Siri & Co: Was Apple auf der WWDC 2026 wirklich beweisen muss
Die WWDC 2024 geht wohl in Apples Geschichte als Gegenbeispiel der gut durchdachten und legendären PR-Aktionen ein. Denn Apple hat auf der Bühne zu viel versprochen und überhaupt nichts geliefert. Selbst zwei Jahre später. Die schlaue Siri, die aus dem Kontext Mails schreiben, eigene Reisen im Blick behalten, und Nutzer daran erinnern kann. Apple Intelligence ist zwar veröffentlicht worden, mit einiger Verzögerung sogar auf Deutsch, doch von den wirklich smarten Features fehlt jede Spur.
WWDC 2024 – das uneingelöste Versprechen
Mittlerweile hat Apple seinen Fehler zugegeben, und sogar öffentlich in einem Interview zu diesen Fehlern Position bezogen. Doch der Schaden war angerichtet. Eine Sammelklage in den USA wurde vor einigen Tagen beigelegt, in deren Rahmen Nutzer Apple wegen unlauterer Werbung verklagt haben. Das Unternehmen muss nun 250 Millionen US-Dollar an einige iPhone-15- und iPhone-16-Käufer zahlen.
Die letzten Spekulationen drehten sich darum, dass Apple die ausgebaute Apple Intelligence mit iOS 26.4 veröffentlicht. Mittlerweile ist iOS 26.5 final erschienen und sogar iOS 26.6 als Beta verfügbar, doch von der neuen Siri fehlt weiterhin jede Spur.
WWDC 2025 – Glasfassade
Noch vor einem Jahr hat der Kollege Müller treffend geschrieben, dass Apple mit dem neuen Design etwas vom Siri-Fiasko ablenken will. Zwar kann man davon ausgehen, dass die neue gläserne Oberfläche von iOS 26 deutlich länger als ein Jahr in Arbeit war, doch die kam auf der WWDC 2025 ganz gelegen, um nicht über Apple Intelligence sprechen zu müssen.
Für die WWDC 2026 hat Apple womöglich keine Ausreden mehr. Das Redesign ist erledigt, ein neues Betriebssystem wie visionOS steht nicht ins Haus. Beste Zeit also, Scherben aufzukehren, das Krönchen zu richten und mit erhobenem Haupt Siri 2.0 zu präsentieren. Vielleicht ohne vorproduzierte Werbung mit Hollywood-Stars, sondern mit funktionierenden Demos.
Doch vielleicht waren zwei Jahre Verzögerung und Diskussion um Künstliche Intelligenz, Vibe Coding, agentische KI und so weiter gar nicht mal so schlecht für einen Hersteller, deren Neuerungen fast gleichzeitig 2,5 Milliarden Nutzer beeinflussen.
Wurde ChatGPT Anfang 2024 noch als ein Wunderzeug gesehen, hat sich KI mittlerweile im Alltag etabliert und fast zwangsläufig den Glanz von einem Hauch von Magie verloren. Zwar sind die Tools zweifelsohne hilfreich, doch die haben auch ihre dunklen Seiten: Deep Fakes von Promis, hanebüchende Propaganda der nicht mehr senilen Politiker, Social-Media-Posts mit derselben Struktur und Tonalität, glattgeleckte Aufzugmusik ohne Ecken und Kanten – das alles sind Folgen der KI-Verbreitung im Alltag. Auch Apple hat im App Store mit gefälschten Rezensionen, kopierten Apps und durch Bots angelegten Apple-Accounts zu kämpfen, denn KI ermöglicht auch die einfache Skalierung von bekannten Maschen.
Es ist ja auch nicht so, als wäre Apple das Thema KI fremd. Das Unternehmen hat sie nur schlecht vermarktet. Die Mustererkennung oder deren Weiterentwicklung, maschinelles Lernen, ist ein fester Bereich in Apples Unternehmensstruktur. Apple hat bereits mit dem iPhone X angefangen, eigene Hardware auf die spezialisierten Aufgaben der parallelen Bearbeitung anzupassen. Apples Neural Engine ist der dedizierte Co-Prozessor, der diese Aufgaben übernimmt. Mit den Core ML Tools stellt der Hersteller ein Konvertierungs-Tool zur Verfügung, das die Transformer auf Apple-Silicon-CPUs, -GPUs und Neural Engine optimal laufen lässt. Übrigens: Das „T“ in „ChatGPT“ steht für Transformer.
WWDC 2026 – Was kommt nach zwei Jahren?
Apple hat iOS nach und nach für Dritt-Chatbots geöffnet. So kann man mit Apple Intelligence ChatGPT als Alternative verwenden. In den USA kann man Health-Daten für die KI freigeben, die Empfehlungen zum Gesundheitszustand geben soll – zumindest verspricht sie das. Auch das Apple-Music-Konto lässt sich mittlerweile mit ChatGPT verbinden.
Bislang ist nicht bekannt, wie viele Anwender diese Funktionen tatsächlich nutzen. Vor allem die Verknüpfung von Apple Health und ChatGPT ist experimentell. Doch das Vorhandensein solcher Brücken zeigt, dass das Verhältnis der Kunden zum Datenschutz eher platonischer Natur ist. Sobald der nächste Rattenfänger mehr Komfort oder vor allem Unterhaltung verspricht, springen sie damit ins Bett.
Fazit
Nach zwei Jahren ist der KI-Hype etwas abgeflacht. Auch die Speicherkrise hat gezeigt, dass Künstliche Intelligenz nicht nur Vorteile bringt. In dieser Zeit hat Apple sicherlich selbst Siri und Apple Intelligence weiterentwickelt, aber auch mit anderen Anbietern zusammengearbeitet. Vor allem Gemini von Google wird als Siri-Ersatz in iOS 27 kolportiert. Es bleibt zu hoffen, dass Apple aus eigenen und fremden Fehlern gelernt hat. Ein ideales Ergebnis wäre eine Siri, die einen versteht, nicht so viel wie ChatGPT labert und vor allem nicht so viel über den Anwender verrät, wie minimal notwendig.
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