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"textContent": "Unsere Leben können anstrengend sein und es kommt nicht selten vor, dass sich diese Tatsache auf eines meiner liebsten Hobbys – nämlich Pen & Paper Rollenspiel – auswirkt. ich erlebe nicht selten, dass Spielrunden nicht stattfinden können, weil einzelne Personen ausfallen, gerade unter der Woche.\n\n### Rollenspiel ist (auch) anstrengend!\n\nEhrlich: Das beste Hobby der Welt – Rollenspiel – kann anstrengend sein. Onlinerunden insbesondere erfordern eine Menge Konzentration, insbesondere, wenn man tagsüber viele Stunden am Bildschirm gearbeitet hat, wie ich es leider bei mir beobachte. Es ist anstrengend, sich nach einem langen Tag abends nochmal auf den Weg zu einer Runde zu machen. Gerade traditionelle Rollenspiele wie zum Beispiel _Pathfinder_ mit seinem hochtaktischen Kampfsystem kann man nicht einfach „nebenbei“ spielen, Erzählspiele erst recht nicht. Es ist nicht Konzentration allein gefordert, Rollenspiel erlebe ich als eine intensiv soziale Sache, die — je nach Runde, je nach Spiel, je nach persönlicher Situation — emotional fordernd sein kann und das bisweilen bewusst will.\nDas kann an manchen Tagen zu viel sein.\n\n### Es ist komplett okay, wenn ein Termin nicht stattfindet\n\nIch habe solche Tage und dann setze ich einen Termin aus. Wenn aber aus diesem Grund eine Spielrunde ausfällt, bekomme ich zuverlässig ein schlechtes Gewissen. Klar: Ich weiß, dass mein Wohlbefinden wichtiger ist als ein Spiel, aber dennoch: Die anderen haben sich auf den Abend gefreut und ich bekomme damit schnell ein schlechtes Gefühl. Am Ende habe ich aber das Glück, in Runden zu spielen, in denen mit solchen Tagen gut umgegangen wird.\n\nIch beobachte, dass häufig Menschen mit bestimmen Eigenschaften ausfallen: Eltern, Personen mit chronischen Erkrankungen, Personen mit emotional fordernden Berufen, Leute die einfach viel arbeiten. Menschen, mit denen ich spielen will und die Teil des Hobbys, unserer Community sein sollen.\n\nWir kennen es alle nur zu gut: Terminfindung ist eine der größten Herausforderungen unser Hobby und jedesmal, wenn eine Termin ausfällt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Runde aus purem Terminfrust die Lust verliert und auseinander bricht. Ich möchte gern, das Leute auch an schlechteren Tagen an Spielrunden teilhaben können, **wenn sie das denn wollen**.\n\nFakt ist: Spielrunden leiden unter Ausfällen und Abmeldungen. Ich kann definitiv die Motivation hinter strengen bis drakonischen Anwesenheitspflichten verstehen — „Wer zweimal in Folge nicht erscheint, ist automatisch raus“ oder ähnlich — aber die Lebensrealitäten vieler Menschen machen diese Art von Vorhersehbarkeit und Termintreue unmöglich. Mir ist wichtiger, mit Menschen zu spielen, die ich mag als mit Menschen, die funktionieren wie Uhrwerke. Aber es ist wichtig, dass kein Frust aufkommt.\n\n### Voraussetzungen für gute Spielrunden schaffen\n\nPen & Paper Spielrunden schaffen eine intensive soziale Situation, die von den Spieler*innen eine Menge Aufmerksamkeit, Flexibilität und Denkarbeit erfordert. Wir lassen uns bewusst darauf ein, mit immer neuen herausfordernden Situationen konfrontiert zu werden – das ist das Spiel.\n\nIch setze voraus, dass die üblichen Voraussetzungen für eine gute Spielsitzung getroffen wurden:\n\n * Sicherheitsmechanismen sind bekannt und wurden eingesetzt\n * Alle fühlen sich willkommen und werden gehört\n * Alle am Tisch haben sich dazu entschlossen, gemeinsam zu spielen und haben sich auf ein passendes Spiel geeinigt\n * Alle am Tisch haben sich auf einen Spielstil und eine Spielstimmung verständigt\n * Allen sind die Spieltermine wichtig.\n * Alle wissen, dass es in Ordnung ist, wenn jemand aus unterschiedlichsten Gründen ausfällt. Niemand muss sich rechtfertigen. Auch nicht, wenn das während des laufenden Spiels vorkommt.\n\n\n\nAn manchen Tagen könnte es aber dennoch nicht für alle am Tisch passen:\n\n * Man hat einfach nicht die Energie, sich über Stunden zu konzentrieren\n * Die Spielstimmung passt heute nicht. Manche Tage sind nicht der richtige Zeitpunkt für düstere, hoffnungslose Spielwelten, zu anderen Zeiten ist man nicht in der Laune für allzu viel Albernheiten.\n * Es gibt Tage, da ist man gern lediglich _dabei_ , aber will vor allem zuhören und persönlich nicht so gefordert werden. Das „Spotlight“ zu bekommen und im in der Folge zeitweise im Mittelpunkt zu stehen – das fühlt sich nicht jederzeit für alle gleich gut an. Bisweilen fühlt es sich überhaupt nicht gut an. Das sind alles gute Gründe, einen Termin ausfallen zu lassen und das zu tun ist nicht selten richtig. Aber gibt es nicht Möglichkeiten, die Anforderungen einer Spielrunde anzupassen und trotzdem eine gute Zeit miteinander zu haben? Tipps aus der Community Ich habe vor einer Weile über meinen Mastodon Account um Vorschläge gebeten, wie Andere in solchen Situationen vorgehen. Es gab höchst unterschiedliche Antworten, die ich hier versuche zusammenzufassen:\n * Alternative Spiele oder Aktivitäten vorplanen, damit man auf jeden Fall in Unterbesetzung zusammen Spaß hat, Rundenausfälle sollten möglichst verhindert werden.\n * Einen übersichtlich(er)en oder vereinfachten Charakterbogen verwenden\n * Ein weniger forderndes Genre verwenden (Die _World of Darkness_ , Spiele wie _Delta Green_ und das Genre Dark Fantasy sind klassische Beispiele für potentiell belastende Inhalte)\n * Anforderungen an Regel- und Settingkenntnisse möglichst niedrig halten\n * In Onlinerunden mehr Kopfrechnen und „von Hand“ würfeln anstelle automatisierte Charakterbögen zu verwenden, um Abwechslung zu bekommen\n * In Onlinerunden möglichst Automatisierungsfunktionen verwenden, um Kopfrechnen zu vermeiden und Anforderungen an die Konzentration zu erleichtern\n * Regelleichtere Spiele verwenden, dann wird weniger Wissen vorausgesetzt und man kann Probleme im Dialog klären\n * Regelintensive Spiele verwenden, dann gibt es für viele Situationen eine klare Vorgehensweise und weniger Diskussionen\n * Visualisierungshilfen wie Miniaturen, Handouts, Karten\n * Die Spielleitung sollte zwischenzeitlich zusammenfassen, was der aktuelle Stand ist. Es ist für viele Spielende unangenehm zu fragen, was gerade los ist.\n * Die Spielleitung sollte mögliche Handlungsoptionen vorschlagen\n * Online nicht mehr als 2 bis 3 Stunden Spieldauer ansetzen, nicht mehr als 3 Mitspielende plus SL\n * Alle 45 bis 60 Minuten Pausen machen (insbesondere in Onlinerunden)\n * Episodenhafte Inhalte und weniger epische Storylines, deren Kenntnis vorausgesetzt wird\n * Aufgaben wie Initiative verwalten, Regeln nachschlagen, Pausen timen werden auf verschiedene Personen verteilt\n * In großen Runden mit unvermeidlichem „Leerlauf“ leise Beschäftigungsmöglichkeiten überlegen, die dich im Gegensatz zum Smartphone nicht total ablenken — bring dein Strickzeug oder deinen (leisen) Rubikwürfel mit!\n\n\n\nIch war nicht überrascht, dass sich manche Vorschläge direkt widersprechen. Leute sind unterschiedlich, Spielrunden sind unterschiedlich. Wichtig ist in allen Fällen, dass über Sachen geredet werden kann.\n\n### Meine Vorschläge\n\n * Die Spielleitung sollte nicht zu viel vorbereiten, sondern aus meiner Sicht gerade so viel, damit sie sich sicher fühlt. Ein Zuviel fühlt hier nicht nur zu enormen persönlichen und zeitlichen Aufwand, sondern weil unweigerlich nur ein Teil der vorbereiteten Inhalte am Spieltisch stattfindet, kann solches Vorgehen schnell zu Frust führen.\n * Nachfragen, ob eine andere Mitspieler*in zustimmt, wenn ihre Spielfigur/Charakter in eine Situation einbezogen wird. _Consent is King_ , auch im Rollenspiel.\n * Die SL kann in sich abgeschlossene Episoden einplanen, an deren Ende die Gruppe am Einstiegsort für den nächsten Termin bereitsteht. Möglichkeiten sind Rückblenden in frühere Zeiten („Flashbacks“), überraschende Zeitreisen… je nach Genre ist da einiges möglich.\n * Knabberzeug und Getränke organisieren. Am besten Gemüse, Obst oder Nüsse, möglichst kein Alkohol. Durch Kopfarbeit wie Rollenspiel ist man schneller unterzuckert als erwartet und die Konzentrationsfähigkeit leidet.\n * Zu Beginn nicht sofort anfangen, sondern ein wenig plaudern und alle richtig ankommen lassen. Abfragen, wie sich alle in der Runde aktuell fühlen. Auf Grundlage dessen die Runde anpassen — evtl. mehr Pausen einplanen, Spieldauer verkürzen.\n * Karteikarten oder wiederverwendbare Plastikkarten verwenden, um NSC-Namen und andere Begriffe schriftlich festzuhalten und für alle sichtbar zu machen. Wir haben in einer Runde zu diesem Zweck ein riesiges Whiteboard dafür!\n * Eine Onlineplattform wie ein Wiki oder ein spezialisiertes Portal verwenden, um Spielzusammenfassungen, Informationen zu Spielwelt wie Lokalitäten oder NSC festzuhalten. So ist es leichter, auf dem Laufenden zu bleiben.\n * Ablenkungsfaktoren wie Hintergrundmusik vorher besprechen. Was einige „immersiv“ finden, empfinden andere als ablenkend bis nervtötend.\n * Handouts kosten nicht allein der Spielleitung einigen Mehraufwand, können den Spielablauf nachhaltig ausbremsen. Ich würde sie wohldosiert einsetzen.\n * Wenn das Smartphone dringende Aufmerksamkeit erfordert, in der Runde klären, wie damit umgegangen wird (Kurz den Raum zum telefonieren/schreiben verlassen etc.)\n * Feedbacksysteme zum Abschluss wie „Stars & Wishes“ verwenden\n * Termine sollten eingehalten werden, natürlich. Absagen sollten so zeitig wie möglich stattfinden. Wichtig ist mir, dass das Spielende eingehalten wird. „Wir sind gerade im Endkampf, wir bleiben doch noch eine Stunde, ok?“ baut Druck auf, zuzustimmen um nicht „die Runde zu sprengen“. Mögliches „Überziehen“ sollte möglichst früh, spätestens zu Beginn des Termins thematisiert werden.\n * Es gibt Regelwerke, die gut an wechselnde Anzahl von Spielenden angepasst werden können — dazu gehören Werke aus dem eher traditionellen Rollenspiel wie _13th Age_ , neuere OSR-Derivate wie die „Oddlikes“ wie _Electric Bastionland_ , aber auch Spiele mit starken erzählerischen Aspekten wie _Fate_.\n\n\n\n### Und ihr?\n\n\nEs fühlt sich bisweilen wie ein kleines Wunder an, wenn eine Rollenspielrunde regelmäßig und über längere Zeit zusammenkommt. Mich würde sehr freuen, wenn wir mehr kleine Wunder für möglichst viele Leute möglich machen!\nMich würde interessieren, welche von den genannten Ideen für euch sinnvoll ist und insbesondere, wie ihr eure eigenen Runden an die ständig wandelnden Lebenssituationen der Mitspielenden anpasst. Schreibt es doch gern in die Kommentare und ich aktualisiere den Artikel später mit euren Beiträgen.",
"title": "Pen & Paper mit halbleerem Akku",
"updatedAt": "2026-05-28T09:34:10.000Z"
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