Der Preis ist heiß – Apples Dilemma rund um den Prime Day
Wir hatten es schon vor einer guten Woche befürchtet: Apple hat tatsächlich seine Preise für viele Produkte erhöht und den Windschatten des Amazon Prime Day ausgenutzt.
Das war schlau, denn wenn jetzt Apple für Macs, Macbooks und iPads deutlich mehr verlangt, kommt das noch nicht sofort bei den Käufern an, die in dieser Woche über die Anschaffung eines neuen Gerätes nachdachten. Immerhin hatte Amazon ordentliche Rabatte aufgelegt: So kostete das Macbook Neo am Donnerstagabend noch 599 Euro bei Amazon, während bei Apple schon das Preisschild von 799 Euro zu sehen war.
Apple konnte nicht anders. Tim Cook wird mit den Zulieferern langfristige Verträge mit Preisgarantie ausgehandelt haben, weswegen bisher nur einige exotische Konfigurationen dem Rotstift zum Opfer fielen oder der Mac Mini mit 256 GB, der zwar jetzt wieder zurück ist, aber so viel kostet wie zuvor die Variante mit 512 GB. Jeder Vertrag hat ein Ende und dann werden die Konditionen neu verhandelt, die Folgen sehen wir jetzt.
Die Krise haben die Verbraucher auch selbst zu verantworten
In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Speicherchips enorm gestiegen, da Anbieter von KI-Modellen in riesige Rechenzentren investierten, in denen Petabytes, Exabytes und gar Zetabytes an Daten verarbeitet werden müssen, in hoher und auch höchster Geschwindigkeit.
Die Geschäftsmodelle dahinter beflügeln die Fantasie der Anleger und setzen OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft und Konsorten unter Druck, dann auch liefern zu müssen. So kaufen die Softwaregiganten riesige Mengen an Speicherchips ein und setzen auf GPUs mit Dutzenden und Hunderten Kernen, die in Rechenzentren Abermillionen von neuronalen Knoten bilden.
Nur, um WM-Tippspielern zu erklären, wie am Montag das Sechzehntelfinale der Deutschen ausgeht, oder Sportstudierenden die Seminararbeit über „Vorzüge und Nachteile des diametral abkippenden Sechsers im Rücken der falschen Neun“ zu schreiben. Der Prof. lässt diese dann eine weitere KI wie Pangram überprüfen, ob unerlaubte Hilfsmittel aus den Rechenzentren zum Einsatz gekommen waren.
Das soll keine allgemeine Kritik an KI sein. Man kann sie auch gewinnbringend als Hilfsmittel einsetzen, und wenn Siri AI erst einmal vollständig auch in der EU läuft, werde ich sie vermutlich auch öfter zurate ziehen als bisher die allwissende Suchmaschine.
Somit werde ich Teil des Problems, das höhere Kosten verursacht.
Denn der Markt für SSD- und Arbeitsspeicher ist so unter Druck, dass auch Apple mit weit mehr Geldscheinen als bisher wedeln muss, um seinen Teil davon abzubekommen. Die Preissteigerungen zu absorbieren ist nicht mehr möglich, zumindest nicht mehr in der vollen Höhe. Apple hat schon genug damit zu tun, die irren Zölle des Irren im Weißen Haus nicht an die Kundschaft weiterzuleiten – fast eine Milliarde US-Dollar pro Quartal soll das Cupertino kosten.
Was Apple noch ausbalancieren kann und was nicht
Bei rund 40 Prozent Bruttogewinnmarge hätte Apple aber doch noch genug Spielraum, oder etwa nicht? Hier wird es kompliziert, denn der stets ansteigende Kurs der Apple-Aktie hängt stark vom Geschäftsergebnis des Unternehmens ab, insbesondere der Marge, die Hoffnungen auch auf künftige Umsätze und Gewinne schürt.
Private Anleger könnten bei drohenden Kursverlusten womöglich aus der Aktie aussteigen, bisherige Gewinne mitnehmen, sich etwas Hübsches leisten oder das Geld anderweitig anlegen, um es später wieder in Apple-Aktien zu investieren, wenn wieder bessere Zeiten kommen. Institutionelle Anleger wie Rentenkassen haben eher ein Problem damit, wenn Apples Gewinne einbrechen. Was Deutschland nach schwedischem Vorbild jetzt erst einmal versuchen will, um die Kassen der Versicherung und des Bundes zu entlasten, ist in den USA für viele die einzige Altersversorgung: das von einer Rentenkasse verwaltete Aktienvermögen. Apple ist zwar nicht das einzige Unternehmen, in das Pensionskassen investieren, gehört aber zu den wichtigsten. Dank seiner verlässlichen Rendite.
Also muss Apple versuchen, seine Marge bei 40 Prozent oder darüber zu halten, koste es, was es wolle. Also für den Verbraucher. Für den Aktienkurs von Apple war die gestrige Nachricht eine schlechte, um fast acht Prozent rauschte der Wert in die Tiefe. Lieber jedoch ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, der langfristige Trend zeigt weiter nach oben. Seit Jahresbeginn hat AAPL zwar nur 1,5 Prozent zugelegt, in den letzten zwölf Monaten aber um 36,9 Prozent. Die Verwalter der Pensionsfonds sind zufrieden.
Apple hat es als Premiumhersteller in der Speicherkrise etwas leichter als die von Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones, -Tablets oder -Notebooks. Da machen 100 US-Dollar schnell den Unterschied zwischen „erschwinglich“ und „nicht mehr preiswert“ aus. Schon heute sieht man den Trend, dass Apple seinen Marktanteil bei gleichbleibenden Verkäufen erhöhen kann, weil der Konkurrenz die Kundschaft von den Fahnen geht.
Die gute Nachricht in dieser Woche war, dass Apple vorwiegend bei Macs und iPads an der Preisschraube gedreht hat, wenn auch teils kräftig. iPhones sind nicht teurer geworden. Noch nicht.
Was wird das aber für das iPhone 18 Pro und das iPhone Ultra bedeuten? Die besseren Konfigurationen des Pro werden klar über 2.000 Euro kosten, dort fängt das Ultra erst an. Meine Prognose: Die Leute reißen Apple die iPhones trotzdem oder vielleicht sogar deswegen aus den Händen. Denn wer billig kauft, der kauft oft zweimal. Ferner wird die Preiserhöhung in dieser Woche und der erwartete Anstieg bei den Geräten des Herbstes 2026 nicht der letzte gewesen sein. Teurer als gestern ist es zwar, aber billiger als morgen.
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