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  "publishedAt": "2026-05-20T16:14:24.000Z",
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    "Würfellustbarkeit"
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  "textContent": "Der von mir geschätzte Herr Bartimäus hat zu einer weiteren dieser mir höchst suspekten Blogparaden aufgerufen und kann ich mich dem Ruf der Würfellustbarkeit entziehen? Nein, das ist nicht denkbar.\nEr hat sich ein Thema ausgesucht, zu dem ich einiges zu sagen hätte, denn ich will so unbescheiden sein, mich als erfahrenen Spielrundenruinör zu bezeichnen: _„Drei Dinge, die mir jede Rollenspielrunde versauen.“_\n\nIch als geprüfte Fachkraft will gern einige hilfreiche Ratschläge aus meinem Jahrzehnte alten Erfahrungsschatz dazu beisteuern, wie sehnlich erwartete Spielrunden im Keim erstickt, jahrelange Kampagnen zu einem jähen Ende gebracht und verheißungsvolle OneShots einen beklagenswerten Verlauf nehmen. Ich kann keine Garantie dafür übernehmen, dass die folgenden Ratschläge _jede_ Runde nachhaltig _versauen_ werden, aber diese hier habe ich für euch persönlich ausprobiert und kann für ihre Wirksamkeit bürgen:\n\n  1. **Berate die Spielrunde eingehend und bereichere sie mit deinem unerschöpflichen Wissensschatz.** Welche Runde schätzt es nicht, wenn sie von dir neue Informationen erhält? Wenn du eine Regel _besser_ verstanden hast, teile sie mit – zwar mag die Runde für ungeschulte Beobachter gut funktionieren, aber du weißt es besser: Sie machen das nicht _korrekt_ und diesem Umstand muss Abhilfe geschaffen werden – das zu tun, ist deine Aufgabe, nein: Deine heilige Pflicht. Sie werden zwar murren, sie werden mit bleiernem Schweigen reagieren, die Runde mag die letzte sein oder du magst aus unerfindlichen Gründen beim nächsten Termin nicht eingeladen werden: Aber du hast getan, was du tun musstest. Gute Arbeit.\n\n  2. **Verhindere regelmäßig wiederkehrende Termine mit all deiner Macht.** Freund*in, die Doodle-Abfrage und all ihre datenschutztechnisch weniger bedenklichen Nachfolgerinnen sind deine Verbündeten. Vermittle den Eindruck, dass eine Rollenspielrunde wirklich nur dann stattfinden kann, wenn _wirklich gar nichts anderes_ anliegt, dass eine unter erheblichem Aufwand vorbereitete Runde einfach nichts von Wichtigkeit ist. Wenn man auch spontan ein Stück Kuchen essen kann, wenn man gerade in diesem Moment doch lieber auf dem Sofa sitzen kann oder ein bisschen telefonieren oder sich ansonsten bedauerlichen, hier aber unserer heiligen Mission dienlichen Apps wie dem boshaften TikTok hinzugeben: Gute Gründe, auf keinen Fall der unwichtigsten aller Freizeitaktivitäten nachzugehen: Rollenspiel. Erwartbare wiederkehrende Termine schaffen im schlimmsten Fall eine Regelmäßigkeit, die der Rollenspielverhinderung schnell im Wege stehen kann und verhindern die Glückseligkeit, die nur eine langwierige Termindiskussion an einem Wochentag um 23 Uhr euch schenken kann. Deine Gruppe hat diese Form der Zuwendung verdient.\n\n  3. **Überrasche deine Gruppe mit unerwarteten Besonderheiten deiner Runde.** Es ist nicht anzuraten, genau das zu spielen, was deine Mitspieler*innen erwarten. Sie könnten sich sonst langweilen und sich in Sicherheit wiegen – deine Aufgabe ist es, derlei Empfindungen schon in der ersten Sitzung zu verhindern. Es ist also anzuraten, sie mit neuen Regelwerken zu überraschen: Spiel _Malmsturm_ , aber nicht mit diesen lästigen Fate-Regeln, die dich immer genervt haben, sondern nimm deine eigene PBTA-Variante. Nimm nicht das aktuelle _D &D_, sondern eine ältere Edition, mit der du dich besser fühlst. Ganz wichtig: Die Gruppe darf erst davon erfahren, wenn sie das erste Mal zusammenkommt. Andernfalls wird der Effekt abgemildert und das können wir nicht zulassen – habe Geduld und lass die Gruppe sich mit falschen Erwartungen eingehend auf die Runde vorbereiten.\n_Bonusrunde:_ Eine weitere Variante ist es, ein Spiel soweit durch eigene, im Vorfeld nicht bekanntgegebene Hausregeln abzuwandeln, die du bereits entwickelt hattest, bevor du das Spiel jemals an den Tisch gebracht hast. Es fühlte sich beim Lesen einfach nicht richtig an und du wirst deine Gruppe unzweifelhaft Gutes tun. Bestenfalls ergreifen die Mitglieder die Flucht, bevor ihr mit dem Spiel beginnen könnt. In diesem Fall kannst du über alle Maßen stolz auf dich sein: Du bist auf dem besten Weg, ebenso wie ich eine Fachkraft des Rollenspielruinierens zu werden und du hast der geliebten (vermutlich ehemaligen) Spielrunde geholfen, an ihrer mentalen Flexibilität zu arbeiten. Sie werden dich niemals vergessen und sanft lächeln, wann immer sie sich an dich erinnern.\n\n\n\nIch bin außer mir vor Verzückung darüber, wenn ich euch (und Barti) ein Stück weit auf den einzig richtigen und heiligen Weg bringen konnte: den der Verhinderung unterhaltsamer Rollenspielrunden. Lehrgänge mit Zertifikat biete ich auf Nachfrage an (Preise auf Anfrage. Das wird nicht billig, soviel kann ich hier schon verraten. Aber es lohnt jeden Cent.)\n\n_Nichtsdestotrotz arbeite ich bereits eine Weile an einem längeren Artikel zu dem seltsamsten aller Themen: Wie man Rollenspiel angenehm für alle Beteiligten machen kann. Ihr werdet euch womöglich die Frage stellen, wie um alles in der Welt ich auf diese absurde Idee kommen konnte und ich muss sagen: Ich habe keine Ahnung. Nächstes Mal mehr._",
  "title": "Blogparade: Das Versauen von Rollenspielrunden als hehre Pflicht",
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