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  "publishedAt": "2026-05-01T15:05:51.000Z",
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    "Klassiker des Pen and Paper Rollenspiels",
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    "Die Regeln von WFRP 4e",
    "«Warlock!»",
    "à la Cthulhu",
    "Frust und Lust mit The Enemy Within",
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  "textContent": "#### Die Kampagne «The Enemy Within» oder «Der Innere Feind» für Warhammer Fantasy Roleplay gilt als Klassiker des Pen and Paper Rollenspiels.\n\nThe Enemy Within verbindet eine dichte Atmosphäre mit einer mit der grossen Kelle angerührten Handlung, verlangt Spielleitung und Gruppe allerdings einiges ab. Zwischen erzählerischer Tiefe, hoher Komplexität und gelegentlicher Linearität entfaltet sich ein forderndes Spielerlebnis.\n\nWer sich durch die Foren des Internet wühlt, findet Hass und Liebe für diese Kampagne und das unter Umständen mit den gleichen Argumenten. Was den einen Frust beschert, macht den anderen Lust. Ich leite die Kampagne gerade und kann beides verstehen.\n\n#### Zehn Bücher stark\n\nUrsprünglich in den späten 1980er Jahren für die erste Edition von Warhammer Fantasy Roleplay veröffentlicht, wurde «The Enemy Within» für die vierte Edition von Cubicle 7 (in Deutsch bei Ulisses) umfassend neu aufgelegt und überarbeitet. Die Kampagne besteht jetzt aus fünf zentralen Bänden: Enemy in Shadows, Death on the Reik, Power Behind the Throne, The Horned Rat und Empire in Ruins. In ihrer modernen Form umfasst die Kampagne deutlich über tausend Seiten Material und ist auf eine mehrjährige Spielzeit ausgelegt.\n\nErgänzt werden diese Bände in der vierten Edition durch Companion-Bücher, die zusätzliche Szenen, Hintergrundinformationen und alternative Spielansätze liefern. Für Freaks, Nerds und Unersättliche sind die Companions Pflicht, selbstverständlich auch für Komplettsammler. Um die Kampagne zu spielen allerdings nicht. Im Gegenteil, schon die eigentliche Kampagne enthält Informationen genug, sodass die Begleitbände fast des Guten zu viel sind. Hinter vorgehaltener Hand: Keiner braucht die, sie sind bestenfalls interessant. Und kosten eine Stange Geld.\n\nImage: Cubicle 7\n\n#### Viel Atmosphäre, grosser Bogen\n\nEine der grössten Stärken von «The Enemy Within» liegt in ihrer besonderen Atmosphäre. Das Imperium erscheint nicht als glanzvolle Fantasy, sondern als gefährliche, von Korruption, Aberglauben und Politik durchzogene Welt. Diese Low Fantasy sorgt dafür, dass kleine Ereignisse Gewicht bekommen. Bedrohungen lauern überall.\n\nDie Kampagne entfaltet ihre Wirkung durch den grossen Erzählbogen. Was als lokales Abenteuer beginnt, ufert Schritt für Schritt zu einer Verschwörung aus, die das gesamte Reich betrifft. Dabei werden Ermittlungen, Reisen entlang des Flusses Reik und Intrigenspiel zu abwechslungsreich kombiniert. Wenn man das Internet durchstöbert, findet man viele Aussagen zur intensiven Welt, die zu erleben TEW ausmacht.\n\nHinzu kommt der starke Fokus auf eigentliches Rollenspiel und wenig Kampf. Entscheidungen sind selten eindeutig, moralische Grauzonen bestimmen das Geschehen, soziale Interaktionen stehen im Vordergrund. Das führt manchmal auch dazu, dass die Spielenden sich nicht im Klaren sind, ob sie sich gerade auf dem Holzweg befinden.\n\n#### Nicht lang, dafür tief\n\nWas mir auch auffällt ist, dass die Handlung der Abenteuer sich meist relativ kurz zusammenfassen lässt. Trotzdem füllt man ein ganzes Buch, dessen Handlung sich aber in ein paar Bulletpoints auflisten lässt. Wie? Indem man jeden Schnürsenkel beschreibt und vor allem, indem man jegliche erdenkbare Handlung der Charaktere versucht vorwegzunehmen und zu beschreiben, was das für die Kampagne dann bedeutet und wie darauf zu reagieren ist.\n\nImage: Cubicle 7\n\nMit dem Ergebnis, dass es für die Spielleitung (also mich) fast unmöglich ist, so viele Details zu verinnerlichen und ich dafür kaum die eigentlichen, tragenden Pfeiler der Story herausfinden kann. Das Sprichwort «Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen» war noch nie so treffend wie hier. Die Kampagne ist nicht lang, sondern dicht. Auf einer doch eher kurzen Timeline befinden sich oben und unten so viele Informationen und Notizen, dass die ganze Kampagne zu kippen droht.\n\nWährend ich das schreibe, geht mir gerade ein Licht auf: Eigentlich ist es bei The Enemy Within wie mit allem bei Warhammer Fantasy Roleplay! Die Karten sind so überladen, dass man kaum die Städte erkennt und die Namen lesen kann, geschweige denn die Grenzen und Flüsse auf den ersten Blick sieht. Die Regeln von WFRP 4e sind per se «too much», weshalb wir die Kampagne auch mit den Regeln von «Warlock!» spielen. Die Lore von Warhammer ist so voll mit Gottheiten, Ländern, Völkern, Kalendern, Währungen, Fraktionen und Geschichte, dass es echt schwierig ist, das alles bereitzuhalten. Und diese Kampagne reiht sich einfach nur in diese Aufzählung ein: Sie ist etwas voll, etwas unübersichtlich, insgesamt etwas zu viel. Also widmen wir den Mängeln der Kampagne doch ein eigenes Kapitel…\n\n#### Nicht über alle Zweifel erhaben\n\nSo beeindruckend die Kampagne ist, so deutlich treten auch ihre Schwächen hervor. Besonders häufig wird die stellenweise Linearität kritisiert. Trotz vieler Möglichkeiten wirkt die Story oft vorgegeben, sodass Entscheidungen nicht immer die erhoffte Tragweite entfalten. Oft kommen und gehen NSCs, Hooks und Momente, von denen man nicht weiss, ob sie völlig unwichtig oder essentiell sind.\n\nImage: Cubicle 7\n\nAuch der hohe Vorbereitungsaufwand stellt eine Hürde dar. Die Vielzahl an Nichtspielerfiguren, Handlungssträngen und versteckten Informationen verlangt von der Spielleitung viel Zeit, Energie und Motivation. Ohne sorgfältige Vorbereitung geht einiges an Flair verloren und schlimmstenfalls sogar wesentliche Elemente, die die Geschichte zum Stillstand bringen und dann noch mehr Improvisationstalent erfordern.\n\nDas Erzähltempo ist in den verschiedenen Abschnitten sehr unterschiedlich. Einige Abschnitte ziehen sich in die Länge, während andere relativ schnell abgehandelt werden. Problematisch ist auch die Abhängigkeit von bestimmten Hinweisen. Werden zentrale Informationen übersehen, kann die Handlung ins Stocken geraten oder erfordert improvisatorisches Eingreifen.\n\n#### Regieanweisungen benötigt?\n\nDer Wechsel zwischen düsterem Horror, politischer Satire und klassischem Abenteuer wird von manchen als reizvoll empfunden, von anderen jedoch kritisiert. Ich finde es persönlich etwas schwierig. Wie sollen die Spielenden wissen, dass das nun der detektivische Teil à la Cthulhu sein soll? Gar nicht. Denn wenn sie das bei den anderen zehn Teilen von sich aus versuchen täten, wäre das eine Katastrophe. Aber in diesem einen Teil ist es sogar verlangt. Muss ich nun als Spielleitung metagamingmässig ankündigen: «So, hier solltet ihr nun aber Ermittlungen anstellen.» Irgendwie doof. Ah, ja, die hohe Tödlichkeit des Systems kann ebenfalls zu Frustration führen.\n\n#### Die richtige Einstellung\n\nIch glaube, das A und O liegt darin, dass die Gruppe WFRP kennt und sich der Welt hingeben kann. Wer mächtige High Fantasy erwartet, Mysterien bis zur Lösung verfolgen will oder jedem Hinweis nachgeht, als wäre dies zwingend die Main Story, wird sich verzetteln, den Überblick und den Spass verlieren.\nWer Bock auf Storytelling, schrille Erlebnisse, eine bunte, reiche Welt und viele tolle Begegnungen mit Twists mag, der ist hier goldrichtig. Wie auch Masken des Nyarlathotep nicht repräsentativ für Call of Cthulhu ist, so ist auch Der Innere Feind nicht repräsentativ für Warhammer Fantasy Rollenspiel 4e.\n\n#### Fazit\n\n«The Enemy Within» ist ein Meilenstein des Rollenspiels, der seinen Ruf vor allem seiner dichten Atmosphäre, seinem grossen erzählerischen Anspruch und seinen vielfältigen Rollenspielmöglichkeiten verdankt. Und wenn wir ehrlich sind, verdankt die Kampagne TEW ihren Ruf am allermeisten ihrer Legacy. Sie war die erste, die tat, was sie halt so tut. Vor vierzig Jahren war das alles noch mindblowing. Man muss sich bewusst sein, dass man hier, trotz Facelifting, einen Oldie, Entschuldigung, Evergreen spielt.\n\nImage: Cubicle 7\n\nDoch gerade das Alter der Kampagne führt dazu, dass sich das Design (nicht das visuelle) nicht gerade modern anfühlt. Das ist zwar so, als ob man die Rockklassiker unter den Schallplatten aus den 70ern als «nicht modern» kritisieren würde, nämlich sinnlos und ungerecht. Aber irgendwie wäre es halt doch auch falsch, es als zeitgemäss, frisch und modern zu verkaufen. TEW ist ein Schwergewicht und Leckerbissen. Wer sich darauf einlässt, erlebt eine Kampagne, die nicht nur unterhält, sondern eine Spielgruppe über Jahre hinweg prägen kann… im Guten, wie im Schlechten.\n\nDer Beitrag Frust und Lust mit The Enemy Within erschien zuerst auf Penandpaper.blog.",
  "title": "Frust und Lust mit\nThe Enemy Within",
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