External Publication
Visit Post

iPhone Ultra: Was wird aus Carplay?

Macwelt – News, Tipps und Tests von Apple-Experten [Unofficial] June 23, 2026
Source

Während Apple sich immer noch schwer tut, die Automobilindustrie von Carplay Ultra zu überzeugen, gibt es heute praktisch keinen Neuwagen mehr ohne Carplay-Option oder eine solche für Android Auto.

Die Infotainmentsysteme der meisten älteren Autos, die nach 2015 gebaut wurden, lassen sich in der Werkstatt mit Carplay nachrüsten. In noch älteren Fahrzeugen muss man etwas tricksen und Nachrüstlösungen mit einem eigenen Bildschirm einbauen, die nicht immer nahtlos zum Auto passen. In jedem Fall sind sie aber besser, als das relativ kleine iPhone an eine Halterung zu hängen und dieses dann als Carplay-Alternative zu nutzen, mit weiteren Nachteilen wie fehlender Anbindung an die Lenkradtasten.

Das iPhone Ultra, das im Herbst kommen sollte, wird indes ein iPhone sein, das man auf iPad-Mini-Größe ausklappen kann und das somit eine Bildschirmgröße bietet, die an die der meisten Screens im Fahrzeug heranreicht. Die Frage liegt also nahe: Benötigt man dann überhaupt noch eine Carplay-Anbindung? Und was müsste das Betriebssystem des iPhone Ultra anbieten, damit es zur idealen Carplay-Lösung wird?

Das iPhone als Carplay-Display

Sie haben ein altes Auto, wollen aber Carplay nutzen? Prima, kaufen Sie sich das iPhone Ultra, und Sie sind alle Sorgen los. Dazu benötigen Sie nur noch eine Halterung, entweder per Saugnapf an der Windschutzscheibe montiert oder an den Lüftungsschlitzen festgeschraubt.

So wird es garantiert nicht laufen: Das Auto mit Carplay lässt sich für wenige hundert Euro nachrüsten, das iPhone Ultra wird mehr als 2.000 Euro kosten. Wer endlich Carplay im Auto haben möchte, gehört nicht zur Zielgruppe des iPhone Ultra.

Dennoch könnte die bloße Existenz des iPhone Ultra das Carplay-Erlebnis verändern. Sicher, selbst kabelgebundene Systeme sind vor der Fahrt schnell einsatzbereit gemacht, aber in einigen Situationen könnte es sinnvoll sein, mal eben das iPhone Ultra auszuklappen und in eine dafür geeignete Vorrichtung zu stecken, auch und gerade in älteren Autos.

Carplay ist zwar in vielerlei Hinsicht nützlich, viele erfahrene Fahrer und Fahrerinnen verlassen sich aber bei der Navigation noch auf Straßenschilder und vorab memorierte Karten und Routen. Für die Unterhaltung während der Fahrt genügt auch das Radio – zumal es Verkehrsfunk auf den meisten Sendern gibt.

Aber auch ortskundige Fahrer kommen in Situationen, in denen eine Navigation hilfreich wäre, bei Stau, bei unerwarteten Baustellen oder wenn man sich auf veraltetes Kartenmaterial verlassen hat. Dann rechts ranfahren, Motor aus, iPhone Ultra ausgeklappt und in die Halterung gesteckt, Siri um Rat gefragt, weiter geht’s. Oder der Beifahrer kümmert sich um die spontane Nachrüstung von Carplay während der Fahrt.

Mahmoud Itani / Foundry

Tiefere Verbindung mit dem Fahrzeug

Nun ist ein iPhone in einer Halterung noch lange kein Carplay-Bildschirm, selbst wenn die 7,7 Zoll des iPhone Ultra es mit den meisten Systemen im Auto aufnehmen könnten. Denn mit den vertrauten Tasten am Lenkrad, den Hebeln und der Mittelkonsole kann man das Infotainment des Autos steuern, ohne den Blick von der Straße zu wenden, oder eben Carplay. Siri alleine wird hier nicht weiterhelfen, auch wenn Apples KI endlich mal auf einem höheren Niveau angekommen sein wird. Sprich: Um eine echte Carplay-Anbindung an das Fahrzeug, sei es drahtlos oder über USB-C-Kabel, kommt man nicht herum, will man vertraute Steuerelemente nutzen.

Auf dem Bildschirm des iPhone Ultra ließen sich zwar mehr Elemente darstellen als via Carplay auf dem Display im Auto, aber das ist kein Argument für das iPhone Ultra als Carplay-Bildschirm. Denn es hat einen vernünftigen Grund, dass Carplay nur wenige Dinge auf dem Bildschirm zeigt und die dann auch noch relativ groß darstellt: So ist sichergestellt, dass man den Screen auch aus den Augenwinkeln verfolgen kann und der Blick vorwiegend auf die Straße gerichtet bleibt.

Das faltbare iPhone soll bekanntlich iPhone Ultra heißen und nur ein Teil eines Ultra-Brands werden. Zumindest bei Hardware geht das auf, bei Carplay Ultra, ehedem Carplay 2, passiert das bisher nicht. Apples Idee: Unsere Kundschaft hat auf dem iPhone doch alles, was sie benötigt. Lass’ das iPhone doch die komplette Elektronik des Autos übernehmen, also in modernen Fahrzeugen auch die Bildschirme im Cockpit, die früher noch analoge Anzeigen waren, für Geschwindigkeit, Drehzahl, Energievorrat, Temperatur und dergleichen.

Automobilhersteller, die nicht erst seit gestern vor der Herausforderung stehen, dass die Software über Wohl und Wehe des Verkaufserfolgs bestimmt – auch bei Verbrennern –, halten von der Idee gar nicht viel. Man müsste Apple so tief in die eigene Software einsteigen lassen, dass die Kundschaft nur noch bemerken würde, ob es sich um ein von Apples Carplay oder von Google Auto gesteuertes Fahrzeug handelt. Aber nicht, ob man in einem BMW, Mercedes oder VW sitzt.

Apple könnte jedoch einen anderen Weg beschreiten und Carplay Ultra mit offenen Schnittstellen ausstatten, an denen die Software der Automobilhersteller andocken kann. So hat man sich etwa in seinem Privatwagen perfekt eingerichtet, alle Einstellungen in seinem iPhone gespeichert, und auf Reisen steigt man in ein Fabrikat des gleichen Herstellers und hat nach dem Andocken des iPhones das gleiche Cockpit wie daheim. Wird Apple kaum machen, zu divers ist die Softwarelandschaft da draußen, und nur wenn die Kontrolle über die Software in Cupertino bleibt, kann Apple auch eine gewisse Qualität versprechen. Prognose: Carplay Ultra ist zum Scheitern verurteilt, und zwar vollkommen unabhängig vom iPhone Ultra.

Erweiterung der Bildschirme

Vermutlich gibt es also kaum ein Szenario, in dem das iPhone Ultra Carplay dauerhaft ersetzen kann, nicht einmal in älteren Fahrzeugen. Aber wenn man schon mal ein iPhone mit einem großen Bildschirm mit ins Auto nimmt und darin Carplay nutzt, warum sollte dies nicht noch den Bildschirm erweitern? Insbesondere wenn der interne Screen in der Größe recht beschränkt ist, könnte doch ein Teil der Anwendungen auf dem iPhone laufen? Die Navigation ist nun mal dann am besten, wenn sie möglichst viel Platz bekommt. Was in den anderen Widgets laufen könnte, etwa die musikalische Unterhaltung, fände dann auf dem zweiten, weniger wichtigen Bildschirm statt – etwa dem auf die Beifahrerseite montierten iPhone Ultra.

Fazit

Das iPhone Ultra wird Carplay trotz seines großen Bildschirms nicht ersetzen. Wohl könnte es aber eine sinnvolle Ergänzung sein, als temporäre Nachrüstlösung für ältere Fahrzeuge oder als zusätzlicher Bildschirm. Alles darüber hinaus ist nur schwer vorstellbar.

Discussion in the ATmosphere

Loading comments...