking. Meine Rezensionen sollen der Ausgangspunkt für eigene Überlegungen, für eigene Abenteuer, Hacks, Retroklone oder andere Medien sein. Für mich als den Typen, der sich mit dem Medium auseinandersetzt, für dich, der meinen Erguss lesen möchte. Ein Tor in die Kreativität. Und wenn es bloß ein „Aha, so kann man das machen“ ist, das ich euch entlocke, dann habe ich mein Ziel mit meiner Rezension schon erreicht. Meine Rezensionen sind subjektive Essays über bestimmte Medien. Manchmal vielschichtig, manchmal eher flach. Aber ehrlich.
Der Troll kann ja viel erzählen, höre ich dich sagen, doch wie sieht es denn in der Realität aus? Nun, ich will hier auf vier Rezensionen verlinken, die ich die letzten Jahre geschrieben habe und die meinen Standpunkt verdeutlichen.
Zunächst die Rezension von Slave Borg. Ich mag dieses Rollenspiel und finde es richtig gut.
Als Nächstes eine Rezension, zu der ich das Produkt vorab als PDF bekommen habe. Der Lange Weg aus der Dunkelheit ist ein super OSR-Spiel
Eine Hassliebe verbindet mich mit „In den Fängen des Dämons“. Das kann man aus meiner Rezension herauslesen. Trotzdem… auch hier ist etwas, was man nehmen, verbessern, umbauen kann. Auch hier sind Perlen versteckt.
Ich bin Ally, mir sind auch queere Positionen wichtig. Hier rezensiere ich queer*welten, und zwar die Hexen-Ausgabe.
Auch Filme interessieren mich, hier ein Link zu einem Film, der mich emotional gefordert hat. Der Pumukel-Film.
Fazit
Ich habe euch gezeigt, wie ich an eine Rezension herangehe. Ich hoffe, für euch war das ein gewinnbringender Blick hinter die Kulissen. Ich freue mich schon auf die nächsten Rezensionen, mein Pile of Shame ist gewaltig!
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